Lügengeschichten

Maß der eigenen Wahrheit

Für schlechte Strafrichter scheint es schlechte Fortbildungen zu geben, in denen beigebracht wird, dass ein Glaubhaftigkeitskriterium für belastende Zeugenaussagen sein soll, was solche Zeugen alles nicht gesagt haben.

Wenn der Zeuge lügen würde, hätte er doch wohl eher …

Wenn sie hätte falsch belasten wollen, hätte sie es anders dargestellt ….

Wenn der Zeuge übertreiben wollte, dann hätte er bestimmt noch viel mehr gesagt …

Man hat den Eindruck, dass diese bestimmten Richter die eigenen Lügengeschichten aus der Jugendzeit als Maßstab nehmen, um dann zum Ergebnis kommen, dass man selbst viel mehr gelogen hätte als der Zeuge mit dem Ergebnis: Wer weniger lügt als ich, sagt die Wahrheit.

Es sind oft die Richter, die auch aussprechen, dass sie eigentlich keine Ahnung haben von dem was sie tun, wenn man hört: Bei der notwendigen Entscheidung, ob ich dem Angeklagten glaube oder dem Belastungszeugen, komme ich zu dem Ergebnis, dass ich doch mehr dem Belastungszeugen glaube …

Der Gedanke, dass auch zu dem Ergebnis gekommen werden könnte, dass man nicht weiß, wem man glauben kann mit der Folge, dass dann in dubio pro reo freizusprechen ist, liegt solchen Richtern leider fern.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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