Die Heulsuse der Nation

Wenn die Tränen laufen

Es war einmal ein starker Mann. Er konnte arrogant sein wie kein Zweiter. Er konnte beleidigen, zynisch sein und großspurig bis zur Unerträglichkeit.

Er konnte zocken und Steuern hinterziehen, er war ein Macher, ein Alpha-Tier.

Und jetzt: Er heult, er flennt, er versinkt im Selbstmitleid, er versteht überhaupt nicht, dass der böse Staat überprüfen will, ob er alles richtig gemacht hat.

Ja, ich halte die Unschuldsvermutung für ein wichtiges Standbein unserer Strafjustiz; ja, ich trete dafür ein, dass jeder, unabhängig davon, was er getan hat, einen fairen Prozess bekommt.

Aber ich verachte unterirdisches Schmierentheater, in dem ein angeblich so starker Mann, der offiziell zugegeben hat, hohe Summen an Steuern hinterzogen zu haben, plötzlich heulend das arme Opfer gibt, das hilflos in den Arm genommen werden möchte.

Ähnlichkeiten mit lebenden Bayern sind zufällig und nicht gewollt.

Sieht so eine Staatsanwaltin aus?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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10 Antworten zu Die Heulsuse der Nation

  1. Sieben Euro schreibt:

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich sehe das auch so.

  2. Rasti schreibt:

    „Er heult, er flennt, er versinkt im Selbstmitleid, er versteht überhaupt nicht, dass der böse Staat überprüfen will, ob er alles richtig gemacht hat.“
    Da hat jemand wohl nur die Schlagzeilen gelesen und sich seinen eigenen Reim draus gemacht.

    • RA jm schreibt:

      @ Rasti:

      Stimmt, das hat der Kollege wohl offensichtlich missverstanden bzw. fehlinterpretiert. Ein rechtschaffener Bayer heult natürlich nicht, nur weil der böse Staat überprüfen will, ob er alles richtig gemacht hat!

      Was ihm tatsächlich die Tränen in die Augen trieb, war der Gedanke an die schönen Millionen, die er nun doch dem Staat opfern musste bzw. noch muss. 😉

  3. stephan schreibt:

    War da nicht noch ein gutverdienender Vorzeigebayer der das mit der Abgabenpflicht nicht so genau sah?

  4. kj schreibt:

    Ich kenne Herrn Hoeneß nicht persönlich, daher wäre ich mit selbst mit irgendwelchen Charakter-beurteilungen vorsichtig. Oft sind gerade die lächelnden Freundlichen die Ärgsten, solche Richter oder Prüfer werden auch als „lächelende Fallbeile“ bezeichnet.
    Die Tränen sahen, soweit das nach dem Videoschnitt überhaupt beurteilt werden kann, meiner Meinung nach nicht inszeniert aus.
    Diejenigen, die meinen sie seien die Größten, sie haben keine Fehler gemacht und die Bösen seien die anderen, reagieren jedenfalls anders. Mir sieht das alles eher wie Reue aus.
    Im übrigen habe ich mich früher immer gefreut, wenn die Bayern verloren haben. Heute hat sich das etwas gewandelt, Mich stört hier die fehlende Objektivität.

  5. KHS schreibt:

    … „Mich stört hier die fehlende Objektivität.“ …

    Fehlende Objektivität? Reue? Da stehen mir die Tränen ebenfalls in den Augen … aber vor lachen!

    Was will der nette Herr denn? Eine Extrawurst? Verständnis? Gar Straffreiheit?
    Wasser predigen und Wein trinken konnte er doch auch … und raffen was das Zeug hällt. Und mir kann auch keiner erzählen, dass einer, der sich von so vielen Anwälten und Finanzspezialisten umgibt sieht, nicht wüsste wie man eine wirksam strafbefreiende Selbstanzeige fertigt um – vermutlich bereits fasst ertappt – seinen Arsch zu retten.
    Wäre bereits bei seiner Selbstanzeige „Reue“ im Spiel gewesen hätte er nicht versucht Vater Staat erneut übers Ohr zu hauen.

    Keine Ahnung was der ganze Murgs soll … da gehen Menschen wegen weitaus weniger Schuld in den Knast … warum dann nicht auch die „großen Fische“? So soll es sein! Das schafft Rechtsfrieden und vor allem Rechtssicherheit.

  6. KHS schreibt:

    … oder aber einen Richter am Montagmorgen auf dem falschen Fuß erwischen …

  7. Pingback: Wochenspiegel für die 46. KW, das war ein dreister (?) Rechtsanwalt, das Focus-TOP-Siegel und das Wulff-Verfahren - JURION Strafrecht Blog

  8. T.H., RiAG schreibt:

    Vielleicht sitzen in der Kammer ja drei 60er….

  9. Pingback: Uli Hoeneß nicht am Platz von Beate Zschäpe - Strafakte.de

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