ARAL – der Brötchenverkäufer

Tanke – Nein Danke!

Ja, ich gebe es zu, es ist einfach eine Wiederholung. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen, denn das, was ich schildere, wiederholt sich auch, dauernd, immer wieder, täglich ….

Ich will doch nur tanken

Lieber Herr ARAL,

ich bin der Letzte, der kein Verständnis dafür hat, dass Du auch an belegten Brötchen, Kaffee, Schokoladenriegeln, Zeitungen, Damenbinden, Tabakwaren und was auch immer für einem Tante-Emma-Scheiss Kohle machen willst.

Aber musst Du dafür die Kunden Deines Kerngeschäftes, den gemeinen Tanker, der weder nebenbei noch kurz eine Curry-Wurst oder einen PlürreKaffee-To-Go “genießen” will, so sehr vergraulen, muss das wirklich sein?

Du hast meist zwei “richtige” Kassen und dann noch so eine Pufferbuden-Kasse an der Warm-Theke. Blöd nur, dass Deine Aushilfs-Oberkellnerinnen ganz oft mit Deinem NichtKerngeschäft, dem Erwärmen der Plürre, dem Garnieren des uritalienischenWeißmehlschwammsCiabattas und dem Packen der Brötchentüten so überlastet sind, dass die Kerngeschäftskassen geschlossen sind mit dem dezenten Hinweisschild, man möge sich an der NichtKerngeschäfts-Curry-Wurst-Kasse anstellen.

Und dann stehe ich da, als Nummer 007 in der Reihe der zahlungswilligen Kunden und höre mir dann an:

“Hei, Willi, heute aber spät dran.”

“Jau, wir mussten heute noch die Tour von Kalle übernehmen.”

“Ach, ist der krank? Salami oder Käse heute?”

“Nein, die Tochter hat gestern ein Kind bekommen. Salami.”

“Mädchen oder Junge? Großen oder kleinen PlürreKaffee?”

“Groß. Und dann gib nochmal den Kloschlüssel, wenn wir schon bei groß sind. Hihihi.”

“Warte, Salami muss ich kurz belegen, iss aus.”

Aushilfs-Oberkellnerin marschiert zur Anrichtetheke im Hintergrund, holt helles längliches Etwas, schneidet es auf, legt Salatblatt, einen Paprikastreifen hinein und sortiert säuberlich angeordnet drei fächerhaft aufgeteilte Salamischeibchen auf der pappigen Unterlage. In der Zwischenzeit reihen sich hinter mir Nummer 8 und Nummer 9 in die Reihe. Ein Kerngeschäftskunde, der auch “nur” getankt hat, es so eilig zu haben scheint wie ich (er flüstert beim Anblick der Schlange und der ungeschickt salamiverteilenden Aushilfsoberkellnerin zu sich selbst: Ach Du Scheiße) und ein Nichtkerngeschäftskunde, der schon vor seiner Einreihung eine Packung Butterkekse, einen Liter Castrol 10W40, eine BILD, zwei Cola Zero und einen ARAL-Ball (Sonderangebot für die kleinen Nichtkerngeschäftskundenkinder und Kerngeschäftskundenkinder) gegriffen hat und jetzt ungeschickt jongliert; getankt hat er aber wohl auch, also ein gemischter Nichtkerngeschäfts- und Kerngeschäftskunde. Die Aushilfs-Oberkellnerin plaziert den Deckel des weißen pappigen länglichen Etwas auf der salamibelegten Unterlage, legt alles auf einen feinen weißen Porzellanteller und bringt Willi sein Frühstück.

“So. Wie war das mit dem Kaffee? Groß, ne?

“Ja, groß, und den Kloschlüssel!”

Aushilfs-Oberkellnerin stratzt zum Kaffeevollautomaten, plaziert den großen Becher unter der Kaffeeauslaufeinrichtung und hört zu, wie das Gerät die Bohnen zermalt, dann das Wasser auf das Kaffeemehl drückt. Dann schaut sie, wie der dünne dunkle Strahl langsam in den Becher pieselt, gleichwohl vergisst sie jetzt wohl den Toilettenschlüssel, während ich denke, dass es eigentlich ein Wunder ist, warum bei einer solch beeindruckenden Maschine der Kaffee so beschissen schmeckt.

“So, Dein Kaffee”.

“Der Toilettenschlüssel!?”

“Ach ja.! Muss ich kurz nach hinten. Warte kurz.”

Aushilfs-Oberkellnerin bewegt sich in die hinteren Katakomben, um den Toilettenschlüssel für Willi zu holen. Auf dem Rückweg plötzlich: Das Telefon klingelt. Aushilfs-Oberkellnerin stoppt, nimmt den Hörer ab und flötet in bester CallCenterMarnier:

“ARAL-Station Idiotenweg, mein Name ist Melanie Schweinebacke, was kann ich für Sie tun?” …………. “Ach, da kann ich Ihnen leider nicht helfen, das müssen Sie mit dem Chef besprechen.” ……………… “Nein, der ist leider nicht im Hause, der kommt immer erst gegen 11.” …………….. “Nein, heute kommt er später”.   ……………. “Ja, gut, ich sage es ihm, warten Sie, ich muss etwas zum Schreiben holen, dann geb ich ihm Ihre Nummer.”

Aushilfs-Oberkellnerin und Hilfs-Callcenteragentin legt den Hörer neben den Apparat, Bezahlkunden 10 und 11 reihen sich ein, Aushilfs-Oberkellnerin marschiert in Richtung mangels weiteren Personals gesperrter Kernbereichskassen, um Zettel und Papier zu holen, Willi beißt schon mal in seine Salamipappe, Pulsschlag des Kernbereichskunden hinter mir erhöht sich hörbar, er atmet bereits leicht schnappig.

Aushilfs-Oberkellnerin notiert Telefonnummer, verabschiedet sich höflich, wünscht noch einen schönen Tag und betont, dass sie selbstverständlich dem Chef sofort die Telefonnummer gibt, wenn er im Hause ist. Hörer aufgelegt, Toilettenschlüssel geschnappt und ab zur Pufferbundenkasse. Willi hat sein SalamiDings halb verzehrt, Schweinebacke hackt etwas in die Kasse und sagt:

“Macht XX Euro 53.”

“Warte, ich habs klein”

Willi schüttet den Inhalt des Hartgeldfaches seines Geldbeutels (bei “Portemonnaie” muss ich immer googeln, weil ich doch nicht ganz sicher bin, ob ich es richtig schreibe) auf die blaue ARAL-Hartgeldentgegennahme- und Rückzahlungsschale, und gemeinsam werden nun XX Euro 53 in Einzelmünzen aus dem Häufchen gezählt, in die Kasse geworfen und sich freundlich angelächelt.

“Brauchste den Bon?

“Nee, aber was ich vergessen habe, gib mir noch zwei rote Marlboro, die echten, weisste!”

“Ja klar, warte!”

Aushilfs-Oberkellnerin trottet wieder in Richtung des rückwärtigen Kerngeschäftskassenbereiches, Willi verdrückt den Rest seiner Salamipappe, Kunde hinter mir kollabiert fast, Nichtkerngeschäftskunde 15 (die Schlange hatte sich verlängert) legt die von ihm eingesammelten Nichtkerngeschäftsgegenstände mit der Bemerkung: Das dauert ja bis nächstes Jahr (heute ist der 9. April, aber möglicherweise hat er ja Recht) auf einen der feinen Bistro-Tische und trottet Richtung Ausgang.

Melanie (innerlich duze ich sie jetzt schon, weil ich kenne sie ja zumindest als Beobachter schon ziemlich gut) bringt Willi seine Lungenzerstörer, tippt wieder auf der Kasse herum, nennt den Preis, bekommt das Geld, Willi bekommt seinen Kloschlüssel, schiebt seinen bekrümelten Teller zurück und meint:

“Ach, mach mir noch eins!”

“Klar, warte!”

Die Geschichte mit Willi geht weiter, die Schlange der abzukassierenden Kunden ist bezüglich der Kerngeschäftskunden natürlich begrenzt im Umfang der Anzahl der Zapfsäulen, die nicht freigeschaltet werden können, wenn der Vortanker nicht gezahlt hat, außerdem steht ja dessen Auto noch vor der Säule, so dass sich nicht nur die Kundenschlange der Nichtkerngeschäftskunden vor der einzig bedienten Kasse an der warmen Theke dramatisch verlängert (Nummer 8 hinter mir ist zwischenzeitlich bewusstlos in sich zusammengesackt, was Nummer 9 bis 37 freut, weil es dadurch natürlich schneller geht), sondern die tankwilligen Fahrzeugführer stehen mit ihren Fahrzeugen nun schon auf der Straße außerhalb des Tankstellengeländes in einer kaum überschaubaren Fahrzeugschlange, weil sie an anderen Tankstellen, die mit einem ähnlich idiotischen Kerngeschäftskunden vergraulenden Bedienkonzept vorbeigefahren sind in der Hoffnung, bei ARAL ist alles besser (man irrt sich halt hin und wieder).

Willi hat aber irgendwann alles, was er braucht, kann aufs Klo, in Windeseile geht es zum nächsten Kunden.

“Die 5 bitte.”

“Haben Sie eine Payback-Karte?”

“Nein.”

“Wollen Sie eine?”

“Was habe ich davon?”

“Ich erkläre Ihnen das mal. Also ………………………..”

Nachdem dann das Paybackkartenantragsformular ausgefüllt wurde, gezahlt wurde, eigentlich alles erledigt ist, kommt noch das obligatorische Gesülze:

“Noch einen Kaffee dazu?”

“Ja bitte!”

“Oh, Moment bitte, den muss ich erst machen, der ist nämlich ganz frisch, wissense!”

Lieber Herr ARAL,

ich musste mit dieser realistischen Schilderung leider etwas untertreiben, weil mir weitere Details einfach entfallen sind. Ich habe gefühlte sieben Stunden gewartet, bis ich zahlen konnte. Vor Monaten hatte ich als Vieltanker eine ARAL-Card geordert, weil ich dachte, dass damit der Bezahlvorgang beim Tanken abgekürzt wird und alles leichter wird. Dass ich damit aber eine Eintrittskarte für den Kinofilm: “Wir machen nur noch Curry-Wurst und Tankkunden sind uns Scheißegal” gewonnen habe, ist mir vorher nicht offenbart worden.

Es könnte möglicherweise bedenkenswert sein, die Tankstellenbetreiber anzuweisen, das Personal so zu organisieren, dass die Nichtkerngeschäftsarbeiten nicht dazu führen, dass man nun regelmäßig und an fast jeder Ihrer Tankstellen für das Bezahlen länger benötigt als für das Tanken.

Und wenn das dann zu teuer wird, weil man dafür einen zweiten oder dritten Kassierer/Aushilfsoberkellner/Frittenbrater/Kaffeepanscher bräuchte, sollte vielleicht das Konzept überdacht werden.

Ich jedenfalls habe die Schnauze gestrichen voll, und zwar nicht von dem Fraß, den mir Schweinebacke mit ihren abgekauten Nägeln zubereitet, sondern von Ihrem fehlgeleitetem Konzept (“Bei uns bekommst Du alles und wirst schleimig zugesülzt wie bei jedem widerlichen AbzockerCallCenter, egal wie lange der Tankkunde auf die Bezahlung seiner Rechnung warten muss”) und werde hoffentlich immer eine kleine Tanke um die Ecke finden, bei der das Nichtkerngeschäft nur nebenbei läuft und ich schnell bezahlen kann, ohne zusehen zu müssen, wie Willi seine Wünsche erfüllt bekommt (Kopfkino aus: Willi fand Melanie ganz gut, wer weiß, was wir uns noch hätten ansehen müssen, wenn ……).

Mir ist natürlich klar, dass ich ein querulatorischer Einzelfall bin und Dir, lieber Herr ARAL, das Geschäft nicht versaut wird, wenn nur ich bei Euch aus Prinzip nicht mehr tanken werde, aber: Ich musste das einfach mal los werden!

Juristische Ernährung

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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17 Antworten zu ARAL – der Brötchenverkäufer

  1. RA Kai Hertweck schreibt:

    Wenn auch aufgewärmt, immer schön zu lesen!

  2. bingo2 schreibt:

    Ach, es scheint, Sie sind da lediglich dem Irrglauben aufgesessen, für den Tankstellenpächter sei das Tanken das Kerngeschäft. Das ist schon seit Jaaaahren Humbug. Bei Margen von 0,5 – max. 2,5 c / liter liegen bei 6 Tanksäulen, die jeweils max. 12 Kunden / h schaffen, die vielleicht im Schnitt jeweils 40 Liter tanken, die Margen-Einnahmen in der Stunde zwischen 14,40 Euro und 72 Euro.
    Klingt gar nicht so viel, oder?

    Btw.: Dass der Beitrag von 2013 aufgewärmt wurde, zeigt, dass der Leidensdruck nicht sooo hoch sein kann, wenn Sie dort immer noch tanken. 🙂

  3. ich schreibt:

    … und deshalb tanke ICH nicht bei ARAL

  4. Johannes schreibt:

    Nein, ich halte die Wahrnehmung nicht für einen „querulatorischen Einzelfall“. Ich tanke aus genau dem Selben Grund auch nicht mehr bei Aral, wenn ich es irgendwie vermeiden kann.

  5. Hans Olo schreibt:

    Sorry, aber das ist doch beileibe nichts Neues.

    Der Tankstellenpächter verdient (=Gewinn) an einem belegten Brötchen und einem Kaffee mehr als an Ihrer Tankfüllung (Gewinn pro Liter Kraftstoff ca. 2 – 3 Cent).

    Deswegen ist das Verhalten zwar gegenüber den normalen Kunden nicht nett, aber auch nicht komplett irrational.

    Schreiben Sie mal, wenn die SocialMedia-Abteilung vom Herrn Aral sich bei Ihnen meldet.

  6. -thh schreibt:

    Exakt. – Das „Kerngeschäft“ ist bei Tankstellen beileibe nicht der Verkauf von Kraftstoff (oder auch nur Kfz-Zubehör); schon lange nicht mehr. Damit kann man wenig, möglicherweise auch nichts verdienen. Daran richtet sich dann natürlich auch die Präsentation aus.

    Meistens gelingt es aber dem Bedienpersonal trotzdem, die Prioritäten so zu sortieren, dass das einigermaßen zügige Tanken dennoch möglich ist.

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  8. Der wahre T1000 schreibt:

    Tanken macht zwar 80% des Umsatzes aus, aber leider nur 20% des Gewinns. Das „Kerngeschäft“ ist der Kaffee und die Bockwurst. Also was meckern Sie, dass man sich dort nicht um die wichtigen Kunden kümmern würde?

  9. Carom schreibt:

    Was tanken Sie auch bei einer Wurstbude? *kopfschüttel*

  10. moep schreibt:

    Das kann ich noch toppen: Wir haben hier in der Gegend eine Aral-Tankstelle. Diese hat bis 24 Uhr geöffnet. Allerdings ab 20 Uhr nur noch mit einem Nachtschalter: Man kommt also nicht mehr rein. Nun könnte man meinen,dass das dann dazu führt, dass man nur noch Benzin oder Sachen in Griffweite des Kassierers bekommt. Aber nein! Der rennt dann durch den supermarktähnlichen Laden und sammelt die Produkte für die Kunden zusammen xD
    Das dauert dann erst richtig mit dem Tanken

  11. Hans A. schreibt:

    Ich nehme an, der Fehler ist, bei einer Markentankstelle zu tanken. Bei denen ist ja in der Regel der Kraftstoff deutlich teurer als bei den freien, was der preisbewusste Kunde sofort erkennen kann. Wer dagegen nur zum Essen oder Einkaufen in die Tankstelle geht, kann die Preise nicht so leicht vergleichen, und evt. gibt es da ja auch gar keine systematischen Unterschiede. Das sollte logischerweise dazu führen, dass der Anteil der Nichttanker an den Kassen der Markentankstellen höher ist.

  12. Sys schreibt:

    Darum tanke ich mittlerweile wann immer es möglich ist an Automatentankstellen. Die fragen auch nicht ob man noch doch noch einen Schokoriegel will…

  13. whocares schreibt:

    @sys:Mache ich auch – nachmittags ist die günstige Freie hier im Ort so überlaufen, das die Kundschaft bis auf die Straße steht und wartet, und an der Automatentanke zwei km weiter im Industriegebiet habe ich freie Säulenwahl, und die üblicherweise im Preis noch einen Cent drunter ist. Ist nur manchmal doof, das mit allen meinen Karten bei 78€ Ende ist (durstiger Otto-V6 mit großem Tank…)

  14. OxKing schreibt:

    Du warst einfach noch nie in einer Tankstelle mit Paketannahme, sonst wüsstest du dass es noch schlimmer geht.

  15. Danny schreibt:

    Habe mich köstlich amüsiert!

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