Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht VII

Sturköpfe

Die Anwaltschaft ist seit Jahren bemüht, ihren Ruf u.a. dadurch zu stärken, z.B. durch die Einführung von Fachanwaltschaften und die Durchführung von Fortbildungen, die den Fachanwälten sogar vorgeschrieben sind, dass dem jeweiligen (potentiellen) Mandanten die Möglichkeit eröffnet wird, sich für „seinen Fall“ eines Spezialisten auf diesem Gebiet zu bedienen.

Im Strafrecht erscheint das besonders wichtig, denn bei diesen Fällen geht es nicht mehr „nur“ um materielle Dinge, vielmehr um Folgen, die auch die persönliche Freiheit erheblich beeinträchtigen können.

Erfreulich, dass sich dann auf diesem Gebiet nicht so versierte Kollegen an erfahrene „alte Hasen“ wenden und dort Unterstützung suchen, unerfreulich, wenn das entweder nicht geschieht oder von diesen „alten Hasen“ erteilter Rat ignoriert wird bis hin zur in grenzenlos selbstüberschätzender Sturheit vorgenommener Ablehnung desselben.

Ein erfahrener auf das Strafrecht spezialisierter Kollege, der solch eine Entwicklung kopfschüttelnd beobachten musste, hat kürzlich mitgeteilt:

„Ich würde versuchen, doch noch ein Gespräch mit dem Mandanten zu führen, zumindest, um ihm die Augen öffnen, selbst wenn das Mandat dann beendet ist. Geh doch zu dem Mandanten und teile ihm mit, dass alle anderen Kollegen hier lachen über das Verhalten des anderen Verteidigers, frag ihn, ob er sich dessen bewusst ist, was mit ihm geschieht. Man muss ihm die Augen öffnen, der rennt doch sonst in eine Katastrophe der Mann!“

Schade und schlimm, wenn ein solcher Kontakt dann nicht mehr möglich ist, weil der nicht so erfahrene Rechtsanwalt den Mandanten, für den es um sehr viel geht, so sehr auf seine Seite gezogen hat, dass selbst ein solcher Aufklärungsversuch nicht mehr möglich ist.

Im Strafrecht stellt man in erschreckender Häufigkeit fest, dass das Strafrecht nicht so recht ernst genommen wird, wobei es natürlich auch hervorragend qualifizierte Verteidiger gibt. Leider gehen aber noch viele Rechtsanwälte davon aus, dass letztlich jeder Dorf- oder Wald-und-Wiesen-Anwalt ohne jede weitere Qualifikation oder Fortbildung befähigt ist, entsprechende Fälle, seien sie noch so hoch angesiedelt, anzunehmen und zu bearbeiten.

Dass man dabei manches Schicksal schlimmer beeinflussen kann als ein Staatsanwalt oder Richter, wird dabei leider völlig verkannt; denn durch falsche Verteidigung schafft man Grundlagen für juristisch richtige, unangreifbare Urteile, die bei sachgerechter Verteidigung völlig anders hätten ausfallen können.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016, 2017 + 2018)
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Eine Antwort zu Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht VII

  1. HarzerGS schreibt:

    Sollte das der sein, der es sein könnte, dann gute Nacht für den Beschuldigten, das kann nur schief gehen

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