Wer ist hier der Dumme?

Sigmar Gabriel und die Provokation – der Stinkefinger als Beleidigung

Sigmar Gabriel hat seinen Stinkefinger gezeigt, und er hat diese Geste auch noch verteidigt mit der Aussage, sein Fehler sei gewesen, nicht beide Hände genommen zu haben.

Zur Erinnerung an Politikverdrossene: Sigmar Gabriel ist Vizekanzler, Bundesminister für Wirtschaft und Energie und SPD-Vorsitzender, also ein im Licht der Öffentlichkeit stehendes Vorbild für alle, die noch etwas lernen wollen oder müssen. Könnte man annehmen.

Das steht alles fest. Fest steht auch, dass das Zeigen des Stinkefingers in der Regel eine Beleidigung ist. Muss auch Herr Gabriel mit leben; also hat Herr Gabriel eine strafbare Handlung begangen, die zumindest auf Antrag hin auch verfolgbar wäre, denn in Deutschland erfüllt das Zeigen des Stinkefingers regelmäßig den Tatbestand der Beleidigung nach § 185 StGB.

Gabriel findet sich cool, das sieht man auch an seinem entspannten Gesichtsausdruck bei der Geste.

Ist das nun alles schlau oder dumm, was Herr Gabriel unserer Jugend vorlebt?

Nun, ein Argument für „schlau“ fällt mir nicht ein, egal, ob er seinen Finger nun Einzellern, Nazis, Mülltonnen oder wem auch immer zeigt.

Gibt es Argumente für Dummheit? Ja, leider, Herr Gabriel.

Das erste Argument für Dummheit ist ganz einfach: Wer Vorbild ist, darf nicht vorleben, dass das Erfüllen von Straftatbeständen „normal“ ist, auch nicht, wenn man provoziert wird. Noch dümmer ist, solch eine Reaktion auch noch zu verteidigen und so zu tun, als habe man „das Recht“ auf seiner Seite.

Aber das interessiert Herrn Gabriel nicht. Nicht ok, aber welch Geistes Kind er möglicherweise sein könnte, zeigt er damit.

Was ihn vielleicht interessieren könnte:

Eine Provokation kommt nur zustande, wenn der Andere versteht und annimmt, er muss verstehen, dass er angegriffen wurde und die Herausforderung annehmen, indem er reagiert:

„Von einer bestimmten Eskalationsschwelle an entsteht ein Bedarf nach Provokationen der Gegenseite, um selbst endlich losschlagen zu können. Der andere soll den Anlass liefern für den eigenen Angriff. Man erklärt das, was er tut zu einer Provokation oder provoziert selbst eine Provokation, um guten Gewissens angreifen zu können. Mit dem Ausbruch des Konfliktes hat die Provokation ihr erstes Ziel erreicht.“ (Paris, Rainer (1998): Stachel und Speer – Machtstudien, 62)

Eine Provokation ist dann erfolgreich, wenn der andere zu einer Reaktion genötigt worden ist. Reagiert der Andere nicht, steht der Provokateur als Verlierer, als Dummkopf da.

Schön zusammengefasst in

Provokation – Analyse eines sozialen Verhaltens,

 

finde jedenfalls ich. Ein möglicher weiterer Schluss ist: Reagiert der Andere auf die Provokation, ist ER der Dummkopf.

Einfacher, für die, die nicht einmal ihre Vorbildfunktion richtig einschätzen können:

Früher hieß es: „dumm, dümmer, am dümmsten“.

Heute vielleicht: „dumm, Nazi, Gabriel“?

Man weiß es nicht so genau. Aber das ist der Wandel der Zeit, wenn aus dem Effenberg der Gabriel wird.

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Das ist kein Stinkefinger, das ist der Damen nach unten, für die Dummen. Und dann noch ein Satz von Herrn Gabriel, über den er vielleicht noch einmal nachdenken sollte, egal, wie sehr er durch Einzeller oder wen auch immer provoziert wird:

Meine Bitte: Lassen Sie uns Andersdenkenden mit Respekt begegnen. Auch fundamentale Meinungsverschiedenheiten dürfen nicht dazu führen, dass wir uns spalten lassen. Deutschland soll die Heimat aller Menschen sein, die hier leben. Das ist die Überzeugung meiner Partei, der SPD.

Um das deutlich zu machen: Die Einstellung Gabriel zu bestimmten Personen kann ich nachvollziehen und teile sie, seine Reaktionen und Rechtfertigung seiner Reaktionen bleiben in meinen Augen nur eins: dumm!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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