Marco Reus und sein Aston Martin

Alles normal oder genial verteidigt?

Zunächst ist festzuhalten, dass man auch ohne Abitur und Fahrerlaubnis durchaus einen guten Autogeschmack haben kann, ohne dass man gleich James Bond sein muss. Damit das irgendwelche Hilfssheriffs nicht falsch verstehen: Mein Abitur hat es gegeben, meine Fahrerlaubnis habe ich noch.

Jetzt schreit die ganze Welt, bei Marco Reus habe mal wieder der Promi-Bonus zugeschlagen, „nur“ 90 Tagessätze und keine Fahrerlaubnissperre, das könne ja wohl gar nicht sein.

Doch, es kann. Und wenn es tausende von Fahrten ohne Fahrerlaubnis gewesen sein sollten, im Rahmen der Gesamtstrafenbildung bei einer nicht vorbelasteten Person, dem strafmildernden Gewöhnungseffekt bei Serienstraftaten, Geständnis und Reue (der Name ist fast Programm) sind 90 Tagessätze kein Geschenk, bezüglich der Tagessitzhöhe wird geschätzt und ab einer gewissen Gesamthöhe spielt auch der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz eine Rolle.

Und fahren ohne Fahrerlaubnis gehört nicht zu den Regeltatbeständen für die Verhängung einer Sperre, so dass die Argumentation, dass Herr Reus die Chance bekommen soll, so schnell wie möglich die Fahrerlaubnis zu machen – wenn nicht die MPU droht -, durchaus rechtsstaatlich und angemessen ist.

Also: Kein Promi-Bonus, alles gut, vernünftig verteidigt, und: So ein Aston will gefahren werden, und Spaß macht es auch!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Marco Reus und sein Aston Martin

  1. RA de Berger schreibt:

    1. Die Aufregung ergab sich vor allem aus der wieder einmal unterirdisch schlechten Berichterstattung über die juristische Vorgänge. Da war von einem „Strafzettel“ und einem „Bußgeld“ die Rede, gerade so, als hätte man Herrn Reus ein 540.000,- Euro-Knöllchen hinter den Scheibenwischer gesteckt. Außerdem hieß es, die Staatsanwaltschaft habe keine Sperre für die Erteilung der Fahrerlaubnis verhängt. Das entscheidet immer noch das Gericht.

    2. Daß der Verdacht eines gewisssen Promibonus aufkam, kann man aber der „rechtstreuen Bevölkerung“, die in gerichtlichen Entscheidungen gerne bemüht wird, aber nicht verübeln. In der Regel wird auch bei nichtvorbestraften Tätern eine Sperre für die Erteilung der Fahrerlaubnis erteilt, wenn jemand wegen sechsmaligen (!) vorsätzlichen (!) Fahrens ohne Fahrerlaubnis belangt wird und ohne Fahrerlaubnis auch noch Geschwindigkeitsüberschreitungen hinzukamen. Angeblich – man weiß es nicht – soll auch noch ein gefälschter (?) niederländischer Führerschein eine Rolle gespielt haben.

    Trotzdem nicht ungeeignet im Sinne von § 69 Abs. 1 StGB? Das sieht die Fahrerlaubnisbehörde vermutlich weniger optimistisch.

  2. Carom schreibt:

    Die juristische Einordnung ist sicher diskutabel, die mediale Darstellung vielleicht ungenau – aber was sagt man zu einem riskant fahrenden Jungspund, der sich ohne Fahrerlaubnis an das Steuer eines (ich bleibe mal bei der Sorte PKW, die sich auch Nichtjuristen und Laienfussballer leisten können) Opel Corsa setzt und mit 60 Sachen an einer Schule vorbeibrettert? „Ach, nicht so schlimm, das hat der Reus auch gemacht, der hatte gute Anwälte und durfte sogar den Lappen nachholen.“
    Wie wäre Ihr Empfinden, wenn die betreffende Schule die Ihrer Kinder wäre?

  3. Detlef Burhoff schreibt:

    Hallo, mir riecht das schon nach „Promi-Bonus“. Denn
    1. Beschränkung der Strafverfolgung auf die fünf „geblitzten Fälle“.
    2. Moderarte Geldstrafe.
    3. Keine isolierte Sperre nach §§ 69, 69a StGB
    4. Einstellung des wohl auch noch im Raum stehenden Urkundsdelikts nach § 154 Stopp
    5. Und auch nichts zur Einziehung nach § 21 Abs. 3 StVG.
    Wenn man dann noch berücksichtig, dass das alles im Strafbefehlsverfahren – also ohne öffentliche Hauptverhandlung läuft – dann kann man die Frage m.E. nur mit „Ja“ beantworten.

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