Dumm oder dreist?

Es ist zum Heulen!

Ausbildung von Polizeibeamten, gibt es das? Und wenn ja, was lernen die da eigentlich? Sind das alles Wendts?

Mal wieder so ein Musterbeispiel von … ich mag das gar nicht mit Worten umschreiben. Bezogen auf die Überschrift aber eher dumm als dreist, denn ansonsten wäre das Unglaubliche kaum in der Akte in Vermerkform für die Nachwelt erhalten worden:

Ein um 02.13 Uhr durchgeführter, freiwilliger Atemalkoholtest ergibt einen Wert von 1,16 Promille. Frau XY ist wohl auch aufgrund des Alkoholkonsums emotional stark mitgenommen und weint zwischenzeitlich immer wieder. Aufgrund ihres Zustandes wird zum jetzigen Zeitpunkt von einer Vernehmung abgesehen.

Auf Nachfrage macht Frau XY folgende Angaben:

bla bla

Hallo! Was soll das? Die Polizeibeamtin stellt fest, dass die Zeugin offenbar nicht vernehmungsfähig ist, deshalb wird – richtigerweise – von einer Vernehmung abgesehen — und mit „Nachfragen“ begonnen, um dann „Angaben“ zur Akte zu nehmen.

Vermutlich wurde die Zeugin natürlich auch nicht belehrt, es war ja keine Vernehmung, es waren nur Angaben auf Nachfrage.

Kann man solche Polizeibeamte eigentlich sofort rausschmeißen? Auch wenn es eine POKin ist?

Fragen über Fragen.

Es ist jedenfalls erbärmlich, was manche Polizeibeamte als Arbeitsergebnisse abliefern.

Blöde Kuh

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Dumm oder dreist?

  1. Non Nomen schreibt:

    Aber Herr Siebers, wie kann man denn unsere Beamten derart kritisieren, sie meinen es doch nur gut, auch wenn sie sich dabei grottendämlich anstellen? Der armen POKin hat das sicher ganz, ganz wehgetan, oder?

    • Baum schreibt:

      Eben, und da kommt mir gleich wieder der ergänzende Grundsatz in den Sinn:
      „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“

  2. Duncan schreibt:

    dürfte man wohl nur ausmerzen können, wenn solcher Art erworbene Informationen immer einem Beweisverwertungsverbot unterliegen und ggf. gegen die Polizeibeamten wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt, angeklagt und verurteilt wird. Diese Art der Schlechtarbeit ist sicher Grundlage von 98% der Fälle wo die Polizisten sich beschweren, dass die Richter ja die Verbrecher wieder laufen ließen. Dabei liegt bei den Richtern nicht selten direkter Verurteilungswille vor, nur die Arbeit der Polizei verhindert eine Verurteilung.

  3. Es wird wohl gemeint sein, dass Frau XY einfach von sich aus etwas angegeben hat. Auf Nachfrage wird wohl eher die Nachfrage nach ihrem Zustand gemeint gewesen sein. Es steht schließlich keiner stumm rum, wenn jemand gerade weinend zusammenbricht.

    Leider lassen Sie solche ebenfalls plausiblen Abläufe stehts unbedacht. Ich halte Ihnen aber nicht diesbezüglich die eigene Überschrift entgegen.

    • rawsiebers schreibt:

      Herrlich, ein pawlowscher Polizeischützer nach dem Motto, immer wenn etwas über kotzgrottenschlechte Polizeiarbeit berichtet wird, muss das natürlich falsch sein.

      Die Nachfrage hatte mit allem etwas zu tun, aber nicht mit der Sorge nach dem Zustand. „Sachverhaltsschilderung“ wollte die Frau KripoKünstlerin von der nicht vernehmungsfähigen zu Vernehmenden durch ihre „Nachfrage“.

  4. RA Ullrich schreibt:

    So aus dem Zusammenhang gerissen ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, dass hier ein krasses Fehlverhalten der Beamtin vorliegt. Wenn das eine Zeugin war, die betrunken zur Vernehmung zu einem bereits bekannten Thema erschien, dann ist es in der Tat unglaublich, trotz erkannter Zweifel an der Vernehmungsfähigkeit nachzufragen und Angaben zu Protokoll zu nehmen. Wenn die Dame hingegen in diesem aufgelösten Zustand gerade uneingeladen in die Polizeiwache gestolpert ist, um etwas „anzuzeigen“, dann kann es durchaus geboten sein, trotz beeinträchtigter Vernehmungsfähigkeit mal nachzufragen, worum es eigentlich geht, um abzuklären, ob akut Gefahrenabwehrmaßnahmen oder Beweissicherungsmaßnahmen geboten sind und über das Ergebnis dieser Nachfragen auch einen Vermerk anzufertigen. Die Polizei ist ja nicht ausschließlich für Strafverfolgung zuständig.

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