Fachanwalt für Geschwurbel

An die Verbrecher, Vergeher, OWi-Verletzer und alle anderen zu Unrecht Verfolgten

Aus aktuellem Anlass (ein Mitangeklagter meines Mandanten wurde durch einen Fachanwalt für Familienrecht vertreten – es war grottig, dessen armer Mandant!) mal wieder der Hinweis an Verbrecher, Vergeher, OWi-Verletzer und alle anderen zu Unrecht Verfolgten:

Der Rechtsanwalt, der die Ehe Eures Opas problemlos geschieden hat und als „Familienanwalt“ auch alle anderen kleinen Probleme mit ebay, der Autowerkstatt und dem bösen Nachbarn zu Eurer vollsten Zufriedenheit gelöst hat, muss nicht der richtige Verteidiger in einer Strafsache sein, auch wenn er sich auf die Hühnerbrust klopft und meint, so eine Strafsache erledigt er mal so nebenbei.

Diese Scharlatane werden Euch schaden, weil sie keine Ahnung haben, und weil sie nicht bereit sind, zuzugeben, dass sie keine Ahnung haben.

Ich kann auch keinen Unterhalt berechnen oder die Zulassung eines Atomkraftwerkes beantragen, ich lehne solche Mandate ab und sage offen, dass ich sie deshalb ablehne, weil ich davon keine Ahnung habe.

Sucht Euch für bestimmte Sachen Spezialisten, gerade wenn es um Euer Gesäß geht (ob das weiter zuhause auf dem Sofa kleben oder in der Zelle auf der harten Matratze sitzen muss), solltet Ihr Rechtsanwälte beauftragen, die etwas vom Strafrecht verstehen, auch wenn sie sich an der Scheidung Eures Opas die Zähne ausbeißen würden.

Und liebe Kollegen, Ihr Alleskönner, Volljuristen und Strafsachen-so-nebenbei-Erlediger, schickt Mandanten, die ein strafrechtliches Problem haben zu den Spezialisten, die es können. Die Mandanten werden es Euch danken und mit anderen Problemen wieder zu Euch kommen, weil Ihr ihnen einen guten Tipp gegeben habt, sich nämlich von jemandem verteidigen zu lassen, der es kann.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Fachanwalt für Geschwurbel

  1. Tessmann schreibt:

    Wie wahr, wie war!

  2. Carsten R. Hoenig schreibt:

    Variante:
    Der Mandant beauftragt neben einem Strafverteidiger den (auch sonst unfähigen) Anwalt der Familie der Partnerin. Und der schreibt an dem Strafverteidiger vorbei lustige Schreiben an das Gericht.
    Dem Strafverteidiger bleibt in so einer Situation nur noch die Mandatskündigung. Zumindest erstmal deren Ankündigung …

  3. RA Anders schreibt:

    Diese Kollegen Alleskönner sind dann auch noch beleidigt, wenn sich jemand anderes für den Inhaftierten meldet. Ihn in der Haft besuchen? „Nein, da müsste ich ja einen Tag Urlaub nehmen. Ich mache das nur aus Gefälligkeit.“
    Aber die Pflichtverteidihung will er auch nicht einfach so abgeben, schließlich kennt er ja die Staatsanwältin persönlich.
    Ich mach mich jetzt erstmal auf den Weg in die JVA!

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