Saufen auf der Freßmeile

Königlich bayrisch

„Das kann ja wohl nicht wahr sein. Sie sind hier nicht auf der Freßmeile. Wenn Sie das nochmal machen, werde ich überlegen, Sie wegen Missachtung des Gerichtes mit Zwangsmittel zu belegen“:

O-Ton eines königlich bayrischen Amtsrichters zu dem Angeklagten während der Verhandlung. Was war geschehen, hatte der Angeklagte gefurzt, gepfiffen oder beleidigt? Nein, er hatte nach mehr als zwei Stunden Verhandlungsdauer ohne Pause Wasser aus einer Flasche getrunken.

Was wollen solche Idioten von Richtern erreichen? Ist das Schwanzverlängerung, um ihre Macht zu demonstrieren? Haben sie keine Ahnung oder wollen sie bewusst erreichen, dass es einem Angeklagten schlecht geht?

Eigenentlich weiß jetzt jedes Kind, dass es zu spät ist, erst zu trinken, wenn man Durst verspürt, denn ein Flüssigkeitsverlust von einem Prozent im Körper führt schon zu einer bemerkbaren Konzentrationseinschränkung.

Inwieweit es eine Missachtung des Gerichtes sein soll, wenn ein Angeklagter versucht, seine Konzentration aufrecht zu erhalten, wird wohl ein Geheimnis dieser Schwanzverlängerer bleiben, die solch notwendige Flüssigkeitsaufnahme rügen.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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5 Antworten zu Saufen auf der Freßmeile

  1. KHS schreibt:

    Wie wär’s mit ’nem schriftlichen Antrag an’s Gericht auf Flüssigkeitszunahme? Natürlich mit schriftlicher Bescheidung …

  2. rawsiebers schreibt:

    Mein Antrag nach 10 Minuten, kurz zu unterbrechen, um meinem Mandanten und mir die zur Erhaltung der Verhandlungsfähigkeit notwendige Flüssigkeitsaufnahme zu ermöglichen, hat Wunder gewirkt.

    • Michael Mendelsohn schreibt:

      Also wissen wir’s – der Richter war neidisch, dass der Angeklagte etwas zu trinken hatte und er nicht, und hat die Unterbrechung genutzt, um sich selbst zu versorgen? 😉

    • qwer schreibt:

      Ja, genauso ist es richtig.

  3. roflcopter schreibt:

    Als vor vielen Jahren die Strafstation meines Referendariats losging, setzte ich mich, voller Nervosität auf Grund der ersten Sitzungsvertretung, auch in einen Sitzungssaal hinein um die Marathonterminsliste zu verfolgen.

    In einer Sitzungspause, das Gericht hatte den Saal verlassen, wagte ich es im Publikumsbereich in ein Brötchen hineinzubeißen.

    Der Staatsanwalt brüllte daraufhin durch den Saal „Das is hier keine Kantine!!!“. Ich natürlich total verunsichert… da kam zum Glück der Richter in den Saal. „Das Gericht weist den Vertreter der Staatsanwaltschaft darauf hin, dass die Ordnung im Gerichtssaal durch das Gericht und nicht durch die Staatsanwaltschaft aufrecht erhalten wird und für sie dahinten: Guten Hunger, ich beneide Sie aber wir haben heute wirklich einen krassen Sitzungstag. Wenn es weitergeht aber bitte nicht mehr“

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