Formulierungskünstler

Sprachsalto

Ja, wenn Polizeibeamte versuchen, besonders „fein“ zu formulieren, kommt es zu allerschönsten Wortspielen.

Als Zeugen vor Gericht, wenn denn dann versucht wird, „Deutsch am Hochreck“ zu reden, stell ich mir die Polizeibeamten immer als Flamingos vor, weil die auch so grazil stelzen.

Vor wenigen Tagen formulierte ein Beamter, der beschreiben wollte, dass sein Kollege versuchte, eine Scheibe einzuschlagen:

Der Kollege begann den Versuch, die Scheibe zu entglasen.

Noch feiner formuliert in einer Akte der Eindruck dass keiner der beteiligten Fahrer besoffen war:

Bei beiden Fahrzeugführern waren augenscheinlich und nasal keine Hinweise auf eine fehlerhafte Fahruntüchtigkeit vorhanden.

Herrlich!

Gibt hier bitte mal jemand einen aus?

 

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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9 Antworten zu Formulierungskünstler

  1. RA Jede schreibt:

    Klassisches supranasales Problem

  2. Katharina schreibt:

    Fein beobachtet – Leuten ohne akademische Bildung fehlt es in der Tat nicht selten an der erforderlichen Stilsicherheit im Umgang mit der Rechtssprache (und allgemein der „Hochsprache“). Wie schön, dass Sie besser sind als diese Proleten.

    • Börni schreibt:

      In NRW sind zumindest neue Polizisten immer Beamte des geh. Dienstes und haben damit eine akademische Ausbildung genossen. Früher zum Diplom-Verwaltungswirt, heute zum Bachelor of Arts.

      • RA Ullrich schreibt:

        Sie verwechseln hier wohl den gehobenen mit dem höheren Dienst. Der gehobene Dienst setzt als Einstellungsvoraussetzung lediglich Fachhochschulreife voraus, soweit er wie in NRW regulär als Einstiegslaufbahn angeboten wird und nicht erst nach Durchlaufen einer Einstiegslaufbahn im mittleren Dienst erreicht wird.

      • neuling schreibt:

        Jep, soll angeblich so sein. „Hochschule“ für Polizei und Verwaltung, oder etwas in der Art.

        Allerdings hat mir auf Nachfrage noch keiner die Papers nennen können, in denen solch ein Akademiker mal veröffentlicht hat. Akademische Breitspur geht also anders.

  3. skugga schreibt:

    Vor vielen Jahren schrieb mir mal ein Polizeibeamter auf die zigste Anfrage, was denn nun mit der Akte ist und ob die inzwischen mal abgegeben sei, zurück, er sei „guter Hoffnung“, dass die Ermittlungen bald abgeschlossen seien. Ich konnt mir grad noch verkneifen, „Herzlichen Glückwunsch!“ zurückzuschreiben…

  4. alter Jakob schreibt:

    „Entglasen“ find ich trotzdem gut. Werd ich in Zukunft benutzen…

  5. M.W., KHK schreibt:

    Ein FENSTER zu entglasen wäre völlig korrekt gewesen,
    „nasale Wahrnehmung“ hingegen ist schon beinahe wie Ihr „Chorgeist“ seinerzeit, gell…?

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