Tollhaus

Geheime Besuchserlaubnis

Eine Freifrau von Doktor oder so ähnlich einer wichtigen Abteilung einer großen Staatsanwaltschaft einer großen deutschen Stadt zwischen Königs Wusterhausen und Oranienburg beschwert sich darüber, dass ich mich darüber beschwere, dass sie mir die beantragte Besuchserlaubnis – oder wie man dort sagt: Sprechschein – für einen Untersuchungshäftling nicht erteilt.

Der Sprechschein vom 05.02.2016 liegt noch unabgeholt auf der Geschäftstelle. Dies ist auch in den Akten dokumentiert. Die Geschäftsstelle hätte Ihnen auf eine entsprechende Bitte hin den Sprechschein zugefaxt. Nur lag eine solche Bitte nicht vor. Üblicherweise werden die Sprechscheine bei uns – auch von auswärtigen Anwälten – abgeholt, es sei denn es wird explizit erbeten, die Scheine zu übersenden. Ein einfacher Anruf bei mir oder auf unserer Geschäftstelle hätte da entsprechende Klärung herbeiführen können.

Ich glaub ich spinne: Es wird eine Besuchserlaubnis geheim erteilt und auf einer Geschäftsstelle abgelegt, ohne dass ich einen Hinweis bekomme, zumal mir weder die Telefonnummer der Frau Doktor noch ihrer wo auch immer versteckten Geschäftsstelle bekannt ist.

Wenn das tatsächlich „üblich“ ist, muss man sich als auswärtiger Rechtsanwalt wirklich fragen, ob in der Hauptstadt noch alle Tassen im Regal stehen.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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7 Antworten zu Tollhaus

  1. RA Grigutsch schreibt:

    Könnte natürlich auch daran liegen, dass StA, Kriminalgericht, wo man sich eh rumtreibt, und U-Haftastalt schlicht zusammenliegen. Alles andere lässt sich telefonisch leicht aus dem Anwaltszimmer und mit Hilfe den dort ausliegenden Sprech- und Raumverzeichnissen klären. Mithin alles an seinem Platz, inkl. Tassen.

  2. rawsiebers schreibt:

    Typisch „Balina“, kreisen um sich selbst. Hallo, komme aus Braunschweig bzw. Halle, also treibe mich da nicht dauernd rum und saufe Kaffee.

  3. schneidermeister schreibt:

    Da empfiehlt sich dann eben mal ein Anruf, wenn man mit den Gepflogenheiten der Eingeborenen an auswärtigen Gerichten nicht kennt. Hoffe, Sie müssen nicht mal im OLG-Bezirk Karlsruhe verteidigen und die Mysterien des badischen Aktenknotens und der badischen Paginierung (die Blattrückseite hat gerade Seitenzahlen, egal ob beschriftet oder nicht) ergründen.

  4. Joachim Breu schreibt:

    Sprechschein – ist der wenigstens längs und quer perforiert oder braucht man den wirklich, um an seinen Mandanten heran zu kommen? Wäre ich vergnügungssüchtig, stellte ich mich in die Vollzugsgeschäftsstelle der einschlägigen JVA und wartete, bis Mijnheer oder so geruhen, sich das Ding aus Moabit faxen zu lassen. BTW: Ich wette, dem Anschreiben lag der Sprechschein NICHT an …

  5. Freiherr schreibt:

    Hach, die Leonie…

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