Blockwartmentalität? Futterneid?

Nein, einfach nur immer im Dienst

Pausen während Hauptverhandlungen in Strafsachen sind normalerweise dafür gedacht, dass sich die Prozessbeteiligten erholen, aber der eine oder andere Staatsdiener arbeitet immer, auch in der Erholungspause.

So heute im Landgericht Magdeburg Herr Staatsanwalt Armin Gebauer, Sitzungsvertreter in einer umfangreichen Wirtschaftsstrafsache, in der ich einen der Angeklagten verteidige.

Im Laufe dieses schönen Tages wurde mein PKW irgendwann auf einem Parkplatz abgestellt, von dem der Herr Staatsanwalt meinte, dass keine Berechtigung besteht, dass mein Fahrzeug dort abgestellt war.

Nachdem mir von freundlichen Mitarbeitern des Landgerichts und einem Richter (nicht am Verfahren beteiligt) – schon feixend ob des Geschehens – mitgeteilt wurde, dass sich der Herr Staatsanwalt in der Mittagspause auffällig um mein Fahrzeug kümmert, habe ich das Fahrzeug umgesetzt, weil es mir u.a. unangenehm war, dass der Herr Staatsanwalt das Fahrzeug betatscht hat und mit einem Kuli auf einem Zettel gemalt hat, den er auf mein Fahrzeug gelegt hatte.

Nun, so kündigte er an, werde er dafür sorgen, dass gegen den Fahrer ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wird. Ich finde es ausgesprochen angenehm, zu sehen, dass Staatsdiener ihren „originären“ Aufgaben auch während laufender Erholungspausen nachkommen.

Immer im Dienst, die Politessen Staatsanwälte.

Dass man eine Körperbehinderung von 80% als lächerlich ansieht, wird er vielleicht irgendwann einmal anders sehen, solche Äußerungen im Gerichtssaal mir gegenüber nehme ich so ernst, wie die jeweilige Person, die meint, solche Äußerungen rausrotzen zu müssen.

Politesse

Und, die Geschichte geht weiter. Am zweiten Verhandlungstag wird um Aufmerksamtkeit gerungen, weil ich keinen weißen Schlips, noch schlimmer, gar keinen Schlipps trage.

Und ich dachte, pro Verhandlungstag ein Knaller, nein, es geht schneller. Lange vor dem dritten Verhandlungstag jetzt eine Kammerbeschwerde des Herrn Staatsanwalt Gebauer gegen mich.

Spannend!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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12 Antworten zu Blockwartmentalität? Futterneid?

  1. Adoptivkind schreibt:

    So einen haben wir hier auch, den nennen alle nur den Hilfssheriff…

  2. rawsiebers schreibt:

    Hm, Hilfssheriff von Magdeburg, mir gefällts nicht, anderen aber bestimmt, kann man sich so schön merken.

  3. rawsiebers schreibt:

    So habe nicht nur ich es verstanden, aber es sei ihm verziehen, er war möglicherweise bereits wieder so mit der Verfolgung von angeblichen Ordnungswidrigkeiten beschäftigt, dass er bei der Kontrolle seines Wortschatzes überfordert war.

  4. rawsiebers schreibt:

    Ich wollte ihm auch mein erheblich geschädigtes Bein schenken, er wollte es nicht annehmen.

  5. rawsiebers schreibt:

    Besonders lächerlich fand er, dass ich als Schwerbehinderter (80%) aus einem SPORTWAGEN aussteige, L Ä C H E R L I C H!!!

  6. ZV-Ratgeber schreibt:

    Hm, dann hat der Gute noch nie etwas von Allessandro Zanardi gehört/gelesen/gesehen. Und ich denke mal Zanardis Renner sind noch eine Ecke schneller 😉
    Gut zu Wissen, dass der Wagen wieder betankt ist, hehe.
    Aber mittlerweile wird vor Gericht eh mit allen Mitteln gekämpft, warum also nicht auch den Prozessbevollmächtigten der anderen Partei ein wenig ärgern… Sie sollten ihn ein wenig Gummi schnuppern lassen, nach der Verhandlung 😉

  7. Starwalker schreibt:

    Na gut, der Blogger bestimmt, was gebloggt wird. Schade nur, wenn Wesentliches vergessen wird: Ohne Berechtigung auf dem Behindertenparkplatz vor dem Magdeburger Landgericht zu parken ist nunmal ordnungswidrig (die Schwerbehinderung allein genügt bekanntermaßen nicht – leider mag man sagen, doch es ist in Deutschland halt so, daß man hierfür ein Merkzeichen im Ausweis [und die das belegende Berechtigungskarte im Auto benötigt]). Daß man das unter Kollegen anders regeln kann als geschehen und dabei stets den rechten Ton treffen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

  8. Franz schreibt:

    Vergisst der Kollege doch glatt zu erwähnen, dass er ohne Berechtigung auf einem Schwerbehindertenparkplatz parkt. Warum wurde dieses Detail bloß unterschlagen?

    Echt fies dieser ,,Blockwart“…

  9. Felix von der Pfalz schreibt:

    Und kann es sein, daß der Staatsanwalt gar nicht wußte, es mit dem Aston Martin des Rechtsanwaltes Siebers zu tun zu haben, als er „zur Tat schritt“. Vielleicht ist er davon ausgegangen, es sei das Auto des in der umfangreichen Wirtschaftsstrafsache zu Verteigenden, das da seit etlichen Stunden auf dem Behindertenparkplatz steht, bevor er Ihre eigens hingelegte Parkscheibe, unnütz, weil keine Parkzeit vorgeschrieben, aber blau wie die Schwerbehindertenparkkarte vorfand? Ach Herr Siebers, bloggen kann lehrreich, hilfreich, lustig sein. Aber in in der Form, wie von Ihnen beschrieben, ist es nichts von alledem. Unangenehm.

  10. rawsiebers schreibt:

    Min Gott, wie peinlich Sie alle sind! Ich verwette meinen Aston Martin, meinen Porsche Cayenne, meinen A7, meinen TT, meinen MX5 und meinen Mii, dass kein Schwein, auch kein Hilfssheriff, jemals auf die Idee gekommen wäre, sich darum zu kümmern, ob ein Fahrzeug auf einem angeblich falschen Platz steht, wenn es sich um einen Golf, Astra, Mondeo oder was auch immer gehandelt hätte. Aber Aston Martin, da muss die Staatsgewalt natürlich zuschlagen! Bigottes Gelabere!

    • Franz schreibt:

      ,,Alle peinlich … außer mir.

      Nur ich mit meinem Auto bekomme Strafmandate… alle neidisch! Mit dem offensichtlichen und recht asozialen Verstoss hat das natürlich nicht zu tun.“
      rawsiebers, nachdem er den Behindertenparkplatz ohen Berechtigung in Anspruch nahm.

      Korrekte Zusammenfassung?

  11. Alan Shore schreibt:

    Landgericht Magdeburg? Da fallen mir spontan zwei eigene Erlebnisse ein:

    1. Der VRiLG, der einen Terminsaufhebungsantrag wegen eines kollidierenden Arbeitsgerichtstermins mit der Begründung ablehnte, das Landgericht sei gegenüber dem Arbeitsgericht das „höhere“ Gericht.

    2. Der Mandant, der zur Hauptverhandlung wegen Abgabe einer falschen Versicherung an Eides Statt („Offenbarungseid“) mit einem Porsche vorgefahren kam und dabei fast den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft überfuhr.

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