Der straflose Joint

Besitz oder Nicht-Besitz, das ist hier die Frage

Nach den Feststellungen eines Amtsrichters hielt sich Alex Gras gemeinsam mit seinem Freund Berni Kiff vor einem Café auf, wo Alex damit beschäftigt war, für Berni, der ihm zuvor Marihuana gegeben hatte, einen Joint zu drehen.

Als aufmerksame Gesetzeshüter an die beiden herantraten, warf Alex den Joint auf den Boden.

Der gelb-schwarze Amtsrichter aus BVB-Town bewertete dieses Geschehen als Besitz unerlaubter Betäubungsmittel im Sinne des § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG, da Alex Gras, der böse Bube, durch die Entgegennahme des Marihuanas die tatsächliche Sachherrschaft daran erlangt habe. Diese sei auch nicht nur vorübergehender Natur gewesen, da die Fertigung des Joints einige Minuten gedauert habe.

Dem zieht nun das OLG Hamm (OLG Hamm, Beschluss vom 02.05.20171 RVs 38/17, NStZ-RR 2017, 345) den Zahn:

Ein unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG liegt noch nicht vor, wenn der Täter ein Tabak-Marihuana-Gemisch in verbrauchsgerechter Menge von einem Dritten lediglich erhält, um in dessen unmittelbarer Gegenwart einen Joint zum anschließenden – ggf. gemeinsamen – Konsum zu bauen.

Folge: Freispruch ohne Zurückverweisung!

LG Halle 012

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Der straflose Joint

  1. Thomas W. schreibt:

    Wer ist denn auf die grandiose Idee gekommen, diese Lappalie überhaupt anzuklagen? Das kann doch unmöglich der einzige Anklagepunkt gewesen sein.

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