Warum ist Hoeneß überrascht?

Die blauen Augen des Uli H.

Für Herrn Hoeneß wurde eine Selbstanzeige erstattet, die möglicherweise nicht vollständig oder aus anderen Gründen -jedenfalls aus Sicht der Staatsanwaltschaft und des Haftrichters- ungenügend war. Und jetzt, bei Anklagezulassung, fällt er aus allen Wolken, weil diese Selbstanzeige als nicht wirksam angesehen wird.

Es wurde durchsucht, es wurde vorläufig festgenommen, es wurde ein Haftbefehl erlassen, es wurde für dessen Außervollzugsetzung ein hoher Geldbetrag bezahlt.

Und Herr Hoeneß hat seine Berater nie gefragt, ob das denn alles sein kann, wenn eine wirksame und damit strafbefreiende Selbstanzeige vorliegt? Und wenn er es doch gefragt haben sollte, haben ihm seine Berater etwa gesagt, dass das bis dahin alles nur Spaß war und spätestens das Gericht „natürlich“ eine Anklage nicht zulassen wird?

Hat mich bisher nie interessiert, jetzt werde ich mal genauer hinsehen. Hat Herr Hoeneß eigentlich blaue Augen?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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11 Antworten zu Warum ist Hoeneß überrascht?

  1. rawsiebers schreibt:

    Oder sollte man schon die Urteilsbegründung vorwegnehmen wollen:

    Ausnahmsweise konnte die Strafe trotz der Höhe der hinterzogenen Steuern noch zur Bewährung ausgesetzt werden, weil der Angeklagte bis zum Schluss, sogar noch nach Anklageerhebung- und Zulassung, der festen Ansicht war, eine strafbefreiende Selbstanzeige abgegeben zu haben und nur deshalb verurteilt werden musste, weil der Verfasser der Selbstanzeige, auf den sich der Angeklagte 100%ig verlassen hat, Fehler gemacht hat, die der Angeklagte nicht zu vertreten hat.

  2. T.H., RiAG schreibt:

    Erstaunlich ist, dass es die bayerischen Kollegen fertig bringen, eine dem Anschein nach doch eher komplexe Steuerstrafsache in gerade einmal vier Verhandlungstagen über die Bühne zu bringen, während man das 700-EUR-Kapitalverbrechen des Christian W. 22 Tage lang breit tritt. Liegt vermutlich ausschließlich an der bundesweit einmaligen Effizienz der Bajuwaren….

    Kann man irgendwo auf den Verfahrensausgang wetten, vielleicht bei einem britischen Buchmacher? Zwei Jahre auf Bewährung scheint mir ein heißer Tipp zu sein, wobei allerdings die Quoten recht bescheiden ausfallen dürften.

    Wenn der gute Ulli zu wenig bekommt, gleicht man die bayerische Strafbilanz hält wieder aus, indem man ein paar Ladendieben zehn Monate ohne verpasst.

    • JJ Preston schreibt:

      Das mit dem Wetten würde ich ja mal bei den Sapinas versuchen. Von denen müsste doch zumindest einer wieder im Geschäft sein – jedenfalls wenn man sich so die Schiedsrichterleistungen in den Bundesligen und Pokalwettbewerben (männlich wie weiblich) ansieht…

  3. Denny Crane schreibt:

    Bei uns haben es Ladendiebe zur Zeit gut. Ein Amtsgerichtsdirektor verteilt auch bei Serienbewährungsversagern nur noch Geldstrafen mit der Begründung: So lange Hoeneß nicht im Knast sitze, gäbe es bei ihm für Ladendiebstahl keine Freiheitsstrafen mehr. Und bei jedem einzelnen Ladendieb muß sich der konsternierte Vertreter der StA den immer gleichen 30-minütigen Monolog des Vorsitzenden über Gerechtigkeit bei der Strafzumessung anhören (der Verteidiger leider auch).

  4. schneidermeister schreibt:

    @T.H:
    Der Sachverhalt bei Hoeneß dürfte aufgrund der Selbstanzeige recht überschaubar sein, was die 4 Tage erklärt. Nachdem die Schweiz bekanntlich bei reiner Hinterziehung keine Rechtshilfe leistet, wird sich das Gericht im Wesentlichen wohl auf die Bankunterlagen stützen müssen, die Hoeneß selbst geliefert hat. Dann noch ein Abgleich mit den bisherigen Steuererklärungen, Feststellungen zum Anlass und Zustandekommen der Selbstanzeige und fertig ist der Lack.
    Bei Wulff wird man ziemlich herumfieseln müssen, um die Überzeugung von einer Unrechtsvereinbarung gewinnen oder auch trotz Ausschöpfen der Beweismittel nicht gewinnen zu können, da diese Vereinbarung ja meistens nirgendwo aufgeschrieben wird.

    @T.H. Nr. 2: Wenn der vvon D.C. erwähnte monologisierende Richter aber die Strafbefehle nicht erlässt, sondern terminiert, um dann seine Rechtsansichten kundtun zu können? Macht natürlich viel mehr Arbeit, aber als Mann mit einer Mission schreckt ihn das vielleicht nicht….
    @D.C.: Warum hat der Richter eigentlich nicht schon nach Zumwinkels Bewährungsstrafe die Arbeit eingestellt?

    • T.H.,RiAG schreibt:

      Wenn bei Ulrich H. der Sachverhalt so überschaubar ist fragt man sich allerdings, warum es zuvor Monate gedauert hat, über die Zulassung der Anklage zu entscheiden…

      Und zum (freiheits-)strafunwilligen Kollegen: wenn er terminiert, obwohl im SB schon die von ihm beabsichtigte Geldstrafe beabsichtigt ist, und sich so unnötige Arbeit aufhalst müsste man ggf. dem Präsidium einen kleinen Wink geben. Es stehen ja die Beschlüsse über die Geschäftsverteilung für das kommende Jahr an, und wer so viel Zeit hat bewirbt sich nachdrücklich um zusätzliche Aufgaben.

      • Maik schreibt:

        Es steht zu befürchten, dass sich die Anklage auf Steuer-CD-Daten oder die Daten einer Anzeige stützt, d.h. deshalb die Tat entdeckt war.

  5. T.H.,RiAG schreibt:

    Nachtrag @schneidermeister

    Vielleicht handelt es sich bei dem Kollegen um einen 60er oder wenigstens um einen Fan von Borussia Dortmund. Das würde erklären, warum er sich über Herrn H. mehr ärgert als über Herrn Z.

  6. kj schreibt:

    Gibt es ein Gesetz, das besagt, dass die Höhe der Strafe maßgeblich von der Höhe der hinterzogenen Steuern abhängt oder ein Gesetz, dass bei einer bestimmten Höhe der hinterzogenen Steuern eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung zwingend ist. Wäre nach unserer Verfassung nicht allein der Gesetzgeber befugt, solche Mindeststrafen einzuführen?

    Sicher muss die Strafanzeige des Herrn Hoeneß erheblich strafmindernd gewertet werden, ebenso wenn die Unvollständigkeit auf Fehler seiner Berater beruht, auf deren Fachkenntnis er nach objektiven Maßstäben vertrauen durfte. Also ist die Bewährungsstrafe eigentlich logisch, egal in welchem Bundesland.

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