Schlau geht anders

Geständnisdrang – Laberdiarrhoe

Ein kluger Mann baut vor und erzählt der Polizei schon mal über sein Leben der letzten zwei Monate, bevor sein Verteidiger erscheint.

Klug, weil er mit den 17 gestandenen Straftaten natürlich sein Gewissen erleichtert hat, nicht ganz so klug, weil er sich damit von einer erträglichen Bewährungsstrafe in den bereich 5 Jahre plus X katapultiert hat.

Aber das Gewissen ist rein!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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4 Antworten zu Schlau geht anders

  1. Theo Koch schreibt:

    Ich finde es okay…wer tatsächlich ein Unrecht begangen hat, sollte hierfür auch entsprechend büßen.

    • RA Ullrich schreibt:

      Wenn jemand mal tatsächlich die Größe hat, sich ganz bewusst zu sagen „Ich habe schweres Unrecht getan, ich will mit meiner kriminellen Vergangenheit abschließen und meine wohlverdienten 10 Jahre absitzen“ dann ist da grundsätzlich nichts dagegen zu sagen. Das ist dann auch keine Dummheit, sondern nur Ehrlichkeit. Die meisten dieser redseligen Zeitgenossen haben diese Entscheidung aber nicht so getroffen, sondern labern einfach drauf los in der Hoffnung, die Justiz milde zu stimmen und irgendwie billig weg zu kommen … und sind dann empört über unser Rechtssystem, wenn sie erfahren, dass sie trotz ihres ehrlichen Geständnisses bzw. richtiger wegen dieses Geständnisses jahrelang in den Knast müssen. Das ist dann wirklich Dummheit. Bevor man bei der Polizei seine Lebensbeichte ablegt, sollte man doch vielleicht einen Anwalt fragen, wie denn die Rechnung für das Sündenregister so in etwa ausfallen würde.

  2. RA Hermann schreibt:

    Darüber muß man aber auch als Verteidiger nicht traurig oder sauer sein. Wenn ein Mandant, ordnungsgemäß belehrt und nicht rechtswidrig unter Druck gesetzt, meint, er müsse seine Sprechblase bei der Polizei entleeren, hat man ihn lediglich darauf hinzuweisen, daß das Geständnis verwertbar ist und ihm deshalb x Jahre Haft drohen.

    Ich bin doch nicht die Mutter meines Mandanten und nicht für dessen Blödheit verantwortlich. Erst heute Morgen sprach ein 69-Jähriger Mandant vor, der in einem offenherzigen Schreiben an die Behörde seine Taten zugegeben und seine Motive offenbart hatte („Es tut mir alles furchtbar leid. Nix für ungut“). Als ich ihm sagte, daß ihm nunmehr eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung drohe, meinte er nur, er wolle in einem Land, in dem man mit der Wahrheit nicht weiterkommme, nicht mehr leben. Wahrheitsliebe ist etwas Schönes, klingt allerdings merkwürdig aus dem Mund desjenigen, der des 50-fachen Betruges angeklagt ist (O-Ton Mandant: „Kleinkram“, „erbsenzählender Staatsanwalt“).

    • deidaw schreibt:

      Der Mandant hat unrecht. Man kommt mit der Wahrheit weiter, sehr viel sogar.
      Er sieht es nur aus der falschen Perspektive:
      Es ist der Staatsanwalt, der weiter kommt, nicht er.

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