Anwälte unter sich

Ein Anwaltsgericht und die Künste des Lesens und des Informierens

Mein Briefkopf, spröde und farblos gestaltet, aber u.a. unsere Öffnungszeiten und die Mailadresse kann jeder lesen, der des Lesens mächtig ist. Auch Anwälte, vor allem, wenn sie Angehörige eines Anwaltsgerichtes sind, auch? Wohl nicht!

In einem sowohl sehr nördlichen als auch sehr östlichen Bundesland terminiert das Anwaltsgericht in einer Sache, in der ich Verteidiger bin, auf den heutigen Donnerstag um 09.30 Uhr.

Am gestrigen Mittwoch, um 13.30 Uhr, sendet man an mein Büro ein Fax und bespricht den Anrufbeantworter, dass der heutige Termin ausfällt, warum, teilt man nicht mit, Mundfaulheit lässt grüßen.

Aber das anwaltsgerichtliche Äuglein mal zu öffnen und auf die Bürozeiten zu schauen, oder auch das anwaltsgerichtliche Öhrchen, weil die Bürozeiten auch vom Anrufbeantworter nochmals dorthinein geflötet werden, das ist dann doch zu aufwendig.

Man wäre ja Gefahr gelaufen, zu erkennen, dass mich diese Nachrichten vielleicht nicht erreichen, weil ab Mittwochmittag keine Bürozeiten mehr sind; und die Idee, auf dem Briefkopf die Mailadresse abzulesen und eine Mail zu schreiben, die mich dann vermutlich frühzeitig erreicht hätte, ist man bestimmt gekommen, aber das ist dann bestimmt an der Faulheit gescheitert.

Denn dass man diese Idee nicht hatte, ist kaum vorstellbar bei Mitgliedern eines Anwaltsgerichtes, der Ansammlung anwaltlicher Hochintelligenz des östlichen Nordens, die sich beim Bier bestimmt immernoch totlachen über den Idioten aus Braunschweig, der extra fast bis zur Ostsee fährt, dort übernachtet und erst eine halbe Stunde vor Beginn des Termins dann erfährt, dass er ausfällt.

Danke Kollegen! Danke auch, dass Ihr nicht einmal mitgeteilt habt, warum der Termin ausgefallen ist.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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11 Antworten zu Anwälte unter sich

  1. T.H., RiAG schreibt:

    Wär’s das Richterdienstgericht gewesen hätte man so neumodisches Zeugs wie ein Fax kaum ausprobiert, und angerufen hätte auch keiner. Reicht doch, wenn man an der Saaltüre am Terminstag nen Zettel hinhängt.

  2. RA HP schreibt:

    Dürften wohl notwendige Auslagen gewesen sein, die Reisekosten. Aber die Zeit ist trotzdem weg.

  3. Nozar schreibt:

    Genau aus solchen Gründen habe ich keinen AB

  4. RA Fleissig schreibt:

    Die „Öffnungszeiten“ sind normalerweise nicht identisch mit den Zeiten, zu denen jemand im Büro ist. Dass bei Ihnen so wenig gearbeitet wird, konnten die Kollegen doch nicht ahnen.

    • rawsiebers schreibt:

      Ich arbeite, wie alle fleissigen Kollegen, natürlich immer, sogar im Schlaf. Aber im Büro bin ich als bundesweit tätiger Quälgeist eher selten. Und mein Personal arbeitet nur während der Öffnungszeiten.

  5. RAREgister schreibt:

    Solche Blindfische, die selbst nicht nachdenken oder keine vernünftigen Anweisungen erteilen können, sollten sofort ihre Posten im Anwaltsgericht zur Verfügung stellen oder, falls das nicht freiwillig geschieht, abgesägt werden.

  6. lawbirdie schreibt:

    Ich muss zugeben, dass ich (einer von diesen nichtsnutzigen hauptberuflichen Richtern)bisher bei kurzfristigen Terminsverlegungen/-aufhebungen eine Nachricht auf dem AB des Anwaltsbüros für grundsätzlich ausreichend gehalten habe, zumal man ABs nach meinem Kenntnisstand auch von unterwegs grundsätzlich abhören kann, und auch im Zeitalter der Smartphones schlicht nicht davon ausgegangen bin, dass den ortsabwesenden Anwalt eine Email regelmäßig früher erreicht (und mich auch auf eines von beiden beschränkt habe, in der offensichtlich irrigen Annahme, meinen guten Willen hinreichend dokumentiert zu haben). Die Idioten, die nicht mal einen AB haben (und auch keine Emailadresse) kann man leider ja gar nicht mehr rechtzeitig informieren (ob man dadurch den Termin erzwingen will, ist mir schleierhaft). Wobei je nach zeitlichem Verlauf der auswärtige Anwalt womöglich schon fast da ist, wenn der Grund für die Terminsaufhebung/-verlegung bekannt ist (ich hab auch schon fröhlich mit Anwälten auf irgendwelchen Bahnhöfen in der Mitte der Strecke telefoniert, weil der Gegenseiten-RA, der Sachverständige und zwei Zeugen gerade telefonisch mitgeteilt hatten bzw. hatten mitteilen lassen, Grippe zu haben und keinesfalls kommen zu können).

    Email habe ich bislang allerdings auch deshalb eher zurückhaltend verwendet, weil der Zugang per Email jedenfalls im Bereich der ordentlichen Gerichtsbarkeit grundsätzlich nicht eröffnet ist (kein Datenschutz gewährleistet; bei der bloßen Angabe von Aktenzeichen und Terminsaufhebung hoffe ich aber, dass das noch in Ordnung ist). Allerdings habe ich leider häufig (wenn auch vor allem in Familien-und Betreuungssachen, weniger in Zivil- und Strafsachen) die Erfahrung gemacht, dass eine harmlose Rückrufbitte per Email auch schon mal dahingehend missverstanden wird, dass das Gericht jetzt doch unter dieser Adresse umfangreiche (und unter Umständen vertrauliche Informationen enthaltende!!!!) Schriftsätze elektronisch entgegen nimmt. Oder dass bestimmte Anwälte, weil man ja jetzt auf so vertrautem Fuß mit mir steht, plötzlich anfangen, lockere Anfragen per Email zu stellen. Und im Übrigen nicht verstehen, dass dann, wenn ich nicht da bin (Krankheit/Urlaub/Heimarbeitstag), die Emailadresse auch nicht abgerufen wird, und der zuständige Richter über Email nicht schneller als herkömmlich zu erreichen ist.

    Dennoch: Ihr Post ist Anlass, das mit der Benachrichtigung per Email noch mal zu überdenken… auch wenn ich nicht finde, dass man jetzt grundsätzlich faxen, auf AB sprechen und per Email benachrichtigen muss, um ja auf Nummer Sicher zu gehen.;)

    • rawsiebers schreibt:

      Stimmt, aber wenn sowohl auf dem Briefkopf als auch auf dem Anrufbeantworter ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass am Mittwoch ab Mittag das Büro nicht mehr besetzt ist, ist der Versuch, mit der Mail die Chance zu vergrößern, dass den Anwalt die Information erreicht, wohl wahrlich nicht zuviel verlangt. Und ein kurzer Hinweis, warum ein termin aufgehoben wurde, gehört auch zum Grundsatz des fairen Verfahrens.

      • lawbirdie schreibt:

        Hum: zumutbare Anstrengungen des Gerichts? Einerseits bin ich geneigt, Ihnen zuzustimmen, zumal eine Email ja idR schnell getippt ist … andererseits drängt sich dem Teufelchen in mir angesichts der Erwartungshaltung aber auch die Frage auf, warum ich mehr arbeiten und u. U. eine neue Kommunikationsmöglichkeit offenbaren soll (mit der Gefahr einer anschließenden – ähnlich lästigen – (Dauer-)Nutzung wie nach Herausgabe der Durchwahl), weil Sie am Mittwochnachmittag Personal einsparen und letztlich eine bestimmte Form von Kommunikation erzwingen wollen, die so vom Gesetz bislang nicht vorgesehen ist… Nicht böse sein: Letztlich ist der pragmatischen Lösung auch aus (Amts-)Richtersicht immer der Vorzug zu geben.;)

        Angabe des Grundes auch bei der fernmündlichen Absage vorab? Schöner wär’s sicherlich. Bei Email könnte es allerdings schon fast wieder Probleme mit dem Datenschutz geben. Zudem kommt es darauf an, was Sie bei der Information via Fernkommunikationsmittel (jedenfalls vorab) wollen: möchten Sie überprüfen, ob das Gericht den Termin zu Recht verlegt/aufgehoben hat, vielleicht mit d. Vorsitzenden diskutieren (haben Sie Erbarmen, was dessen Zeitplan für Anrufe anbelangt, vielleicht ist er/sie auch nur ein armes Schwein mit über 400 oder mehr laufenden Sachen im Dezernat) oder möchten Sie schlicht nicht unnötig fahren? Wenn letzteres im Vordergrund steht, sollte auch kein Ärger über die unterlassene Angabe entstehen. Zumindest dann, wenn in der Papierverfügung, die per Post ein paar Tage nach dem Termin eingeht, der Grund ordentlich genannt wird, kann ja dann ggf. noch ein unaufschiebbarer Antrag gestellt werden…;) BTW: bei uns isses so, dass dann, wenn ein Richter die Verfügung macht, natürlich auch der Grund angegeben wird, und zwar auch per Fax oder Anruf; wenn allerdings eben dieser Richter unverhofft kurzfristig erkrankt, kann es auch passieren, dass die Geschäftsstelle selbst nach Absprache mit dem kranken Richter ablädt, um möglichst viele Leute vor dem Sitzungstag noch zu erwischen. Dann kann es auch passieren, dass die Angabe des Grundes unterbleibt, ohne dass eine böse Absicht dahintersteckt.

        Jedenfalls bei „normalen“ Gerichtsterminen bitte ich außerdem noch Folgendes im Hinblick auf Zumutbarkeit zu bedenken: Zumindest, wenn bei einem normalen Amtsrichtersitzungstag die Geschäftsstelle bei 7 – 12 Sachen auf der Rolle nur begrenzt Zeit hat, um bis zu 24 Anwälte und womöglich zusätzlich etliche Zeugen oder sonstige Beteiligte zu informieren, kann es, gerade, wenn sonst noch eilige Sachen reinkommen, leider auch durchaus ohne bösen Willen passieren, dass entweder die Sorgfalt oder die Bereitschaft zur Prüfung, welche Kommunikationswege jeder eröffnet hat, sinkt. Dann kriegt schließlich jeder denselben Anruf. Wenn überhaupt. Und eine Email dauert länger als ein Anruf. Bei einer isses egal, aber bei 20 oder 30 wirkt sich das aus. Auch kein Grund, ich weiß. Aber vielleicht Anlass für Verständnis?

  7. RA Bimmel schreibt:

    Manchmal klappt’s eben nicht mit der rechtzeitigen Unterrichtung. Dann geben Sie doch auf dem Briefkopf auch ihre Handy-Nr an, dann kann sie die Geschäftstellendame auch per WhatsApp erreichen: „Ey Siebers, Termin fällt aus, *ROFL* !“

    Als ich kürzlich 1,5 Tage vor dem Termin den Richter ablehnen mußte und sich anschließend der Gegenanwalt furchtbar über die Terminsverlegung aufregte, weil er schon fast vor Ort gewesen sei, konnte ich auch nicht ahnen, daß man für schlappe 300 km schon 36 Stunden vorher losfährt, sonst hätte ich den Kollegen doch glatt über den Ablehnungsantrag und eine mögliche Terminsverschiebung informiert.

  8. Non Nomen schreibt:

    Das abgebildete Stück Hirnholz ist trefflich gewählt, wie ich finde. Ob jedoch zum Richteramt befähigte Volljuristen damit etwas anfangen können?

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