Echauffierte DEVK

Hinhalten? Wir doch nicht?

Schadensfall am 11.12.2013. Der geschädigte Mandant erhält am 23.12.2013 ein Schreiben der DEVK mit dem Text:

Die Haftung in diesem Schadenfall ist geklärt. Wir werden den unfallbedingten Schaden regulieren.

Am 29.01.2014 schreibt der Laden dann süffisant dem verkasperten Mandanten:

In der Sache selbst haben wir zur Klärung der Haftungsfrage Einsicht in die polizeilichen Ermittlungsunterlagen beantragt.

Am 04.02.2014 teile ich mit, dass mein Mandant diese Hinhaltetaktik nicht mehr akzeptiert.

Am selben Tage reagiert der Laden unverständlich angepinkelt:

Den Vorwurf, Ihre Mandantschaft „hinzuhalten“ weisen wir auf das Entschiedenste zurück.

Ich halte den Vorwurf auf das Oberentschiedenste aufrecht und werde dem Mandanten dringend zur Klage raten.

Schöner Laden.

Sieht so eine Staatsanwaltin aus?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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4 Antworten zu Echauffierte DEVK

  1. RA JM schreibt:

    Besonders schön, wenn die DEVK mit ihrer – durchaus nicht unüblichen – Hinhaltetaktik Klagen provoziert, für die dann die DEVK-Rechtsschutz Deckung gewähren muss – und zugegebenermaßen auch gewährt.

    Noch schöner, wenn die DEVK dann zwar zahlt, im Rahmen der weiteren Schadensregulierung mit unsinnigen Argumenten aber gleich die nächste Klage provoziert. 😉

  2. RA Tenenbaum schreibt:

    Es gibt da eine schöne Entscheidung des OLG München aus dem Jahr 2010, in der der Senat unter Auswertung der gesamten Rechtsprechung zu dem Thema darlegt, weshalb ein Schaden heutzutage binnen 2-4 Wochen reguliert sein muß und spätestens nach diesem Zeitpunkt ohne weiteres Verzug und Klageveranlassung eintritt. Die Entscheidung muß man nur übersenden, verbunden mit ein paar weiteren OLG-Entscheidungen, wonach zögerliches Regulierungsverhalten den Schmerzensgeldanspruch erhöht. Dann geht es meistens recht schnell.

    Von der DEVK kenne ich das aber gar nicht. Die habe ich bislang als eine der besseren Versicherungen wahrgenommen .

  3. RA JM schreibt:

    Richtig, Beschluss 10 W 1789/10 vom 29.o7.2010.

  4. RA Tatouille schreibt:

    @kj

    Also gegen so eine Versicherung aus dem äußersten Norden Bayerns (Südthüringen?) ist die DEVK Gold. Großzügige Regulierungen habe ich allerdings noch bei keiner Kfz-Haftpflichtversicherung erlebt, bestenfalls eine schnelle, aber unvollständige Regulierung.

    Der beste Satz in jedem Regulierungsschreiben (nach 5 erfolglosen Fristsetzungen): „Wir befinden uns nicht im Verzug und zahlen daher auch keine Verzugszinsen.“ Ob Versicherungen sich in Verzug befinden, entscheiden sie gerne selbst.

    Wenn Versicherungen Monate nach einer glasklaren Sachlage (Betrunkener fährt Kind auf Bürgersteig an, o.ä.) ein paar hundert Euro herausrücken, wird man wohl ohne weiteres von einem „lächerlich geringen Betrag“ im Sinne der Rechtsprechung (so einmal treffend das OLG Frankfurt) ausgehen können, der als „Strafe“ eine Erhöhung des Schmerzensgeld rechtfertigt.

    Immer wieder bin ich auch fassungslos über manche versicherungsfreundlichen Ansichten von Gerichten und Staatsanwaltschaften. Beispiel: Junger Mann überfährt in Innenstadt mit überhöhter Geschwindigkeit 90-Jährigen, der die Straße an vorgesehener Stelle überquert. Gericht und StA: Unfall unvermeidbar, der 90-Jährige hatte auf der Straße nicht zu suchen, zumal mit dunklen Klamotten. Kann ich keinem normalen Bürger erklären.

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