Beleidigte Strafkammer

Bestrafung durch verspäteten Feierabend

So kann mann mangelnde Souveränität auch zeigen. Ein Prozess mittleren Umfangs und mittlerer Güte, ein sich abzeichnender Kampf um „Bande oder nicht“.

Eine Kammer, deren Flexibilität an die eines Kubikmeters gebundenen Betons erinnert. Nennen wir es dann Betonverfahren, Tag 1.

Bei der Ankündigung eines unaufschiebbaren Antrages, der unschwer für den Kammervorsitzenden als Befangenheitsantrag zu erahnen ist, wird noch herzallerliebst am frühen Freitagnachmittag besprochen, dass bei entsprechnder Protokollierung selbiger auch gern am Montagmorgen gestellt werden könnte.

Aber die persönliche Betroffenheit des Vorsitzenden darüber, dass nicht jeder Angeklagte erfreut ist über die Unbeweglichkeit der Kammer, ist dann doch so groß, dass man als Retourkutsche alle Beteiligten „bestraft“ und den Freitag dann erst um 17.45 Uhr ausklingen lässt.

Kindergartenniveau.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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7 Antworten zu Beleidigte Strafkammer

  1. Bei meiner früheren Tätigkeit habe ich freitags nie vor 18.00 Uhr das Büro verlassen (= freie Wirtschaft).

  2. RA Müller schreibt:

    Eine Richterin am hiesigen Familiensenat des OLG kommt Freitags gegen 20.30 Uhr erst so richtig in Fahrt… Eine souveräne Dame, die sich auch durch kindische Drohgebärden des Personalrats geschundener Justizwachtmeister nicht beirren läßt und eine Sitzung beendet, wenn sie es für richtig hält.

    • theo schreibt:

      Da Sie anscheinend Bewunderung für die Dame und den entsprechenden Arbeitszeiten empfinden, empfehle ich Ihnen eine Anstellung im öffentlichen Dienst zu suchen. Bei den obersten Dienststellen ist es nicht unüblich sich gegen 23:00 Uhr zu einem Gespräch beim Staatssekretär gebeten zu werden.

      • Non Nomen schreibt:

        RiOLG – Oberste Dienststelle – Staatssekretärsebene??? Irgendwas passt da nicht.
        Und die Unabhängigkeit, die richterliche, hat zu solchen Terminentgleisungen zu 23:00 Uhr sicher auch noch was zu sagen. Solche Un-Zeiten zeigen ein armseliges Zeitmanagement.

  3. Non Nomen schreibt:

    Erstaunlich, wozu das deutsche Richtpersonal fähig ist, nur um die Wahrheit zu erforschen.

  4. Joachim Breu schreibt:

    Wurde am Vormittag begonnen, kalkuliert der Pflichti Zeitzuschläge. Hat auch Vorteile, so ein Beton-Verhalten. Eigentümlich ist’s schon, da stimme ich zu. Bestätigt allerdings die Zuschreibung als Beton-Kammer. @RA Müller – Familiensenate brauchen Öffentlichkeit meist erst für die Verkündung. @Overath – anschließend noch ins Büro und kontrollieren, ob die Fristen aus dem Tagespost-Eingang ordnungsgemäß notiert sind und die Rückrufbitten abarbeiten. Der Verhandlungssaal ist schließlich nicht das Büro des Verteidigers …

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