Schlaft Ihr?

DSC00053 Konservativ, und dann?

Konservativ, zurückhaltend, gesetzt, „old school“, fein – so sollte wohl nach eigenem Empfinden vieler Anwälte das Auftreten sein.

Ok, jeder, wie er meint, aber muss man diese Einstellung wirklich auf seine Arbeit übertragen, technischem Fortschritt mit naserümpfender Arroganz und Abneigung begegnen?

Muss man weiter modernen Übertragungstechniken mit ängstlicher Skepsis gegenüberstehen und Geld zum Fenster hinauswerfen?

Vorab per Fax – warum nicht nur per Fax?

E-Mail, Herr Kollege, darauf antworte ich gar nicht! – Warum nicht?

Cloud-Technik niemals! – Schlaf weiter auf Deinen Leitz-Ordnern

Papierloses Büro – ich muss blättern können – blätter weiter!

Merkt Ihr eigentlich nicht, liebe Kollegen, dass Ihr so weit hinterherlauft, dass nicht nur der Abstand zum Hauptfeld (und natürlich zur Spitze umso mehr) kontinuierlich größer wird, sondern dass viele Mandanten Euch bereits wegen des zu großen Abstandes disqualifizieren?

Und warum muss ich mich eigentlich weiter von Euch quälen lassen mit Eurem nachgesendetem Papierscheiß, für den ihr überteuertes Porto ausgegeben habt, obwohl Euer Fax oder Eure Mail „vorab“ längst archiviert, gelesen und beantwortet ist?

Dieses „per Post hinterher“ wird ungelesen geschreddert, kapiert? Und dass man EBs per Fax versenden darf, steht sogar im Gesetz!

Frohe Ostern!

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Schlaft Ihr?

  1. RA Will schreibt:

    Sehr schön auch: vorab in zweifacher Ausfertigung gefaxt und dann per Post hinterher…

  2. RA de Berger schreibt:

    1. Ich blättere tatsächlich lieber. Ist halt eine persönliche Vorliebe und aus meiner Sicht auch schneller und übersichtlicher, wenn man die Akte kennt. Weshalb so intolerant? Sie können ja gerne auf Ihrem iPad (Senioren-iphone) rumwischen.

    2. Nur per Fax: darauf kann man sich einigen. Kollegen wie Ihnen schicke ich aber gerne noch das Original hinterher, damit Sie etwas zum Schreddern und Aufregen haben.

    3. E-Mail? Gerne, wenn vorher schon eine „ordentliche“ Kontaktaufnahme erfolgt ist. Aber doch nicht, wenn irgendein Hansel, womöglich noch mit der E-Mail-Adresse seiner ReNo oder irgendeinem gmx-Kürzel, mir irgendetwas ins Postfach rotzt, das noch nicht einmal ordentlich formatiert ist (Irgendein OpenOffice-Anhang, der beim Öffnen und Ausdrucken aussieht wie hingeschissen). Der Kollege soll sich erst einmal ordnungsgemäß legitimieren. Bei mir wandert auch etwas in den digitalen Schredder, nämlich E-Mails von angeblichen Anwälten, die hinsichtlich Herkunft und Legitimation null oder nur mit Aufwand überprüfbar sind.

    Im übrigen verleitet E-Mail auch zu einer Lässigkeit, die zu rechtswidrigen Vorgehen verführen kann. Neulich erfuhr ich nur zufällig von einer E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Kammervorsitzenden und dem gerichtlich bestellten psychiatrischen Sachverständigen, die sich nicht in der Akte befand. Nach einigem Trara konnte ich die beiden dazu bewegen, ihre E-Mail-Korrespondenz – hoffentlich vollständig? – aktenkundig zu machen. Der Inhalt war auf dem Niveau eines SMS-Chats zwischen Schülern, einschließlich Smilies. Fehlte nur noch, daß der Angeklagte mit den Kommentaren ROFL und LOL belegt wurde. Unmögliche Umgangsformen, voll an jedem Anstand und der StPO vorbei.

    E-Mail gerne einmal für eine Kurzmitteilung, aber immer schön ausdrucken und in die Akte damit. Für eine ordentliche außergerichtliche oder prozeßordnungsgemäße Kommunikation völlig ungeeignet. Aber wo wir schon dabei sind: warum nicht künftig per SMS, twitter, Facebook oder irgend’nem anderen Dienst rechtlich kommunizieren? Ist doch modern, alles andere so konservativ. E-Mail? Opa-Technik aus dem vorigen Jahrhundert, Herr Kollege. Damit sind Sie bestimmt nicht an der Spitze, sondern old school. Wenn ich Sie an-„whatsapp“-e, erwarte ich prompte Antwort; und wenn Sie nicht Kunde bei dem Dienst bin, den ich bevorzuge, halte ich Sie für total konservativ und fortschrittsfeindlich. Aber ich nehme an, Sie sind der Ansicht, jeder müsse über die Technik verfügen, über die Sie verfügen, wer aber Technik einsetzt, die Sie noch nicht haben, bewegt sich außerhalb der üblichen Kommunikationsformen und darf ignoriert werden?

    Wer setzt denn in Anbetracht der inzwischen unendlich vielen Möglichkeiten, digital zu kommunizieren und zu arbeiten die Maßstäbe? Sie?

    4. Sie können Ihre Daten und die Daten Ihrer Mandanten in so vielen Clouds speichern, wie sie möchten. Ob das datenschutzrechtlich unbedenklich ist, halte ich für zweifelhaft. Ich halte das nicht für fortschrittlich, sondern für leichtfertig.

  3. A. schreibt:

    Höflichkeit und Toleranz sind ebenfalls gerne gesehene Eigenschaften, die sich leider nicht bei jedem Kollegen auf die Arbeit übertragen. Mitbürgern, die sich vehement gegen Veränderungen wehren, haben wir übrigens auch zu verdanken, dass Anredepronomen der 2. Person Singular bei Verwendung zur direkten Ansprache weiterhin groß geschrieben werden dürfen.

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