Warum kein Haftbefehl gegen Tebartz-van Elst?

Strafbefehlsantrag gegen Limburger Bischof Tebartz-van Elst

Ja, ich bin ein Vertreter der Unschuldsvermutung, ja, ich bin Atheist, ja, mir geht die katholische Kirche an rückwärtigen Körperteilen vorbei.

Aber warum wird bei Personen mit so hervorragenden Auslandskontakten in Länder, bei denen eine Auslieferung zumindest schwierig ist (Vatikan), die über unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen, sich ausgesprochen gut verkleiden und tarnen können (Kutte) und im Namen eines Allmächtigen notorisch unschuldig sind, nicht der Erlass eines Haftbefehls diskutiert?

Denn bei dem Verdacht der Untreue in 2stelliger Millionenhöhe sind schon ganz andere in den Bau gegangen, bei denen man an den Haftgründen deutlich mehr fantasievoll herumdoktern musste.

Godmum and Godfather of the axis of evil

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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18 Antworten zu Warum kein Haftbefehl gegen Tebartz-van Elst?

  1. HD schreibt:

    Wenn ich das richtig sehe, ist gerade Zweck des Vermögens des bischöflichen Stuhls, welches hier verbraten wurde, der bischöflichen Prachtentfaltung zu dienen.

    Vor diesem Hintergrund wäre die Höhe der aufgewendeten Summe zwar geschmacklos, aber im Bereich der Untreue dürfte man kaum sein.

  2. Denny Crane schreibt:

    @HD

    Das sehe ich genauso. Hier hat jemand im wesentlichen sein „eigenes“ Geld verbraten. Die Polemik gegen den Bischof ist mehr als billig und eine genauso geschmacklose Medienkampagne im Facebook-Zeitalter wie damals bei Christian Wulff. Bezeichnend, daß sich vor allem die Leute aufregen, die nicht einmal Mitglied des Vereins sind. Die guten Christenmenschen, die den Bischof wegen angeblichen Verstoßes gegen die zehn Gebote verurteilen, geifern satanisch in die Kameras, frei nach dem Motto: jeder, der nicht so ein guter Christ ist wie ich, soll gerädert werden.

    Der Herr Bischof hat kein strafrechtliches Problem, sondern ein Marketingproblem. Wenn er sich jeden Tag in der Heimatzeitung mit einem glücklichen Handwerker hätte ablichten lassen, der betont hätte, wie viel der Bischof für die heimische Wirtschaft tut, wären alle zufrieden gewesen. Doch statt wöchentlicher Homestories vom Bau („Limburger Schreinerlehrlinge fertigen die Vertäfelung des Konferenzsaals“) hat der arme Trottel die Baustelle abschotten lassen. Dabei hätten die Gläubigen ihm sogar goldene Wasserhähne verziehen, wenn der örtliche Goldschmiedemeister und seine Angestellten die Arbeiten durchgeführt hätten („Geselle Wilhelm Urspruch, bekannt als Vorsitzender des Fußballvereins, poliert die mundgeblasenen Armaturen aus original Lahn-Gold – Bischofssitz spült Millionen an Steuern in die Stadtkasse – Zukünftiger Touristenmagnet – bald Weltkulturerbe?“).

  3. susa schreibt:

    ööööh?
    Verstehe ich das jetzt falsch, oder wird nicht gerade seitens der Hamburger Staatsanwalt geprüft (und dazu müssen sie bestimmt auch diskutieren), ob ein Haftbefehl erlassen wird?

  4. Klaus schreibt:

    @susa: Aber wegen Abgabe einer unrichtigen eidesstattlichen Versicherung im Rahmen seiner Reise nach Indien in der ersten Klasse, nicht wegen Veruntreuung.

    • Fritz Müller schreibt:

      Da die Hamburger StA lediglich einen Strafbefehl beantragt hat, wird dort die Beantragung eines Haftbefehls ganz bestimmt nicht erwogen.

      Im Übrigen müsste derjenige, gegen den seit 2 Tagen wegen Untreue ermittelt wird und der dann sogleich in den Knast wandert, wohl noch erfunden werden.

      Auch wenn ich gleich von RAWSiebers gerädert werde.

    • susa schreibt:

      Tja, Al Capone habense auch nur wegen Steuerhinterziehung drangekriegt. Irgendwo muss man ja mal anfangen.

  5. rawsiebers schreibt:

    Na ja, § 266 II i.V.m. § 263 III StGB bietet die günstige Höchststrafe von 10 Jahren. Bei dem Verdacht der Untreue in 2stelliger Millionenhöhe kann es da einen Haftbefehl auch schon nach 2 Stunden geben, wenn dringender Tatverdacht und Haftgrund vorliegen. So etwas ist schnell gebastelt, wenn es denn gewollt ist.

  6. rawsiebers schreibt:

    @Fritz Müller: Ich rädere nicht, ich teere und federe nur, sieht aber lustig aus. Wann kommen Sie vorbei, damit wir den Teer erwärmen können.

  7. malnefrage schreibt:

    Vermoegensschaden im Sinne des 266 gibt es doch nur dann, wenn der Bau nicht 31 Mio wert ist? Oder gibt es beim Kirchenetat auch Haushaltsuntreue? Vielleicht verwechselt die Presse.auch „die Staatsanwaltschaft ermittelt“ mit: ein paar Leute haben Anzeige erstattet.

  8. rawsiebers schreibt:

    @Denny Crane Na toll, weil sich ein paar katholische Handwerksmeister mit guten Beziehungen zum Kirchenklüngel die Taschen vollstopfen, ist alles in Ordnung. Demnächst: Bananenstauden aus Limburg.

  9. rawsiebers schreibt:

    Und, ich verwette einiges darauf, dass sich bei externer unkatholischer Überprüfung herausstellen könnte, dass vieles nur deshalb zu teuer wurde, weil die oben genannten Handwerksmeister deutlich zu hoch abgerechnet haben und konnten.

  10. Umel schreibt:

    Ich finde schade, dass im Privatpark wohl kein Geld mehr für den Limonadenbrunnen zur Verfügung stand.

  11. Umel schreibt:

    Man sollte ein Mahnmal daraus machen, das ausschließlich von bedürftigen Familien zu Erholungszwecken betreten werden darf.

  12. Pingback: Selbstleseverfahren, Band 26 - Strafakte.de

  13. Pingback: Wochenspiegel für die 41. KW, das war NSU, der "Protz-Bischof" oder "Limburger Käse", Bodo Ramelow und Johann Lafer - JURION Strafrecht Blog

  14. kj schreibt:

    Die Privilegien des Adels haben wir abgeschafft, die des Klerus leider nicht. Die evangelischen stehen den Katholiken nichts nach oder warum muss eine Bischöfin ein Phaeton als Dienstwagen haben. Hierüber hatte sich komischerweise niemand aufgeregt. Dabei sind deren Bischöfe auch noch gewählte Repräsentanten, was die Sache noch verwerflicher macht.

    • raddi schreibt:

      ähemmm… weil ein Phaeton (noch) keine 31 Millionen kostet? So ein bissl Unterschied sehe ich denn da durchaus…

  15. rawsiebers schreibt:

    Ich bin weder religiös noch gehöre ich einer Kirche an. Aber einen Phaeton im 1%-Leasing ist günstiger als mancher Mittelklassewagen. Außerdem siehe @raddi

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