Ein feiner Einstieg

Abgetastet

Ein erster Verhandlungstag in einem Verfahren, das einige Wochen oder Monate andauern wird. Wie immer am ersten Tag das Warmlaufen und Positionieren, auch mit frivolen Anträgen.

Ein Kollege zum Beispiel hat beantragt, ihm mitzuteilen, was sein Mandant bekommt, wenn er nichts sagt, und, was er bekommt, wenn er geständig ist und die Mitangeklagten anscheißt. Der Kollege hat es feiner formuliert, aber verstanden haben alle, was er wollte.

Ich bin gespannt, was die Kammer aus diesem Ansinnen macht, die etwas verschwurbelte  Redelust des Verteidigers wird aber sicher dazu führen, dass gelabert wird, auch wenn die Kammer diesem Antrag elegant aus dem Wege geht.

Mein ZwangsPflichtMitverteidiger, dessen Aktivitäten bisher darauf beschränkt waren, seine Beiordnung nicht zu verlieren, verliert sich weiter, heute darin, mich dabei zu überwachen, was ich mit dem Mandanten bespreche. Ist ihm nicht peinlich, mir ist es egal.

Gut, dass es andere Kollegen gibt, mit denen die Zusammenarbeit angenehm sein wird.

SONY DSC

Advertisements

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
Dieser Beitrag wurde unter bundesweit, Fachanwalt, Rechtsanwalt, Strafrecht, Verteidiger abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Ein feiner Einstieg

  1. Gast schreibt:

    Handelt der genannte Kollege (der nach der Tarifermäßigung für die evtl. Aussagebereitschaft seines Mandanten gefragt hat) damit nicht im besten Interesse seines Mandanten? Und worauf sonst sollte der betreffende Kollege verpflichtet sein?

  2. rawsiebers schreibt:

    Lieber Gast, für die Beratung in den Grundzügen der StPO müssten drei Dinge geschehen:
    1. Ich müsste das Mandat annehmen.
    2. Sie müssten eine Honorarvereinbarung unterzeichnen.
    3. Sie müssten die erste Abschlagsrechnung vollständig ausgeglichen haben.

    Wird wohl schon bei 1. scheitern.

    • Gast schreibt:

      Ist das wirklich wahr? Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Werner Siebers, seines Zeichens überdies Präsident der hochbedeutenden Bundesvereinigung der Fachanwälte für Strafrecht e.V. auf Lebenszeit, möchte einem wissbegierigen Bürger und anerkannt treuen Leser seines Blogs eine offenbar einfach zu beantwortende Nachfrage zu einem eigenen Blogbeitrag nur unter der Voraussetzung eines vergütungspflichtigen Beratungsmandats beantworten? O tempora, o mores.

  3. rawsiebers schreibt:

    @Gast Hin und wieder muss man einfach nur abwarten können und nicht immer gleich herummäkeln.

  4. Bert Grönheim schreibt:

    Ihr Kollege scheint der Sektion Urteilsbegleiter anzugehören. Sollte der Verteidiger nicht wenigstens das Verfahren insgesamt fachlich bewerten, bevor er an einen Deal denkt? Es soll ja auch Anklage mit wenig bis keiner Substanz geben, habe ich mal gehört.

  5. rawsiebers schreibt:

    Nun gut, meine Meinung, es könnte sich möglicherweise um einen Kollegen handeln, der die Kunst der Strafverteidigung nicht vollständig beherrscht, wird, wie man hier sieht, nicht von jedem geteilt.

  6. rawsiebers schreibt:

    Der Schwager eines Nachbarn soll gesagt haben, es könne sich möglicherweise um einen die Strafverteidigung betreffend amateurhaften Zivilisten handeln.

  7. Alan Shore schreibt:

    Mag sein, aber die holen nicht immer das Schlechteste für ihre Mandanten heraus, zumal da manchmal Schutzreflexe des Gerichts einsetzen und der naiv verteidigte Angeklagte zuweilen nachsichtiger beurteilt wird als der Mitbeschuldigte, der „professionell“ verteidigt wird. Auch hat schon so mancher hilflose Zivilist im Revisionsverfahren mit der allgemeinen Sachrüge mehr erreicht als die engagierten Strafverteidigerkollegen mit ein Dutzend Verfahrensrügen.

Kommentare sind geschlossen.