Willst Du mich heiraten?

Verlobung im Gerichtssaal

Der Vorsitzende konnte es der Zeugin sehr gut erklären:

Die Verlobung ist das Versprechen, eine Person zu heiraten, das heißt, eine Übereinkunft zwischen zwei Personen, dass sie in der Zukunft eine Ehe oder Lebenspartnerschaft eingehen. Und, so wies er darauf hin, das muss auch ernsthaft sein, woran man Zweifel haben könne, wenn die Zeugin sagt, mit dem Angeklagten schon vor mehr als zehn Jahren besprochen zu haben, zu heiraten, ohne dass man bisher das Versprechen eingelöst habe.

Daraufhin dreht sich die Zeugin zum Angeklagten und fragt ihn: Karl-Günther, willst Du mich heiraten? Der mit dahinschmelzender Stimme: Ja, ich will, Heidetrude.

Gut, dass es noch eine andere rechtliche Möglichkeit gab, nach der es verhindert werden konnte, dass man sich die Zeugenaussage antun musste, denn die rechtliche Bewertung dieser gerichtlich verlobenden Fastheirat wäre sicher spannend geworden.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Willst Du mich heiraten?

  1. T.H., RiAG schreibt:

    Fristen sind in der Tat nicht vorgesehen, aber in Anbetracht der höchst unromantischen Umstände wäre die Diskussion über die Ernsthaftigkeit des Verlöbnisses sicher interessant geworden. Oftmals verschafft sich eine Dame, die ihrem nicht angetrauten oder wenigstens anverlobten Liebsten einen Gefallen tun will, spätestens in der polizeilichen Vernehmung den § 55, weil die Angaben meistens so offensichtlich blödsinnig sind, dass man nun wirklich gar nicht mehr am Verdacht der versuchten Strafvereitelung vorbei kommt. Kommt die Liebste aber als nicht ganz so einfach zu überführende Schwindelzeugin in Betracht, sollte man als Angeklagter bis zur Rechtskraft von Seitensprüngen, Puffbesuchen usw. absehen und schon gar nicht die Beziehung beenden. Ich hatte mal einen, dem man aller Wahrscheinlichkeit wenig bis gar nichts hätte nachweisen können, hätte er nicht drei Tage vor der HV die Beziehung per SMS und dazu noch mit reichlich uncharmanten Bemerkungen zum Aussehen der Ex beendet. Die Dame war dann sauer und hat ihn hochgehen lassen wie eine Sylvesterrakete….

    Ob sie zwischenzeitlich mit dem Sitzungsvertreter der StA, der sein Glück kaum fassen konnte, verheiratet ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis… 😉

  2. Pingback: Wochenspiegel für die 41 KW., das waren frische Schlüpfer in der JVA, ESO, der Deal und die Scheidungswaise Haustier - Strafrecht Blog

  3. Hermann schreibt:

    Ich habe die Anekdote hier glaub‘ ich schon einmal zum Besten gegeben, aber weil die Situation so schön war:

    Zeugin: „Ich verweigere die Aussage, ich bin mit dem Angeklagten verlobt.“
    Vorsitzender: „Ich denke, Sie kennen sich erst seit sechs Wochen, weshalb wollen Sie denn schon heiraten?“
    Zeugin: „Wieso heiraten?“
    Vorsitzender: „Sie sagten doch, Sie sind verlobt?“
    Zeugin: „Hat doch mit Heiraten nix zu tun.“
    Vorsitzender: (stöhn) „Beschlossen und verkündet: Die Zeugin muß aussagen.“
    Zeugin: „????“

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