Arbeitsbeschaffung

Textbausteine verhindern das Nachdenken

Eine Feier, über Stunden 150 Gäste, in einem unbewachten Raum werden Jacken, Mäntel usw. abgelegt. Ein Kommen und Gehen.

Gegen Morgen stellt jemand fest, dass ihm 50,00 € aus seiner Jachentasche gestohlen wurden. Irgendwie sagt ein Gast, er habe irgendwann eine bestimmte Person mal allein aus dem „Klamottenraum“ kommen sehen, mehr nicht, also nicht mal ein vager Verdacht.

Befragungen durch die Polizei, mehr kommt nicht raus, die Sache wird mit genau diesem Ermittlungsstand an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Anstatt jetzt dieses Verfahren sofort mit einer einzeiligen Verfügung einzustellen, geht die Staatsanwaltschaft in die Vollen und schlägt mal ganz fesch mit der Textbausteinkeule zu.

Ich hatte mich, nachdem die Person, die irgendwann mal allein aus dem Klamottenraum gekommen war, eine polizeiliche Vorladung für eine Vernehmung als Beschuldigter bekommen hatte, für diese legitimiert und um Akteneinsicht gebeten.

Nun bekomme ich mit der Aktenübersendung die Textbausteinsammlung:

Bitte fügen Sie bei der Aktenrücksendung die Vollmacht bei.

Bitte teilen Sie auch bis zum xx.xx.2016 mit, ob eine Einlassung beabsichtigt ist.

Tja, statt Einstellung wird jetzt aufgeblasen. Da ich auch zu viel Zeit habe, wie der Staatsanwalt, lasse ich mich gern auf dieses bekloppte Spiel ein.

Bitte teilen Sie mir mit, auf welche Rechtsgrundlage Sie Ihre Bitte auf Übersendung einer schriftlichen Vollmacht stützen. Nach Eingang der Antwort werden wir hier erörtern, ob möglicherweise eine Einlassung abgegeben werden könnte.

Bin gespannt, was jetzt kommt. Wie gesagt, ich hab viel Zeit und Lust auf solche Spielchen. Zum Schluss dann nach weiterem Schriftwechsel vielleicht noch die Anregung, dem Verdacht auf die Verfolgung Unschuldiger nachzugehen. Mal sehen …

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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5 Antworten zu Arbeitsbeschaffung

  1. RA Kujus schreibt:

    Da wird er jetzt schmollen, der Her StA…

  2. KM schreibt:

    Wow, klingt nach dem spannendsten Verfahren der Nachkriegszeit – nur die Verschlagwortungen passen nicht ganz, oder?

  3. Non Nomen schreibt:

    Die Kavallerie der Justitz versucht sich an einer Attacke. Da sollen sie ihre Zossen aber wirklich besser füttern.

  4. Mitlesender schreibt:

    Das ganze Spiel um Vollmachten ist so lächerlich. Ausnahmslos jede Anfrage zur Aktenübersendung, welche hier eingeht, hat als Anlage die Vollmacht dran. Was ist daran so schwer?
    Was bedeutet schon …anwaltlich wird versichert…? Genau, nix!
    Es sind Machtspiele mit dem Staatsanwalt… Und zeugt von gewisser Charakterschwäche.

    • rawsiebers schreibt:

      Genau, und weil die unbeweglichen Betonköpfe bei bestimmten Provinzstaatsanwaltschaften zu dumm und/oder zu faul sind, sich mal zu informieren , welche erheblichen Konsequenzen das alles bei Zustellungen und den daraus resultierenden Folgen hat, sollte jeder einigermaßen professionell arbeitende Verteidiger auch weiterhin seine Charakterschwäche ausleben und diesen ach so charakterstarken Schlechterwissern statt einer Vollmacht den richtigen gestreckten Finger zeigen. Verstehen werden S/sie es weiterhin nicht.

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