Überfliegerin

die Alleskönnerin

Der Mandant ist zu schnell gefahren, das wird auch eingeräumt.

Fests steht auch, dass der Geschwindigkeitsmesser an dem gefahrenen Fahrzeug defekt war, eine entsprechende Bescheinigung der Fachwerkstatt können wir vorlegen.

Es geht letztlich um die Frage, Fahrverbot ja oder nein.

Ich habe schon im Vorfeld auf die vom Kollegen Detlef Burhoff in seinem Blog besprochene Entscheidung hingewiesen, wonach zumindest von einem Fahrverbot abgesehen werden kann, wenn der Defekt des Tachos nachgewiesen ist.

Die junge Assessorin, wie üblich promoviert, sicher noch keine 30, steuert ihren Senf dazu bei, man würde als Autofahrer auch merken, ohne auf den Tacho zu sehen, wenn man zu schnell fahre.

Auf meine – zugegeben ins Blaue hinein – gestellte Frage, welches andere Fortbewegungsmittel als ihr Fahrrad sie denn bewegen würde, an dem sie das dann überprüfen könne, schießt ihr eine Farbe ins Gesicht, die sich hinter ihrem Nagellack nicht verstecken muss und sie schlägt übergangslos vor, es bei dem Bußgeld zu belassen, aber vom Fahrverbot abzusehen.

Der Mandant ist sofort einverstanden und fragt mich hinterher, woher ich gewusst habe, dass die Frau Richterin nur Fahrrad fährt.

Ich habe es ihm dann mit meinem Bauchumfang erklärt, der sich u.a. aus bald 33 Jahren Berufserfahrung so ausgedehnt hat.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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9 Antworten zu Überfliegerin

  1. Miraculix schreibt:

    Der war gut. Chapeau!

  2. K. schreibt:

    Man hätte sie ja einmal einladen können, in einem Jaguar oder Aston Martin eine Runde mitzufahren und den Tachostand zu erraten… 🙂

    • rawsiebers schreibt:

      Hatte ich erwogen, aber die Kotze wegzumachen, ist nicht unbedingt meins.

    • Charlie schreibt:

      Ergebnisorientiert gedacht sollte man dafür aber besser keinen solchen Sportwagen, sondern eine Oberklassenlimousine nehmen. Während man beim Jaguar schon bei Standgas geneigt ist, eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu schätzen, wird man bei einem 7er BMW oder so etwas – durch ein Gespräch abgelenkt – unterhalb von 70 km/h überhaupt nicht merken, dass man überhaupt losgefahren ist … 80 fühlt sich an wie 30 *gg*

      • rawsiebers schreibt:

        Stimmt, andererseits würd ich Ihr beim F-Type, wenn sie denkt, jetzt gehts aber über 200, schon gern sagen, dass wir nach Tacho grad so bei 300 + x sind …

  3. RA Ullrich schreibt:

    Volltreffer, Herr Kollege! Wenn die Richterin allerdings entgegen Ihrem Bauchgefühl routinierte Autofahrerin gewesen wäre, hätte diese Spitze auch nach hinten losgehen können. Bei meinem eigenen gewohnten (!) Fahrzeug würde ich persönlich mir eine Schätzgenauigkeit von plus/minus 15 % ohne Tachoblick zutrauen, allerdings ist es natürlich nochmal was anderes, den Tachostand richtig zu raten oder seinem Gefühl so sehr zu trauen, dass man gleich merkt, dass der Tacho nachgeht.

    • rawsiebers schreibt:

      Hm, 15% halt ich für ausgesprochen ambitioniert. Merken, wenn man statt 50 57 oder 58 fährt? Neue, glaub ich nicht. 70 statt 50, vielleicht, aber …

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