Pippi Langstrumpf beim Amtsgericht B.

Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt

Oh ja, schon wieder solch eine sensationelle Wahrheitsfinderin.

Frau Langstrumpf fällt schon auf, dass die einzige Tat- und Belastungszeugin bei einigen Punkten nah am Kerngeschehen die Unwahrheit gesagt hat. Das beschäftigt sie, deshalb sagt sie in ihrer Urteilsbegründung auch, dass sie sich das nicht erklären kann und dass die Wahrheitsfindung auch besonders schwierig war.

Es stimme schon, dass auch Zeuginnen aus dem „Lager“ der Zeugin Tatsachen bekundet hätten, die dem widersprechen, was diese Zeugin gesagt habe.

Es stimme auch, dass einige Entlastungszeugen Dinge bekundet hätten, die dem widersprechen, was die Belastungszeugin gesagt habe. Denen glaube sie zwar auch, aber entweder können die sich ja irren und außerdem sei ja gar nicht sicher, dass diese Entlastungszeugen den richtigen Tag meinen.

Und die Schilderung des einen Entlastungszeugen, dass er ein bestimmtes Detail habe nicht sehen können (weil sich das in seinem Rücken abgespielt hat), könne sie sich nicht vorstellen, das müsse irgendwie anders gewesen sein.

Sie könne der Belastungszeugin auch das Schmerzensgeld nicht in der verlangten Höhe zubilligen, weil sie ihr auch nicht so richtig glaube, dass sie tatsächlich so dramatisch wie von ihr geschildert traumatisiert sei.

Ach, aber irgendwie habe die Zeugin ja die Tat doch immer wieder gleich geschildert, also müsse sie ihr halt glauben und verurteilen.

So ist das nunmal bei Pippi, denn die Welt ist so, wie es ihr gefällt. Und so ein Freispruch, der kommt ja wohl nicht in Frage, wo kommen wir denn dahin!?!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Pippi Langstrumpf beim Amtsgericht B.

  1. Christoph Nebgen schreibt:

    Nur dass die wahre Pippi immer in das Gute im Menschen geglaubt hat!

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