Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht III

Der Fragenerklärer

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Fragenerklärer. Er ist nicht in der Lage, einfach mal eine Frage an einen Zeugen oder Angeklagten zu stellen. Er erklärt erstmal umständlich, was er so bisher verstanden hat, hält noch etwas Wichtiges vor – wichtig, weil er es sich so aufgeschrieben hat -, schleicht sich dann in Richtung der eigentlichen Frage, indem er sie einleitet mit: Was mich nochmal interessieren würde, ist …

Jetzt setzt der Zeuge endlich zur Antwort an, aber der Fragenerklärer quatscht weiter, weil er jetzt noch „schnell“ erklären muss, warum ihn das nochmal interessiert, was ihn nochmal interessiert.

Kann schon nerven, entwertet natürlich auch jede Antwort. Hin und wieder frage ich dann in das Gequatsche: Wie war noch die Frage (denn: Staatsanwälte und Richter können das auch).

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Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht II

Die Schleimer

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Schleimer. Er kommt in den Saal und begrüßt unterwürfig zunächst jeden mit Handschlag und hält ein Pläuschchen. Er meldet sich wie in der Schule, bevor er etwas sagt. Er drängt sich in jede Gesprächsrunde, stellt sich kurz daneben, um sich dann ungefragt einzumischen und zu schleimen. Er schwänzelt um Vorsitzende, Pressevertreter und wen auch immer herum, ist immer widerlich freundlich und klettig, man wird ihn nicht los.

In der Ausdrucksweise unterwürfig bis zur Selbstaufgabe, Formulierung wie: „Dürfen wir hervortreten, Herr Vorsitzender“ gehören dann zum Alltag.

Schleim gepaart mit wenig bis gar keinem Fachwissen, gern genommen von selbstverliebten Dorfverteidigern. Klebrig unangenehm.

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Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht I

Der Dauerfrager

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Dauerfrager. Er stellt Fragen, um sich selbst fragen zu hören. Er kann es nicht ertragen, nichts zu fragen, obwohl alle Fragen schon gestellt sind, obwohl er Gefahr läuft, mit den weiteren Fragen bisher gute Ergebnisse im Sinne der Verteidigung wieder kaputt zu fragen; obwohl er weiß, dass das Gericht schon darauf wartet, spätestens nach seiner zweiten Frage – bei diesem Typus berechtigt – hineinzugrätschen nach dem Motto: „Herr Rechtsanwalt Gockel, diese Frage haben wir nun schon x-fach gehört, sie wurde y-fach beantwortet“, oder: „Und, was hat diese Frage mit der Sache zu tun?“ usw.

Diese amateurhaften Dauerfrager glauben auch, dass sie ihren Mandanten mit dieser dämlichen Fragerei beweisen, wie gut sie sind, dass sie etwas tun für ihr Geld, dass die Mandanten den besten Verteidiger haben.

Eigentlich sollte man diesem Typ Strafverteidigung schlicht verbieten.

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Sprachkünstler

Belehrt wird immer!

Wir kennen das, aus Protokollen/Berichten von Polizeibeamten ergibt sich oft detailreich alles und noch viel mehr, von Belehrungen von Beschuldigten findet man nichts.

Wenn die Polizeibeamten dann in der Hauptverhandlung als Zeugen befragt werden, ob sie in ihren Berichten jedenfalls alles dokumentieren, was wichtig ist, kommt schon etwas empört: aber selbstverständlich!

Fragt man dann nach, ob Belehrungen wichtig sind, wird das natürlich auch wieder wortreich bestätigt, erste Andeutungen von: Ich belehre natürlich IMMER!

Wenn man dann fragt, ob man daraus, dass bestimmte Vorgänge nicht protokolliert sind, schließen darf, dass diese nicht geschehen sind, wird auch das bestätigt.

Erst wenn dann die Großkatze aus dem Sack gelassen wird, dass man in der Sache daraus, dass über eine Belehrung nichts zu finden ist, schließt, dass auch nicht belehrt wurde, kommt sofort oberempörtes Bestreiten, selbstverständlich habe man belehrt, man schreibe das eigentlich auch immer auf, weil es ja so wichtig ist, dass das hier nicht geschehen ist, könne man zwar nicht erklären, und wie das mit der Belehrung genau war, können man auch nicht mehr erinnern, aber: ICH BELEHRE IMMER!

Klar, fehlt nur noch: Ich habe in meinem Leben noch nie gelogen, ich wurde ja schon als Polizeibeamter geboren.

Und dann alternativ noch diese Nummer, aktuell geschehen:

Die Belehrung gemäß StPO erfolgte durch PK’in Ahlb. —- Zwei Absätze weiter: Aufgrund der offensichtlich mangelnden Kenntnisse der deutschen Sprache gestaltete sich die Kommunikation mit der Beschuldigten schwer.

Klar, Belehrung mit Händen, Füßen und anderen Körperteilen – man sollte solche Polizeibeamte/innen einfach rausschmeißen!

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Aussagen bei der Polizei

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Fachanwalt für Strafrecht oder Verteidiger

Aus aktuellem Anlass: Lassen Sie es einfach, sich bei der Polizei vernehmen zu lassen. Die Bürschinnen, Burschen und Burschies der Trachtentruppe sind entweder zu dumm, zu lustlos oder zu hinterhältig, um das, was Sie dort sagen, wirklich korrekt und detailgetreu aufzunehmen.

Es wird verkürzt, verfälscht, verdreht, ins Gegenteil verkehrt; was – so meine Erfahrung – nie passiert: dass aufgeschrieben wird, was Sie gesagt und gemeint haben.

Und dann werden Sie auch noch verarscht. Ihnen wird die Erklärung untergeschoben, dass Sie alles noch einmal gelesen haben, bevor Sie es dann genehmigt haben. Selbst wenn Sie alles lesen dürfen, wird Ihnen da schon jede Abweichung untergeschoben, die Sie gar nicht gemerkt haben.

Warum keine Videovernehmung oder Tonbandaufnahme? Weil man dann nicht mehr mauscheln, verfälschen und vorverurteilen kann.

Deshalb: wenn Sie es irgendwie verhindern oder verweigern können: Sagen Sie nie vor der Polizei aus, ob als Zeuge oder Beschuldigter. Staatsanwälte sind oft fast genauso schlimm, auch Richter sind als Verfälscher nicht unbekannt. Aber ganz so schlimm, wie bei der Polizei, ist es dort nicht.

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Wie Schöffen so ticken (sollen?)

Feindbild Verteidiger

Der Kollege Michael Rellmann berichtet mir über eine Informationsveranstaltung eines „Landesverbandes der Deutschen Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen“ am 13.03.2018 in einer Volkshochschule.

Ca. 50 interessierte Bürger sind – möglicherweise wegen einer demnächst anstehenden Schöffenwahl – anwesend.

In diesem Kreis dann eine deutliche Ansage der Ansprechpartnerin des Landesverbandes zu den Anwesenden:

„Merken Sie sich eins: Der Verteidiger ist der größte Feind der Schöffen.“

Es ist immer wieder schön, zu erfahren, wie kompetente Ansprechpartner ihre unendliche Kompetenz nutzen, um selbige weiterzutragen, damit dann zum Schluss genau das passiert, was wir oft – nicht immer! – in Gerichtssälen erleben müssen: einseitig und voreingenommene Schöffen, die ihren Verurteilungsdrang kaum zurückhalten können.

Zur Klarstellung bezüglich der Informationsveranstaltung: In der Veranstaltung in der Volkshochschule ist eine anwesende Richterin eingeschritten ist und hat versucht, klarzustellen, dass der Verteidiger kein Feind ist.

Ob das dann noch bei den Zuhörern angekommen ist, ist unklar geblieben; und dass solche Korrekturen immer erfolgen, ist eher unwahrscheinlich.OCEccTUbSlWhGlTcLU2Weg

 

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Ein selbstgefälliger (ehemaliger) Justizjurist: Bijan Nowrousian

Wenn der Tunnelblick zum Blindflug wird

Es gibt immer wieder Glückspilze und Glückspilzgemeinschaften.

Eine Glückspilzgemeinschaft ist die Staatsanwaltschaft in Kiel, jemanden losgeworden zu sein, der in selbstgefälliger, selbstüberschätzender pseudointellektueller Art meint, Berufsgruppen – besonders von ihm untauglich versucht, aufs Korn zu nehmen: die Strafverteidiger – diskreditieren zu können, indem er mit von profunder Unkenntnis getragenen Thesen auf andere einschlägt, ohne zu bemerken, welchen einseitigen Unsinn er verbreitet.

Ein ganz Schlauer, der Herr Prof. Dr. Bijan Nowrousian. Er ist der Glückspilz. Eine Stelle gefunden zu haben, an der er niemandem mehr schaden kann, an der ihm niemand mehr zuhören muss, an der er Zeit hat, den Unsinn zu verbreiten, mit dem er nun nicht mehr eine ganze Behörde sondern nur noch sich selbst der Lächerlichkeit preisgibt.

Bijan Nowrousian, Jahrgang 1975, geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet, studierte Rechtswissenschaften in Dresden und Berlin und war von 2005 bis Juli 2016 Staatsanwalt in Kiel. Seit August 2016 ist er Professor für Strafrecht und Ordnungswidrigkeitenrecht an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen/ Studienort Münster.

Was er von Strafverteidigern hält: „Die Erfahrung des Justizjuristen lehrt daher: als Ratgeber eignen sich Verteidiger nur sehr beschränkt – im Verfahren, aber auch im Schrifttum und im Parlament.“

Ah ja! Könnte man ja zukünftig Beschuldigten/Angeschuldigten/Angeklagten, Kommentarverlagen und Parlamenten nahe legen, sich von solchen Bijanen beraten zu lassen, die können bestimmt alles besser, ob im Verfahren, im Schrifttum oder im Parlament.

Ganz besonders feinsinnig wird es, wenn der Übergang vom Tunnelblick zum Blindflug garniert wird mit dem Gelabere, Verteidiger würden angeblich „Märchengeschichten“ von einseitig ermittelnder Polizei und einseitig entscheidenden Staatsanwälten erzählen.

Wem muss man eigentlich noch die Rosette durchquerend in das Doppelbackige kriechen, wenn man schon das selbstgewählte Abstellgleis erreicht hat?

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