Statistisches Gemauschel

Wenn der Richterbund heult

Immer wieder Statistiken. Man kann sie fälschen, man kann sie auslegen wie man will, man kann sie erfinden; es gibt sicher noch einige Mischvarianten, eine davon propagiert zur Zeit der Deutsche Richterbund.

Die Rheinische Post berichtet am 15.11.2018:

Der Richterbund verwies … auf die erhebliche Überlastung der Gerichte. So hat die Zahl der nach Ermessensvorschriften eingestellten Strafverfahren  nach Angaben des Deutschen Richterbundes deutlich zugenommen. Dabei geht es um Fälle, in denen die Staatsanwaltschaft zwar einen hinreichenden Tatverdacht sieht, das Verfahren gegen den Beschuldigten aber zum Beispiel wegen Geringfügigkeit einstellt. „Die Zahl dieser Einstellungen ohne Auflagen ist zwischen 2007 und 2017 um rund 180.000 auf mehr als 1,2 Millionen gestiegen. Inzwischen stellen die Staatsanwaltschaften jeden vierten Fall auf diese Weise ein“, hieß es vom Richterbund.

Was kann man mit dieser weinerlichen Aussage anfangen?

Nichts! Denn zumindest hätte auch dazu gehört, mitzuteilen:

  1. wer diese Zahlen ermittelt hat
  2. wie sich die Anzahl der Ermittlungsverfahren in diesen 10 Jahren insgesamt entwickelt hat

Und die Tatsache, dass „jeder vierte Fall“ auf diese Weise eingestellt wird, bedeutet doch nur, dass bei jedem vierten Fall (falls diese Zahl stimmen sollte) die gesetzlichen Voraussetzungen für eine solche Einstellung vorliegen, denn sonst gäbe es diese Einstellungen nicht.

Also, was bleibt zum Schluss von diesem Geheule: heiße Luft

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016, 2017 + 2018)
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