Sprachkünstler

Belehrt wird immer!

Wir kennen das, aus Protokollen/Berichten von Polizeibeamten ergibt sich oft detailreich alles und noch viel mehr, von Belehrungen von Beschuldigten findet man nichts.

Wenn die Polizeibeamten dann in der Hauptverhandlung als Zeugen befragt werden, ob sie in ihren Berichten jedenfalls alles dokumentieren, was wichtig ist, kommt schon etwas empört: aber selbstverständlich!

Fragt man dann nach, ob Belehrungen wichtig sind, wird das natürlich auch wieder wortreich bestätigt, erste Andeutungen von: Ich belehre natürlich IMMER!

Wenn man dann fragt, ob man daraus, dass bestimmte Vorgänge nicht protokolliert sind, schließen darf, dass diese nicht geschehen sind, wird auch das bestätigt.

Erst wenn dann die Großkatze aus dem Sack gelassen wird, dass man in der Sache daraus, dass über eine Belehrung nichts zu finden ist, schließt, dass auch nicht belehrt wurde, kommt sofort oberempörtes Bestreiten, selbstverständlich habe man belehrt, man schreibe das eigentlich auch immer auf, weil es ja so wichtig ist, dass das hier nicht geschehen ist, könne man zwar nicht erklären, und wie das mit der Belehrung genau war, können man auch nicht mehr erinnern, aber: ICH BELEHRE IMMER!

Klar, fehlt nur noch: Ich habe in meinem Leben noch nie gelogen, ich wurde ja schon als Polizeibeamter geboren.

Und dann alternativ noch diese Nummer, aktuell geschehen:

Die Belehrung gemäß StPO erfolgte durch PK’in Ahlb. —- Zwei Absätze weiter: Aufgrund der offensichtlich mangelnden Kenntnisse der deutschen Sprache gestaltete sich die Kommunikation mit der Beschuldigten schwer.

Klar, Belehrung mit Händen, Füßen und anderen Körperteilen – man sollte solche Polizeibeamte/innen einfach rausschmeißen!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Sprachkünstler

  1. wie so oft wird die Beschuldigtenbelehrung runtergespult, am Ende „Haben Sie es verstanden?“ gefragt, aus einem Kopfnicken auf ein „Ja“ geschlossen, um Unterschrift gebeten und erst im Verlaufe der Vernehmung überlegt, ob ein Dolmetscher hinzugezogen werden soll.

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