Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht IV

Der allwissende Unwissende

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige – wenige – Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Der allwissende unwissende Verteidiger ist brandgefährlich, insbesondere für den Mandanten, der das nicht beurteilen und deshalb nicht reagieren kann.

Es sind die mit gesundem Weniger-als-Halbwissen gesegneten Schlaumeier, die alles besser wissen und auch auf zarte Hinweise, dass das, was sie sagen oder tun, falsch, unprofessionell und möglicherweise für den Mandanten sogar schädlich sein könnte, abwiegeln und sogar angepisst darauf reagieren, weil sie ja die größte Erfahrung haben, das besser einschätzen können, das schon immer so gemacht haben etc.

Es handelt sich oft um vermeintliche Platzhirsche aus kleineren provinziellen Städten, in denen sie mangels qualitätsmäßig erträglicher Konkurrenz glauben, die Größten, nein, die Allergrößten zu sein.

Auch Hinweise auf erkennbar negative Tendenzen, auf falsche Einschätzungen der Prozesslage, auf blödsinnige, amateurhafte, juristisch lächerliche Anträge halten den allwissenden Unwissenden nicht davon ab, auf ihrer blödsinnigen Meinung zu beharren, sich nichts sagen zu lassen – sie sind unbelehrbar.

Und der auch unwissende – der kann aber nichts dafür – Mandant glaubt natürlich an „seinen“ Verteidiger, weil er nicht einschätzen und erkennen kann, dass der allwissende Unwissende mit seiner sturen Blödheit ins Unglück reitet.

Und weil der Unwissende allwissend ist, reagiert er auf Hinweise auf seine Fehler angepisst und beleidigt, um dann natürlich erst recht das zu tun, was er tun wollte. Diese Idioten sterben nicht aus.

Nach einem Hinweis in einem Forum hier die wieder in Erinnerung gerufene Fachbezeichnung für solche Selbstüberschätzung von Kleinstadt-Stars: Dunning-Kruger-Effekt

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht IV

  1. Thorsten schreibt:

    Solche Leute kennt man nicht nur als Co-Verteidiger, solche Leute kennen viele – vor allem jüngere – Rechtsanwälte auch als ersten Kanzlei- oder Bürogemeinschaftspartner. Das sind diese Leute, die auf Durchzug schalten, wenn man ihnen mit dem Gesetz kommt. Da werden Anträge und Schritzsätze mal eben aus der Hüfte geschossen. Da werden Antrags-/Schriftsatzmuster verwendet, die sich auf Rechtsnormen berufen, bei denen im aktuellen Gesetzestext schon seit über einem Jahrzehnt „aufgehoben“ steht. Aber „nein, des hawwe mer immer schon so gemacht, des hat mei Vadder schon so gemacht, des hat mein Obba schon so gemacht!“ Und wenn doch einmal ins Gesetz geschaut wird, dann wird nur der erste Satz gelesen und der Rest ignoriert.

    Aber jeder in der Provinz erzählt, was er doch seit Jahrzehnten für ein toller Anwalt sei – häufig nur deswegen, weil er ihnen vor vielen Jahren in einer glasklaren Verkehrsunfallsache mal neben dem Schaden die Auslagenpauschale, den merkantilen Minderwert und den Nutzungsausfall rausgeholt hat – ein Standardvorgang, den so gut wie jeder Anfänger beherrscht.

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