Muss das sein?

Marketingvorteil aus Tötung von Kollegen und Mitarbeitern?

Ein tragischer, bedrückender Vorfall: das Amok-Drama von Düsseldorf und Erkrath.

Und jetzt ein Rechtsanwalt, der über Inhalte aus dem Mandatsverhältnis mit dem Amokläufer plaudert und in diesem Zusammenhang nicht vergisst, auch noch seine ritterliche Einstellung seiner Frau und einem Schrank gegenüber plakativ herauszustellen.

Dann wandte sich T. an den Erkrather Anwalt Guido W. – er sollte wiederum seine Düsseldorfer Kollegen verklagen.

und

Heute weiß der Anwalt, dass er um ein Haar selbst getötet worden wäre: „Ich habe überlebt, weil ich meiner Frau helfen wollte.“ Die hatte nämlich versucht, einen Schrank aufzubauen, dabei Schrauben verkantet. W. fuhr nach Hause, um zu helfen. In dieser Zeit kam der Killer …

Muss das sein, und, darf das sein?

Genehmigt hat der Amokläufer sicher nicht, zu offenbaren, dass ein Mandatsverhältnis bestand oder in der Anbahnung war.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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7 Antworten zu Muss das sein?

  1. Miraculix schreibt:

    Grundrechte verwirken nicht, unter keinen Umständen!

    Der Anwalt hat vermutlich unter dem Eindruck des Schocks
    dahergeplaudert. Saudämlich, aber verurteilen möchte ich
    Ihn deswegen nicht.

  2. RA Taubenus schreibt:

    Unsinn. Wenn ein Mandant in meiner Kanzlei mittels Pistole und Messer Aufräummaßnahmen durchführt, habe ich jedes Recht zu sagen, daß er mein saudämlicher Mandant war, ich ihn für einen Vollidioten und Mörder halte und auf „lebenslang“+“besondere Schwere der Schuld“ hoffe. Die Verschwiegenheitspflicht bezieht sich übrigens nur auf Geheimnisse, nicht auf das Offensichtliche oder bereits Bekannte. Der Täter selbst hat ja offenbar die Hintergründe seines „Besuchs“ offenbart.

  3. RA Mohr schreibt:

    Als „Zivilist“ wundere ich mich immer wieder, auf welche Ideen die Kollegen der strafverteidigegenden Zunft so kommen. Da stürmt ein Mdt (oder Ex-Mdt) eine Kanzlei, schießt völlig wahllos um sich und tötet dabei die ReNo. Der dazugehörige Anwalt entkommt diesem Amoklauf nur durch den glücklichen Zufall, dass er gar nicht vor Ort war. Der Täter hat zuvor bereits auf zwei andere Personen in einer anderen Kanzlei geschossen; beide versterben ebenfalls. Und Ihre Sorge gilt ernsthaft der anwaltlichen Schweigepflicht des glücklich entkommenen Anwalt? „Genehmigt hat der Amokläufer sicher nicht, zu offenbaren, dass ein Mandatsverhältnis bestand oder in der Anbahnung war. „.
    Vielleicht kann man einen Amoklauf, der ja ohne glücklichen Zufall auch den Anwalt getroffen hätte, nach dem objektiven Empfängerhorizont und unter Berücksichtigung von Treu und Glauben, der Verkehrssitte und der üblichen Gepflogenheiten bei Amokläufen als konkludenten Verzicht auf die anwaltliche Verschwiegenheit auslegen? Aber vielleicht endet auch jedes Treueverhältnis, geschrieben oder ungeschrieben, automatisch, wenn der eine den anderen abknallen will. Per defitionem, sozusagen. 🙂

  4. rawsiebers schreibt:

    Schöne Einstellung, die „Zivilisten“ zur Unschuldsvermutung haben und schon früher als ein Staatsanwalt wissen, wann welcher Beschuldigter was warum getan hat. Und die anwaltliche Verschwiegenheitsverpflichtung gilt natürlich auch gegenüber dem Mandanten oder ehemaligen Mandanten, der einem angeblich Böses will. Jedenfalls für Labereien mit Express und RTL; im Rahmen der Ermittlungen für Aussagen gegenüber Polizei, Staatsanwaltschaften oder Gerichten mag das bei solch einer besonderen Konstellation eingeschränkt sein, GANZ SICHER NICHT gegenüber solchen Revolverjournalisten.

    • alter Jakob schreibt:

      Der erste, der hier „Amokläufer“ ohne „mutmaßlich“ geschrieben hat, war dann doch wohl ein Herr Siebers. Und „Amokläufer“ impliziert so einiges der Vorverurteilungen, die dem „Zivilisten“ angelastet wird.

      Und man hat ebenfalls im Eintrag gleich die Vermutung als Tatsache beschrieben, dass die Schrankgeschichte vornehmlich aus Marketinggründen erzählt wurde (anders lassen sich die Schlagworte „Marketingvorteil“ und „ritterliche Einstellung“ nicht interpretieren) und nicht weil es schlicht die Wahrheit ist. Die Beweggründe des Anwalts für das Interview kann vor dem bisher bekannten Sachverhalt auch Herr Siebers jedenfalls nur vermuten.

      Dass der Anwalt das mögliche Mandatsverhältnis besser nicht erwähnt hätte und natürlich dass man grundsätzlich nicht mit Schmierenblätterjournalisten redet (was ich übrigens auch finde, also dass man nicht mit denen reden sollte) hätte man jedenfalls auch ohne vorverurteilende Schuldzuweisungen erzählen können. Interessant ist aber, dass sich in Details die Berichterstattung in diesem Blog und im Boulevard dann manchmal doch ähneln (hier die reißerische und vorverurteilende Überschrift z.B.; die natürlich nur eine „Frage“ sein soll…). Aber vielleicht ist der Blog ja gerade wegen der manchmal unsachlicheren Aufmachung der Einträge unterhaltsam…

  5. Miraculix schreibt:

    Eigenes Fehlverhalten mit dem vorherigen Fehlverhalten eines anderen zu legitimieren ist – nein, mir fällt kein Wort ein das ich öffentlich verwenden würde.

  6. schneidermeister schreibt:

    Huuuuh, da wartet jetzt sicher in Erkrath ein gerade noch mit dem Leben davon gekommener Rechtsanwalt, dessen ReNo zu Klump verbrannt ist und dessen im Rollstuhl sitzender Kollege einen Bauchschuss abbekommen hat, bibbernd auf den Strafantrag des mutmaßlich gemordet habenden mutmaßlichen (Ex)Mandanten und auf das berufsgerichtliche Verfahren.

    Muss das sein, auch wenn man sich „Kantholz“ nennen lässt, bei einer solchen Situation seinerseits amokzubloggen und sich über einen lächerlichen (außer einer eventuellen Anbahnung wurde nichts besonders Geheimes verraten) mutmaßlichen (!) Verstoß gegen die Schweigepflicht zu ereifern?

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