Wucher?

Betrugsversuch?

Der Mandant hat besoffen randaliert und „Widerstand“ geleistet. So weit, so schlecht. Der Polizeieinsatz endete für ihn nicht positiv, darauf kommt es aber nicht an.

Die Polizeidirektion einer Löwenstadt meldet beim Mandaten Schadensersatz an, insgesamt etwa 530,00 €, zusammengesetzt aus Heilbehandlungskosten in Höhe von 33,72 €, Dienstbezüge eines Polizeibeamten für die Zeit seiner Dienstunfähigkeit in Höhe von fast 400,00 € und den Zeitwert einer beim Vorfall beschädigten Lederjacke in Höhe von über 101,90 €.

So weit, so ganz schlecht.

Ich erlaube mir die Nachfrage, wie alt die Lederjacke war, verlange die Herausgabe , wenn der Restwert bezahlt werden muss und frage, ob der Polizeibeamte nicht hätte im Innendienst eingesetzt werden können.

Die Antworten zur Lederjacke sind verschwurbelt:

Bei der Jacke handelt es sich um einen Lederblouson aus robustem Kernleder. Der Wiederbeschaffungswert liegt nach aktueller Preisliste des LZN bei 291 ,13 €. Der Blouson war zum Schadenzeitpunkt mehr als zehn Jahre alt. Er ist vom Zustand her als gut bis sehr gut anzusehen. Der Tragezustand lässt sich wie folgt beschreiben:
Das Leder befindet sich insgesamt in einem guten Trage- und Pflegezustand. Abriebspuren an den Tascheneingriffen oder an den Stoßkanten sind nicht zu sehen, auch sind keine Knickfalten o.ä. wahrnehmbar. Die Zeitwerttabelle der Versteegen Assekuranz -Lederbekleidung- sieht bei Nappalederjacken eine Tragezeit von sechs Jahren vor, bei Motorradanzügen acht Jahre. Für die dienstliche Lederjacke wird eine Tragezeit von acht Jahren angenommen. Die Jacke befindet sich in einem Tragezustand, der dem einer sehr gut erhaltenden nach etwa vier Jahren Tragezeit entspricht. Der Tragezeitwert wird in Anwendung der Zeitwerttabelle der technischen Akademie Hohenstein e.V. aut 35 v. H. des Neuwertes festgesetzt, also auf 101,90 €.

Verstanden? Ich auch nicht. Mehr als zehn Jahre ist also weniger als eigentlich acht Jahre, mehr so wie vier Jahre – oder wie?

Und Herausgabe ist auch nicht. Also bezahlen lassen und weitertragen. So weit kommt es noch!

Tja, und dann war der Beamte 4 Tage dienstunfähig, wegen einer Prellung am linken Daumen, eine Verwendung im Innendienst war nicht möglich!

Ich verweise auf meine Überschriften.

Und, ach ja: Wer wegen einer Prellung am Daumen vier Tage dienstunfähig ist, bei dem wundert es natürlich nicht, dass seine Dienstkleidung nach zehn Jahren noch fast neu ist.

Jacke für die Wanne

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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Eine Antwort zu Wucher?

  1. Dongs schreibt:

    Da können einem aber auch die Polizisten leid tun, wenn die Verwaltung ein mehr als 10 Jahre altes Kleidungsstück vom Zustand als gut bis sehr gut bezeichnet.

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