Amateur-Verteidiger

Es geht nicht um Fußball

Nein, es geht nicht um die Verteidiger vom HSV oder anderen Bezirksligaanwärtern, es geht um knallharte Strafverteidigung vor Gerichten bis hin zum BGH.

In den letzten Tagen macht ein Beispiel die Runde, wonach ein Mechatroniker als Strafverteidiger aufgetreten ist. Auszugsweise aus dem Merkur:

Gegenüber dem Merkur erläutert der Gilchinger, warum er gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hat. „Ich bin unschuldig“, betont er. Seiner Ansicht nach ist es offensichtlich, „dass hier von Seiten der Polizei lediglich die Begriffe Strafverteidiger und Rechtsanwalt verwechselt wurden“. Er erläutert auch, warum er immer wieder als Strafverteidiger tätig werde: Es gebe Bürger, die sich keinen professionellen Rechtsbeistand leisten könnten. In solchen Fälle springe er ein.

Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist. Ich erlebe tagtäglich bundesweit bei diversen Gerichten, wie sich vom Straf- und Strafprozessrecht völlig unbeleckte Personen als Verteidiger versuchen und ausgeben, den Mandanten erkennbar erheblich schaden und sich dabei sogar noch eine Robe anziehen – und keinen interessiert es!

Neulich zum Beispiel, beim Amtsgericht Posemuckel, neben mir genau solch ein Scharlatan. Er war nicht einmal Mechatroniker, sondern nur Fachanwalt für Erbrecht ….

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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8 Antworten zu Amateur-Verteidiger

  1. südlurker schreibt:

    Haben Sie auch schon mal, wie im Beitrag geschildert, einen Nichtanwalt als Strafverteidiger erlebt?

    • RA W. Kantholz Siebers schreibt:

      ja

      • Es war ein Hochschulprofessor, Jurist, und in seiner theoretisierenden Weitschweifigkeit an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Und Steuerberater in Steuerstrafverfahren. Mechatroniker hatte ich noch nicht. Aber Fachanwälte für Sozialrecht, Erbrecht, Familienrecht, KeineAhnungRecht usw.

  2. Lore schreibt:

    Vielleicht lassen sich der strafverteidigende Mechatroniker und der Fachanwalt für Erbrecht auch die Bauchschmerzen vom Zahnarzt behandeln – Arzt ist schließlich Arzt.
    Aber warum interessiert keinen, wenn sich Ahnungslose eine Robe anziehen und im Strafrecht versuchen?
    Warum greifen denn da die Kammern nicht ein?
    Bei den Heilberufen wäre so etwas nicht denkbar, man würde sich strafbar machen.

  3. Martin Overath schreibt:

    Man sollte hier natürlich nicht die Schöffin vergessen, die z.B. als kinderreiche Nebenerwerbslandwirtin nach kurzzeitigem umfangreichen Selbstleseverfahren von fünfstelligen DIN-A-4-Seiten zur Derivatenexpertin wurde und zur tat- und schuldangemessenen Freiheitsstrafe für Herrn Hoeneß Ulrich beigetragen hat.

  4. Alan Shore schreibt:

    Ich bin der Überzeugung, die meisten Strafrichter glauben, daß man auch ohne Staatsanwalt und Verteidiger, diese Laienfußtruppen, zum gleichen Ergebnis gelangt wäre. Man ist ja schließlich ein wandelnder § 244 Abs. 2 StPO.

  5. schneidermeister schreibt:

    @Martin Overrath: Abgesehen davon, dass Sie vermutlich nicht im geringsten über die Qualifikationen der Schöffen im Hoeneß-Verfahren informiert sind und ein neandertalerartiges Frauenbild haben, außerdem nicht zu wissen scheinen, wozu es Laienbeteiligung gibt, passiert es bei Wirtschaftsstrafkammern tagtäglich, dass Schöffen mit urteilen, ebenso wie sie bei anderen Strafkammern z.B. über eine Unterbringung in der Psychiatrie mit entscheiden, ohne (ebenso wie die Berufsrichter) einen Facharzttitel zu haben.

    • Martin Overath schreibt:

      Nach über neun Jahren Hauptschöffe (als Symbol der Volksbeteiligung an der Strafrechtspflege) habe ich mich schon gewundert, wie Frau Schöffin Merk (nicht die ehemalige Justizministerin) sich – vor der Kommunalwahl, die sie erfolgreich bestanden hat – in der Zeitung geäußert hat. Ob sie beim Schnellgericht in Sachen Derivatebesteuerung ebenso erfolgreich beitragen konnte, kann man bezweifeln. – Bei Unterbringungsentscheidungen wird vorab ein Gutachter gehört.

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