Zynismus pur

Wenn der innere Schweinehund den Intellekt beißt

Da hat der innere Schweinehund bei dem Herrn Richter mal so richtig durchgebissen und den Rest an Urteilsvermögen, Unbefangenheit und Sachlichkeit einfach aufgefressen.

Was denkt so ein Richter, der u.a. für die 2/3-Entscheidungen bezüglich einer großen JVA in Sachsen-Anhalt nähe Magdeburg zuständig ist, von (ehemaligen?) Rockern?

Er denkt, die sind Scheiße, das ist der Abschaum, die müssen weg, BILD, RTL und Konsorten haben Recht, eigentlich lebenslang wegsperren, schade, dass nicht mehr geht.

Dass er das denkt, kann er natürlich nicht sagen geschweige denn in irgendwelche Beschlüsse schreiben.

Und wenn er dann so ein Exemplar von Abschaum vor sich hat, das in der Strafhaft rundgelaufen ist, sich völlig beanstandungsfrei geführt hat, von der Anstalt und Mitgefangenen sogar Verantwortung übertragen bekommen hat, dann muss man den Verlust seiner Neutralität natürlich so verpacken, dass man das außen nicht so merkt.

Wenn man als Richter aber seinen Schweinehund dann doch nicht ganz so konsequent im Griff hat, sprudelt mal so ein Gedanke aufs Papier, der so entlarvent wie lächerlich ist und den wahren Geist aufzeigt, der einen Richter zu dem macht, was er ist:

Der Verurteilte zeigt durch sein beanstandungsfreie Verhalten im Vollzug und die zuverlässigen Arbeitsleistungen lediglich, dass er bereit und in der Lage ist, sich dem streng strukturierten Strafvollzug anzupassen, was von ihm indes aufgrund seiner früheren Tätigkeiten als Geschäftsführer diverser Bordelle und als Präsident des Motorradclubs ZYX zu erwarten ist.

Alle wissen, das Gegenteil ist der Fall: Niemals hätte man das von solch einer Person erwarten können, aber irgendwie bekommt der Schweinehund es dann doch hin, diesen positiven Entlassungsaspekt in sein Gegenteil zu verkehren.

Respekt verlieren vor solch einem Richter geht schneller, als der Richter seinen Schweinehund verstecken kann.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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4 Antworten zu Zynismus pur

  1. rawsiebers schreibt:

    Die br eingegangenen Kommentare veröffentliche ich nicht, weil es der Richter zwar „verdient“ hätte, aber ich meine Kommentatoren schützen will. Und, ja, es geht um das Landgericht Stendal.

  2. Ulrich Sommer schreibt:

    Ein „schönes“ Beispiel, wieviel Raum für Beliebigkeit die juristische Argumentation belässt

  3. Tobias Claren schreibt:

    Es wäre auch in Deutschland zulässig den Namen des Richters zu nennen.

    Und was für einen „Schutz“ der Kommentatoren?
    Wenn mir jemand sagt, wo Ich Details inkl. Name finde, dann setze Ich dem LG Stendal eine miese Bewertung mit namentlicher Nennung des Richters rein.
    Beim AG Dorsten habe Ich das auch mit einer Richterin gemacht.
    Yelp und Facebook Rezensionen.
    Da habe Ich doch keinen falschen „Respekt“ vor so einer Frau.
    Und das war auch kein Fall von mir, sondern der „McDrive“-Fall aus den Medien.

  4. Karl-Heinz Schulz schreibt:

    Auch das kommt mir bekannt vor … von Richtern einer sächsischen Strafvollstreckungskammer.

    Da patzt der Strafgefangene im ersten Drittel seiner Haftzeit, entzieht sich beim ersten Ausgang der weiteren Vollstreckung um Beweise für seine Unschuld zu sichern, tanzt der StA während dieser Zeit absolut medienwirksam förmlich auf der Nase herum, stellt sich sodann während einer Livesendung im TV (Moderator Dieter Kronzucker) im Beisein seines Anwaltes vor laufenden Kameras der Polizei und kämpft hiernach im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten aus der Haft heraus um seine Wiederaufnahme.
    Auch bei ihm ab sofort absolut beanstandungsfreies Verhalten, Verantwortungsübernahme in der Gefangenenvertretung und vieles mehr.
    Die „Rache“ der StA: Ablehnung aller selbst von der JVA befürworteten vorzeitigen Entlassungsgesuche – auch Jahre nach der o..g. Aktion.

    Begründung: Der Strafgefangene unterstützte auch während seiner Haftzeit seine Familie finanziell und materiell und pflegte eine enge Bindung zu Frau und Kindern. Die Kammer sieht darin die Gefahr, dass der Strafgefangene nach seiner Entlassung erneut straffällig werden könnte wenn es seiner Familie schlecht geht – er sodann Straftaten begehen könnte um seine Familie finanziell abzusichern.

    Die Strafe wurde bis zum letzten Tag verbüßt.

Kommentare sind geschlossen.