Der dumme Lump

Wenn alles zu spät ist

Da schaute der Lump dumm aus der Wäsche. Sein Verteidiger hatte ihm geraten, nicht nur die „eigenen Hosen runterzulassen“, er sollte auch andere mit dem bekleckern, was hin und wieder rauskommt, wenn die Hosen unten sind.

Hoffmann von Fallersleben stellte schon Mitte des 19. Jahrhunderts fest:

“Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant”.

Blöderweise hatte der fremdgehende Zivilist von Verteidiger den § 46b StGB nicht richtig bis zum Ende gelesen, denn danach fällt der Hammer fürs Anscheißen wie folgt:

§ 46b III StGB: Eine Milderung sowie das Absehen von Strafe nach Absatz 1 sind ausgeschlossen, wenn der Täter sein Wissen erst offenbart, nachdem die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen ihn beschlossen ist.

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Stellte das Gericht lapidar fest: „Die Hilfe zur Aufklärung spielte im Sinne des § 46b I StGB keine Rolle mehr, da sie zu spät erfolgte (§ 46b III StGB).“

Wie im wahren Leben. Manchmal geht die Scheiße dann doch noch in die Hose, wenn man zu langsam ist.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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8 Antworten zu Der dumme Lump

  1. riag schreibt:

    Es ist doch immer wieder schön, wenn einzelne Verteidiger derart offen zu erkennen geben, dass sie mittlerweile längst die Denkungsart der Straftäter angenommen haben, die sie vertreten.
    (Offenbar kommt das ja auch an bei den potentiellen Mandanten. Die überlegen sich halt nicht, dass ein Verteidiger, der noch denkt wie das Gericht – und, was speziell die Aufklärungshilfe angeht: wie das Gesetz – , im Strafprozess womöglich mehr von Nutzen sein könnte.)

    • Non Nomen schreibt:

      Sehr interessant, dass hier insinuiert wird, dass, als Organ der Rechtspflege, die Kenntnis des § 46b StGB mit der Denkungsart von Straftätern gleichzusetzen sein soll. Das habe ich doch richtig verstanden, oder???

    • Thorsten schreibt:

      Eine so unqualifizierten Beitrag hätte ich von einem Richter nicht erwartet.

      Ein Strafverteidiger der – nach dem Eröffnungsbeschluss – seinem Mandanten rät, die Kronzeugenregelung sich zunutzen zu machen, verlässt doch gerade die Ebene des Gesetzes, indem er es einfach nicht oder nicht richtig liest!

      Und dass der Strafverteidiger nach dem Gesetz (!) gesetzlich einzig den Interessen seines Mandanten verpflichtet ist und nicht der Aufklärung von Straftaten weiterer Täter, wenn es seinem Mandanten überhaupt nichts bringt.

  2. Der wahre T1000 schreibt:

    Mancher möchte, wenn er erwischt wird, „reinen Tisch“ machen. Oder auch den „Rücken gerade machen“. Er will mit einer Sache abschliessen und dazu stehen. Wenn die Hoffnung besteht, dass man so ein bißchen billiger davon kommt, soll es recht sein. Zumindest kann man so ehrlich zu sich selbst sein und das Vergangene abarbeiten (absitzen?).

    Christen gehen genau für sowas zur Beichte, was ungemein erleichternd sein soll und einen den richtigen Weg wiederfinden lässt. Nicht alles ist immer nur Strafrecht, auch wenn es Sie und Ihren Mandanten gerade ärgern mag.

    Keine Straftaten zu begehen wäre natürlich klüger gewesen, auch und gerade für den hier „Angeschissenen“.

  3. Thorsten schreibt:

    Das lernt man schon im Studium: lies als allererstes die betreffende Norm bis zum Ende und schaue Dir auch benachbarte Normen an, insbesondere wenn sie Buchstaben hinter der Zahl tragen! Und erst dann kann man anfangen mit Rechtsprechung und Literatur.

    Im Referendariat hieß es dann ganz lapidar: „Blick ins Gesetz schützt vor Geschwätz!“

  4. Briag schreibt:

    Es mag kein Fall des 46b StGB vorgelegen haben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Aufklärungshilfe revisionsfest in der Strafzumessung übergangen werden kann. Von daher dürfte das Geständnis dem Angeklagten sehr wohl einen Strafnachlass gebracht haben. Weshalb ein Verteidiger davon abraten sollte, erschließt sich mir nicht.

    • Scharfrichter schreibt:

      Und nicht nur in der eigentlichen Strafzumessung – so etwas kann durchaus den Ausschlag dafür geben, bei Freiheitsstrafen zwischen einem und zwei Jahren besondere Umstände für eine Strafaussetzung zur Bewährung zu bejahen.

      Aber all dies weiß Herr Siebers natürlich auch ganz genau.

  5. rawsiebers schreibt:

    Der Kollege hatte eine Strafmilderung nach § 46 I StGB versprochen, und das ging nicht mehr. Nur darüber habe ich berichtet. Dass die Lumperei auch anderweitig helfen kann, habe ich nicht in Zweifel gestellt.

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