Glaubhaft oder glaubwürdig?

Wer kennt den Unterschied

Den Unterschied zwischen Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit kennt jeder Profi, der sich auch nur oberflächlich mit diesem Problemkreis beschäftigt hat.

Die Glaubwürdigkeit bezieht sich auf eine Person und ist daher ein Persönlichkeitsmerkmal. Glaubhaftigkeit hingegen bezieht sich auf eine Aussage; sie ist ein Aussagemerkmal.

Es handelt sich also, so ähnlich die Worte klingen mögen, um völlig verschiedene Problembereiche.

Wenn also die Glaubhaftigkeit einer bestimmten Aussage im Strafverfahren zu überprüfen ist, ist ein Glaubhaftigkeitsgutachten einzuholen, Glaubwürdigkeitsgutachten gibt es gar nicht.

Die (Jugend-)Richter – und davon gibt es viele! -, die also weiterhin „Glaubwürdigkeitsgutachten“ in Auftrag geben, wissen nicht, wovon sie reden, haben keine Ahnung und sind gerade keine Profis.

Und die Gutachter, die „Glaubwürdigkeitsgutachten“ erstellen, sind Scharlatane.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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10 Antworten zu Glaubhaft oder glaubwürdig?

  1. Subsumtionsautomat schreibt:

    In solchen Gutachten geht es ja in der Regel um Beides und es kommt auf den Einzelfall an, was im Vordergrund steht. Geht es um die Reife oder psychisches Verfassung eines Zeugen, betrifft das durchaus eher dessen Persönlichkeit, also die Glaubwürdigkeit; geht es um Aussagekonsistenz, das Aussageverhalten und ähnliches, dann betrifft das die Aussage als soche, also die Glaubhaftigkeit. Beides kann aber Gegenstand eines solchen Gutachtens sein (vgl. http://www.psychomeda.de/lexikon/glaubwuerdigkeitsgutachten.html). Der Begriff Glaubwürdigkeitsgutachen mag also die Sache nicht vollständig korrekt beschreiben, allerdings wäre Glaubwürdig- und/oder Glaubhaftigkeitsgutachten doch etwas sperrig.
    Streiten kann man sich da viel eher über Sinn und Unsinn solcher Gutachten, die oft mehr Schaden als Nutzen bringen.

    • rawsiebers schreibt:

      Nein, das ist schlicht falsch! Jedenfalls in Strafsachen, und nur darum geht es mir, kommt es IMMER und AUSSCHLIESSLICH auf die Glaubhaftigkeit einer Aussage und nie auf die Glaubwürdigkeit eines Zeugen an, denn z.B. kann auch ein „notorischer Lügner“, dem man eigentlich „nichts glauben“ kann, ausgerechnet bei der Beobachtung, die er in dem bestimmten Fall schildert, die Wahrheit sagen. Auch kann der „absolut immer glaubwürdige“ Pastor aufgrund einer Suggestion, eines Irrtums oder einer Sinnestäuschung in dem speziellen Fall eine völlig unglaubhafte Aussage machen.

      Also nochmals: Im Strafverfahren geht es NIE um Glaubwürdigkeit sondern NUR und IMMER um Glaubhaftigkeit!

  2. schneidermeister schreibt:

    Dann ist auch Herr Burhoff ahnungslos und kein Profi. Jedenfalls in seinen Handbüchern zum Ermittlungsverfahren und zur Hauptverhandlung schreibt er wenigstens bis einschließlich der Auflagen 2012 froh und munter zu Glaubwürdigkeitsgutachten unter eben diesem Stichwort…..Ihr Kollege Deckers, der sich ziemlich intensiv der Thematik widmet, schrieb zB noch 1999 einen Aufsatz über die „Glaubwürdigkeit“ kindlicher Zeugen.
    Und auch Herr Geipel in seinem dicken Handbuch schreibt immer wieder von der „Glaubwürdigkeit einer Aussage“. Der Begriff Glaubwürdigkeit wird da weitgehend synonym mit der von Ihnen postulierten allein richtigen Glaubhaftigkeit verwendet.

    • rawsiebers schreibt:

      Bei allem Respekt vor den mir persönlich bekannten Kollegen Burhoff und Deckers: Es geht, das betone ich in meiner arroganten Art nochmals ausdrücklich als einzig richtig, im Strafverfahren immer und ausschließlich nur um die Glaubhaftigkeit einer Aussage. Und: Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit sind keine Synonyme! Herrn Geipel kenne ich nicht, deshalb kann ich auch nicht beurteilen, ob er wie die oben genannten Kollegen in diesem Punkt nur unsauber und damit falsch formuliert oder ob er keine Ahnung hat.

  3. Christian schreibt:

    Der BGH sieht das zwar etwas anders (zB BGH, Beschluss vom 06. Februar 2014 – 1 StR 700/13 –, Rn 11 mwN), aber der hat bekanntlich auch keine Ahnung.

    • rawsiebers schreibt:

      Falsch, im Gegenteil, denn Punkt 2 des Tenors macht genau den von mir deutlich hervorgehobenen Unterschied deutlich!:

      „Bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Tatopfers sowie der Glaubhaftigkeit seiner Angaben …..“

      • Christian schreibt:

        BGH aaO. Rn. 11: „Angesichts der besonderen Umstände des Falls (mehrfache Falschangaben der Hauptbelastungszeugin) kann sich für das neue Tatgericht ausnahmsweise auch die Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens anbieten (vgl. BGH, Urteil vom 12. November 2003 – 2 StR 354/03, NStZ-RR 2004, 87 f.).“

        RA Siebers (s.o.): „Glaubwürdigkeitsgutachten gibt es gar nicht. …
        Die (Jugend-)Richter – und davon gibt es viele! -, die also weiterhin “Glaubwürdigkeitsgutachten” in Auftrag geben, wissen nicht, wovon sie reden, haben keine Ahnung und sind gerade keine Profis. Und die Gutachter, die “Glaubwürdigkeitsgutachten” erstellen, sind Scharlatane. … Im Strafverfahren geht es NIE um Glaubwürdigkeit sondern NUR und IMMER um Glaubhaftigkeit!“

  4. rawsiebers schreibt:

    Kann man mal sehen, dass auch der BGH hin und wieder (immer öfter?) Schwachsinn verzapft. Wusste ich übrigens schon vorher, passiert mir selbst auch manchmal. So ist das Leben.

    • Nurof schreibt:

      Ob jemand glaubwürdig ist, mag schon auch eine Rolle spielen, aber das würde ich maximal dann begutachten wollen wenn die glaubhaften Angaben im speziellen Fall zu keiner Verwertung führen und daher die unglaubhafte unter besonderer Würdigung der Glaubwürdigkeit zu prüfen ist.

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