Bemitleidenswerte Staatsanwältin

Leider leidvolles Leiden

Die Frau Staatsanwältin, selbst Sachbearbeiterin und Anklageverfasserin, hatte Wut im Bauch und im Kopf; dort passte dann auch nichts anderes mehr hinein.

Die Beweisaufnahme zeigte klar und deutlich, dass die ermittelnden Polizeibeamten sich verrannt hatten, und dass deshalb die Anklage nicht auf tönernen sondern auf gar keinen Füßen stand.

Gleichwohl begann die Enttäuschte ihr Plädoyer mit:

Leider muss ich heute einen Freispruch beantragen, weil sich leider durch die Beweisaufnahme die Schuld der Angeklagten nicht belegen ließ …

Da war sie wieder, die Blindheit vor der Objektivität, das Vergessen des Zweifelssatzes und die angepisste Enttäuschung, eine vermutlich Unschuldige nicht einkerkern zu können.

Verdienen solche Staatsdienerinnen Respekt? Nein, man kann ihnen nur wünschen, einmal selbst Opfer unberechtigter Anschuldigungen zu werden.

Ich konnte mein Plädoyer jedenfalls guten Gewissens damit beginnen:

Ich leide, anders als die Frau Staatsanwältin, nicht darunter, einen Freispruch beantragen zu dürfen, weil die Schuld nicht feststeht. Allerdings leidet der Rechtsstaat darunter, Staatsdiener in den Reihen zu haben, denen es zuwider ist, das zu tun, was die Rechtsordnung vorschreibt, nämlich ohne Leid einen Freispruch zu beantragen, wenn die Beweislage nichts anderes hergibt.

Ich bin sicher, SIE hat das nicht verstanden, das Gericht schon.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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2 Antworten zu Bemitleidenswerte Staatsanwältin

  1. Non Nomen schreibt:

    Beamteter Verfolgungswahn
    Und dann? Freispruch für den Angeklagten? „Lebenslänglich“ (auf der schwarzen Liste) für den Verteidiger?

  2. Chrisamar schreibt:

    Ein gelungenes Beispiel dafür, dass das Geld für den Anwalt nicht immer verloren ist.
    Gratuliere!

Kommentare sind geschlossen.