Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht VI

Der, der alles in sich vereint

Ein paar Typen von Rechtsanwälten, die meinen, auch (mal) Strafsachen machen zu müssen, aber nicht unbedingt irgendetwas richtig machen, habe ich zusammengestellt: den Dauerfrager, den Schleimer, den Fragenerklärer, den allwissenden Unwissenden und den Unstrukturierten.

Man könnte die Liste der Unangenehmen sicher erweitern oder anders aufteilen, aber will ich es an dieser Stelle dabei belassen, weil ich zur Zeit (noch) mit jemandem verteidige, der jedenfalls diese fünf Kriterien so 100%ig erfüllt wie eine Karikatur. Er ist tatsächlich der dauerfragende schleimende unstrukturierte fragenerklärende allwissende Unwissende, auch das Schulbeispiel für den Dunning-Kruger-Effekt:

Die Erkenntnisse, die der Dunning-Kruger-Effekt liefert, sind zunächst einmal ernüchternd. Denn sie machen klar, warum es so schwer ist, engstirnige Menschen von etwas zu überzeugen. Es fällt besonders Minderbefähigten nicht leicht, eigene Fehler zu erkennen und gegebenenfalls zu korrigieren. Wer gar nicht erst erkennt, dass er ein Problem hat, kann dieses selbstverständlich auch schlecht lösen. Möchte man an solche Personen mit einer Lösung herantreten, wissen es diese oft besser. Es erscheint daher sinnvoll, es gar nicht erst zu versuchen und sich rauszuhalten. Die fehlende Selbstwahrnehmung könnte nur korrigiert werden, wenn entsprechende Personen sich zusätzliche Kompetenzen aneignen. Dazu sind allerdings gerade die Unfähigen oft nicht bereit.

Schade, dass solchen Scharlatanen das Auftreten als Verteidiger nicht von Kammern oder Gerichten verboten werden kann.

IMG_5434

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht V

Der Unstrukturierte

Er kümmert sich zwar um das Verfahren, er liest viel in der Akte und schreibt in der Hauptverhandlung hin und wieder mal ein Stichwort auf. Und dann hat er plötzlich eine (Schnaps-)Idee, will sofort über diese Idee quatschen, verliert den Faden, bastelt aus der Idee einen Antrag, und schwupps: der muss jetzt gestellt werden! Jetzt!

Er hört nicht mehr zu, weil er diese Idee hat, er ignoriert jeden Hinweis, dass es jetzt gerade Wichtigeres gibt, er bekommt gar nicht mehr mit, was im Verfahren passiert. Er verlangt, dass IHM sofort zugehört wird, dass er sofort angerufen wird, dass sein grandioser Antrag sofort gelesen wird; ein Antrag, der sich vielleicht schon erledigt hat, weil er aufgrund seiner grandiosen Idee nicht mehr zugehört hat., oder der vom Zeitpunkt her kontraproduktiv ist.

Weil er sich keine oder nur wenige Notizen macht und seinen zumindest vom Zeitpunkt her unnützen Ideen nachhängt, blamiert er sich dann, wenn er Fragen stellt, weil diese schon beantwortet sind oder er gar nicht merkt, dass er bereits gegebene „gute“ Antworten jetzt nachträglich kaputt fragt.

Er denkt fast immer zum falschen Zeitpunkt an das Falsche und macht deshalb wenig richtig. Schade.

IMG_5434

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht IV

Der allwissende Unwissende

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige – wenige – Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Der allwissende unwissende Verteidiger ist brandgefährlich, insbesondere für den Mandanten, der das nicht beurteilen und deshalb nicht reagieren kann.

Es sind die mit gesundem Weniger-als-Halbwissen gesegneten Schlaumeier, die alles besser wissen und auch auf zarte Hinweise, dass das, was sie sagen oder tun, falsch, unprofessionell und möglicherweise für den Mandanten sogar schädlich sein könnte, abwiegeln und sogar angepisst darauf reagieren, weil sie ja die größte Erfahrung haben, das besser einschätzen können, das schon immer so gemacht haben etc.

Es handelt sich oft um vermeintliche Platzhirsche aus kleineren provinziellen Städten, in denen sie mangels qualitätsmäßig erträglicher Konkurrenz glauben, die Größten, nein, die Allergrößten zu sein.

Auch Hinweise auf erkennbar negative Tendenzen, auf falsche Einschätzungen der Prozesslage, auf blödsinnige, amateurhafte, juristisch lächerliche Anträge halten den allwissenden Unwissenden nicht davon ab, auf ihrer blödsinnigen Meinung zu beharren, sich nichts sagen zu lassen – sie sind unbelehrbar.

Und der auch unwissende – der kann aber nichts dafür – Mandant glaubt natürlich an „seinen“ Verteidiger, weil er nicht einschätzen und erkennen kann, dass der allwissende Unwissende mit seiner sturen Blödheit ins Unglück reitet.

Und weil der Unwissende allwissend ist, reagiert er auf Hinweise auf seine Fehler angepisst und beleidigt, um dann natürlich erst recht das zu tun, was er tun wollte. Diese Idioten sterben nicht aus.

Nach einem Hinweis in einem Forum hier die wieder in Erinnerung gerufene Fachbezeichnung für solche Selbstüberschätzung von Kleinstadt-Stars: Dunning-Kruger-Effekt

IMG_5434

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht III

Der Fragenerklärer

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Fragenerklärer. Er ist nicht in der Lage, einfach mal eine Frage an einen Zeugen oder Angeklagten zu stellen. Er erklärt erstmal umständlich, was er so bisher verstanden hat, hält noch etwas Wichtiges vor – wichtig, weil er es sich so aufgeschrieben hat -, schleicht sich dann in Richtung der eigentlichen Frage, indem er sie einleitet mit: Was mich nochmal interessieren würde, ist …

Jetzt setzt der Zeuge endlich zur Antwort an, aber der Fragenerklärer quatscht weiter, weil er jetzt noch „schnell“ erklären muss, warum ihn das nochmal interessiert, was ihn nochmal interessiert.

Kann schon nerven, entwertet natürlich auch jede Antwort. Hin und wieder frage ich dann in das Gequatsche: Wie war noch die Frage (denn: Staatsanwälte und Richter können das auch).

IMG_5434

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht II

Die Schleimer

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Schleimer. Er kommt in den Saal und begrüßt unterwürfig zunächst jeden mit Handschlag und hält ein Pläuschchen. Er meldet sich wie in der Schule, bevor er etwas sagt. Er drängt sich in jede Gesprächsrunde, stellt sich kurz daneben, um sich dann ungefragt einzumischen und zu schleimen. Er schwänzelt um Vorsitzende, Pressevertreter und wen auch immer herum, ist immer widerlich freundlich und klettig, man wird ihn nicht los.

In der Ausdrucksweise unterwürfig bis zur Selbstaufgabe, Formulierung wie: „Dürfen wir hervortreten, Herr Vorsitzender“ gehören dann zum Alltag.

Schleim gepaart mit wenig bis gar keinem Fachwissen, gern genommen von selbstverliebten Dorfverteidigern. Klebrig unangenehm.

IMG_5434

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht I

Der Dauerfrager

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Dauerfrager. Er stellt Fragen, um sich selbst fragen zu hören. Er kann es nicht ertragen, nichts zu fragen, obwohl alle Fragen schon gestellt sind, obwohl er Gefahr läuft, mit den weiteren Fragen bisher gute Ergebnisse im Sinne der Verteidigung wieder kaputt zu fragen; obwohl er weiß, dass das Gericht schon darauf wartet, spätestens nach seiner zweiten Frage – bei diesem Typus berechtigt – hineinzugrätschen nach dem Motto: „Herr Rechtsanwalt Gockel, diese Frage haben wir nun schon x-fach gehört, sie wurde y-fach beantwortet“, oder: „Und, was hat diese Frage mit der Sache zu tun?“ usw.

Diese amateurhaften Dauerfrager glauben auch, dass sie ihren Mandanten mit dieser dämlichen Fragerei beweisen, wie gut sie sind, dass sie etwas tun für ihr Geld, dass die Mandanten den besten Verteidiger haben.

Eigentlich sollte man diesem Typ Strafverteidigung schlicht verbieten.

IMG_5434

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Sprachkünstler

Belehrt wird immer!

Wir kennen das, aus Protokollen/Berichten von Polizeibeamten ergibt sich oft detailreich alles und noch viel mehr, von Belehrungen von Beschuldigten findet man nichts.

Wenn die Polizeibeamten dann in der Hauptverhandlung als Zeugen befragt werden, ob sie in ihren Berichten jedenfalls alles dokumentieren, was wichtig ist, kommt schon etwas empört: aber selbstverständlich!

Fragt man dann nach, ob Belehrungen wichtig sind, wird das natürlich auch wieder wortreich bestätigt, erste Andeutungen von: Ich belehre natürlich IMMER!

Wenn man dann fragt, ob man daraus, dass bestimmte Vorgänge nicht protokolliert sind, schließen darf, dass diese nicht geschehen sind, wird auch das bestätigt.

Erst wenn dann die Großkatze aus dem Sack gelassen wird, dass man in der Sache daraus, dass über eine Belehrung nichts zu finden ist, schließt, dass auch nicht belehrt wurde, kommt sofort oberempörtes Bestreiten, selbstverständlich habe man belehrt, man schreibe das eigentlich auch immer auf, weil es ja so wichtig ist, dass das hier nicht geschehen ist, könne man zwar nicht erklären, und wie das mit der Belehrung genau war, können man auch nicht mehr erinnern, aber: ICH BELEHRE IMMER!

Klar, fehlt nur noch: Ich habe in meinem Leben noch nie gelogen, ich wurde ja schon als Polizeibeamter geboren.

Und dann alternativ noch diese Nummer, aktuell geschehen:

Die Belehrung gemäß StPO erfolgte durch PK’in Ahlb. —- Zwei Absätze weiter: Aufgrund der offensichtlich mangelnden Kenntnisse der deutschen Sprache gestaltete sich die Kommunikation mit der Beschuldigten schwer.

Klar, Belehrung mit Händen, Füßen und anderen Körperteilen – man sollte solche Polizeibeamte/innen einfach rausschmeißen!

IMG_3852

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar