Verlogenes Pack oder: wie konstruiere ich einen „Zufallsfund“

Ermittlungsmethoden auf Kloniveau

In einer muffigen kleineren Stadt am Harzrand (ca. 42.000 Einwohner) gehen stadtbekannte Polizisten los, um einen stadtbekannten und polizeibekannten (bekannt wie ein bunter Hund) Schwerenöter zu verhaften, weil der eine zu vollstreckende Freiheitsstrafe nicht angetreten hat.

Es ist ein Donnerstag im Juni 2019 um 10.30 Uhr (in der Stadt gibt es ein Amtsgericht, in dem sich an diesem Tage diverse Richter tummeln).

Die stadtbekannten Polizisten rammeln die Tür der Wohnung des stadt- und polizeibekannten Schwerenöters auf, begrüßen ihn namentlich, teilen ihm den Haftbefehl und seine Festnahme mit.

So weit, so gut und in Ordnung (bis auf das Rammeln). Nun wird der den Polizeibeamten aus Jahren dienstlicher Tätigkeit persönlich bekannte Festgenommene in seiner Wohnung gebeten, sich auszuweisen, der dann mitteilt, dass er keinen Personalausweis habe.

Nach § 163b StPO könnten die zur Feststellung seiner Identität erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, entfällt hier, weil tatsächlich persönlich bekannt und damit die Feststellung der Identität nicht mehr erforderlich ist.

Nun aber kommt endgültig der vergiftete Ermittlertrieb durch und wegen „Gefahr im Verzug“ (niemand sonst in der Wohnung, der Schwerenöter ist bereits festgenommen) ordnet einer der Polizeibeamten eine Durchsuchung an (statt um 10.30 Uhr im Amtsgericht, das 600 m! vom Einsatzort entfernt ist, einen Durchsuchungsbeschluss abzuholen, wenn man denn schon meint, nach dem Personalausweis einer polizeibekannten Person suchen zu müssen), bei der dann – oh Wunder, ein Zufallsfund! – ein Beutelchen mit irgendwelchem Pulver gefunden wird.

Es gibt Bundesländer, in dem die Ausbildung von Polizeibeamten grottenschlecht ist, die dann ausgebildeten dann aus dem Grottenschlechten immernoch in der Lage sind, noch Schlechteres aus dem nicht Gelernten zu machen.

Ich verstehe die Bevölkerung, die vor solchen Scharlatanen von Polizeibeamten jeden Respekt verliert, auch vor Staatsanwälten, die aus solch einem Sammelsurium von Unzulässigkeiten auch noch eine Anklage basteln (natürlich ohne Einholung eines Sachverständigengutachtens bezüglich des Wirkstoffgehaltes).

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019)
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