Schleim, Fake und Anbiederung – „Journalismus“ vom Feinsten

Natürlich kann Journalismus nicht immer neutral „objektiv“ sein, er darf auch Stellung beziehen und Partei ergreifen.

Aber darf Journalismus in einem freien Land anbiedernd einseitig sein, nur eine Seite einer Medaille aufzeigen und bewusst unterschlagen, dass es auch eine andere gibt? Ja, darf er auch, sollte sich dann aber nicht mehr „Journalismus“, vielmehr Propaganda oder Schmierenpresse nennen.

Ein gutes Beispiel bietet ein gewisser Max Hunger von der Mitteldeutschen Zeitung auf Seite 3 der Ausgabe derselben vom 01.03.2022.

Herr Hunger spricht von einer „MZ-Recherche“ und schreibt von sich selbst, er sei der Texter und der Recherchierende. Worüber schreibt er, und was hat er – angeblich – recherchiert?

Er schreibt über „Encrochat“, stellt fest, dass es ein „Netzt der Dealer“ gibt, und redet den Staatsanwaltschaften nach dem Maul. All das inklusive der mangels entsprechender Ausbildung und Ahnung völlig verkannte Prinzip der Unschuldsvermutung sei ihm verzeihen, das ist halt noch der übliche Dorfjournalismus, wie er in Städten der mittleren Größenordnung nicht unüblich ist.

Was dem informierten Leser aber den berühmten Draht aus der Mütze springen lässt, ist, dass Herr Hunger und damit die „MZ“ den bis dahin nicht informierten Leser glauben lässt, dass es sich dabei um einen riesigen uneingeschränkten sauberen Erfolg der Ermittlungsbehörden handelt (so, wie selbige sich das gern schönreden), ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, dass die Art und Weise der Ermittlungen und die Informationserlangung europaweit auf immer stärker werdende Bedenken trifft, weil rechtsstaatliche Prinzipien möglicherweise vorsätzlich umgangen oder geradezu mit Füßen getreten wurden.

Nur beispielhaft sei auf insoweit seriöse Berichterstattung verwiesen wie bei www.tagesschau.de, wo u.a. berichtet wird:

Doch es gibt Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Beweiserhebung. Ein Zusammenschluss von europäischen Anwälten hat nun einen offenen Brief verfasst. Der größte Streitpunkt darin ist die Frage, ab wann die deutschen Ermittler vom Hack der verschlüsselten Handys wussten – und ob sie einer massenhaften Überwachung von Nutzern in Deutschland durch französische Behörden vorab zugestimmt haben. Die Anwälte fordern, dass die Ermittler offenlegen, wie genau das Encrochat-System geknackt wurde, wie die Datenerhebung durchgeführt wurde und welche Behörden daran beteiligt waren.

Man kann von einem Journalisten, der sich diese (nicht geschützte) Bezeichnung verdient hat, ganz sicher nicht verlangen, dass er sich auf die Seite der Zweifeler an der Rechtmäßigkeit schlägt, aber das völlig kritiklose Nachgeplapper der staatsanwaltlichen Meinung ohne jeden Hinweis darauf, dass es auch durchaus beachtenswerte Kritik an der Informationsbeschaffung gibt, darf man wohl als anbiedernde Staatsanwaltspropaganda bezeichnen.

Als „Quelle“ wird dann in dem Bericht auch noch zugebend, dass man andere Informationen schlicht ignoriert, angegeben: Landgericht und Staatsanwaltschaften in Halle, Magdeburg, Dessau-Rosslau und Stendal, Landeskriminalamt.

Dass Herr Hunger sich dann auf einen Leserbrief hin die Sache selbst noch schönredet und den Kern umgehend selbigen zum heißen Brei macht, soll an anderer Stelle vertieft werden. Als Gesprächspartner jedenfalls disqualifiziert, und zwar nachhaltig! Aber vielleicht will er ja Pressesprecher der Ermittlungsbehörden Sachsen-Anhalts werden, ein solcher hätte das gedurft.

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020)
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