Untaugliche Rache

Untauglicher Staatsanwalt

Hardliner wollte er spielen, wichtig und unnachgiebig, der Herr Staatsanwalt.

Vor fast 2 Jahren war bei meinem nicht vorbestraften Mandanten richtig schlechtes Zeug Marihuana gefunden worden, so dass bei deutlich mehr als 150 Gramm mal gerade 4,1 Gramm Wirkstoffgehalt (THC) gefunden wurden.

In einem Strafbefehl meinte die Staatsanwaltschaft, dafür seien 150 Tagessätze angemessen, wir hatten Einspruch eingelegt. Mein Ansinnen vor Beginn der Hauptverhandlung, das auf 90 Tagessätze zu reduzieren, lehnte er ab und meinte, so viel Spielraum habe die Staatsanwaltschaft nicht. Wenn die Sache  zeitnah zur Tat verhandelt worden sei, hätte man mit einer Freiheitsstrafe rechnen müssen. Bei 4,1 Gramm!!!

Auf meine Frage, ob wir denn nun plötzlich von Niedersachsen nach Bayern gewechselt hätten, reagierte er unwirsch.

Sein Plädoyer füllte er dann mit absurden unzulässigen Strafzumessungserwägungen, was mich erleichterte, weil er damit deutlich machte, das er einfach nur keine Ahnung hat. Und weil ein kleiner Geist große Ziele hat, beantragte er dann noch 180 Tagessätze statt den 150 Tagessätzen aus dem Strafbefehl, die Rache des kleinen Staatsanwaltes.

Glücklicherweise fand dann das Gericht ein Strafmaß, das tat- und schuldangemessen war: 90 Tagessätze nach Antrag der Verteidigung!

LG Halle 047

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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