Betrugstatbestand als Schutz vor Leichtgläubigkeit?

Lottozahlen aus der Glaskugel

Schütz der Betrugstatbestand auch den Leichtgläubigen? Ist wirklich Betrüger, wer von einer anderen Person Geld mit einer Münchhausengeschichte erschwindelt?

Ein Gericht am Rande eines Mittelgebirges hat einen solchen Angeklagten freigesprochen und einem Opfer bescheinigt, dass es dumm und dämlich war, auf die Geschichte des Schwindlers hereinzufallen.

Das Amtsgericht Frankfurt sieht das anders:

Das AG Frankfurt hat eine Frau wegen Betruges zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie kenne einen „alten Mann mit Glaskugel“, der die Lottozahlen vorhersehen könne, sofern man ihn gut bezahle. Das Opfer wurde um 13.000 Euro erleichtert.

Mit faulem Zauber hat eine Betrügerin eine gutgläubige Frau um mindestens 13.000 Euro gebracht. Das Amtsgericht (AG) Frankfurt verurteilte die Angeklagte am Montag zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen, insgesamt 4.000 Euro. Die 54-Jährige hatte ihrem Opfer weisgemacht, sie kenne „einen alten Mann mit einer Kristallkugel“, aus der er auch die aktuellen Lottozahlen herauslesen könne, sofern man ihn vorher mit ausreichend Geld versorgen würde. Erst nachdem die Krankenschwester nach mehreren Zahlungen völlig mittellos war und Verwandte und Bekannte um Geld gebeten hatte, rieten die ihr zur Strafanzeige bei der Polizei.

Quelle: LTO

Wer auf ein Wunder hofft, wird der wirklich betrogen?

Kugel

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Betrugstatbestand als Schutz vor Leichtgläubigkeit?

  1. Christoph Nebgen schreibt:

    Das ist eine der zentralen Fragen im Strafrecht, die sich mir immer wieder stellt: Wie dumm darf man sein, damit das Gesetz einen noch schützt?

  2. Christoph Nebgen schreibt:

    Werner, Du hast der Mandantin aber nicht DEINE Kristallkugel zur Verfügung gestellt?! ;-D

  3. Jakob schreibt:

    Man kann es sich natürlich leicht machen und dem Opfer die Schuld in die Schuhe schieben. Aber was ist, wenn das Opfer psychisch krank, geistig behindert oder alt und dement ist und dadurch auf so eine Masche reinfällt?

  4. Michael Mendelsohn schreibt:

    Es geht ja nicht um’s Opfer, sondern die Täterin. Es gibt halt nur bestimmte Berufe, in denen die Leichtgläubigkeit der Mitmenschen zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden darf. Sobald sich nachweisen lässt, dass man das Versprochene nicht liefern kann oder will, ist es aus.

  5. A. Hirsch schreibt:

    Irgendwie muss ich da an die Freier denken, die glauben, sie bekämen für 30 Euro Geschlechtsverkehr (und noch viel mehr), und die außerdem glauben, exakt diese 30 Euro (und kein Cent mehr) würden von ihrem Konto abgehoben, wenn sie ihre EC-Karte nebst PIN herausgeben.

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