Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht I

Der Dauerfrager

Ich verteidige oft in Großverfahren, oft auch mit anderen Kollegen zusammen denselben Mandanten.

Man lernt dann im Laufe der Jahre die verschiedensten Typen kennen, von einigen kann man noch etwas lernen, mit fast allen macht Verteidigung Spaß.

Aber es gibt auch einige Kandidaten, die einen innerlich zum Verzweifeln bringen.

Ein Typus ist der Dauerfrager. Er stellt Fragen, um sich selbst fragen zu hören. Er kann es nicht ertragen, nichts zu fragen, obwohl alle Fragen schon gestellt sind, obwohl er Gefahr läuft, mit den weiteren Fragen bisher gute Ergebnisse im Sinne der Verteidigung wieder kaputt zu fragen; obwohl er weiß, dass das Gericht schon darauf wartet, spätestens nach seiner zweiten Frage – bei diesem Typus berechtigt – hineinzugrätschen nach dem Motto: „Herr Rechtsanwalt Gockel, diese Frage haben wir nun schon x-fach gehört, sie wurde y-fach beantwortet“, oder: „Und, was hat diese Frage mit der Sache zu tun?“ usw.

Diese amateurhaften Dauerfrager glauben auch, dass sie ihren Mandanten mit dieser dämlichen Fragerei beweisen, wie gut sie sind, dass sie etwas tun für ihr Geld, dass die Mandanten den besten Verteidiger haben.

Eigentlich sollte man diesem Typ Strafverteidigung schlicht verbieten.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Pseudo-Verteidiger, die keiner braucht I

  1. Felix schreibt:

    Gibt’s in jedem Berufs.

    Motto: Es ist alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

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