Übermaß

Unterirdisch

Was macht man als besonnener, dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zugeneigter, erfahrener und weltoffener Staatsanwalt, wenn bei einem nicht vorbestraften Heranwachsenden 1,96 Gramm Kokain und 0,1 Gramm Cannabis gefunden werden, wobei der Wirkstoffgehalt nicht bestimmt wurde und unwiderlegt mitgeteilt wurde, dass das Zeug schon ewig gelegen hat?

Eine schwierige Entscheidung, ich könnte ja dieses und jenes erwägen, so z.B. § 47 JGG, § 153 StPO, § 31a BtMG, § 29 V BtMG. Schwierig, schwierig, schwierig.

Ach was solls, ich bin in Braunschweig, da muss Flagge gezeigt werden, also hau ich mal einen Strafbefehlsantrag mit 100 Tagessätzen raus.

Und, was macht ein oberbesonnener Jugendrichter?

Er unterschreibt das Pamphlet natürlich!

Die Karte, die man zieht

Advertisements

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
Dieser Beitrag wurde unter bundesweit abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Übermaß

  1. T.H., RiLG schreibt:

    Bei 2 Gramm Koks wird’s mit § 153 aber auch außerhalb von Braunschweig schwierig. 😉

  2. T.H., RiLG schreibt:

    Also ich weiß ja nicht, ob jemand, der wegen 2g nen Strafbefehl über 100 TS raushaut, anstatt den Antrag der StA zurückzuschicken, wirklich so eine Kleinigkeit wie den Wirkstoffgehalt braucht, um zu einer Verurteilung zu kommen…. 😉

  3. Roadrunner schreibt:

    Wenn ein StA bei einem Jugendlichen 100 TS für „angemessen“ für 2g Koks hält, dann kann man sich § 47 JGG eigentlich sonstwohin stecken. So ein Scharfmacher stimmt doch keiner Einstellung zu.

Kommentare sind geschlossen.