Schlingerkurs

Eine völlig wertfreie Chronologie

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage zum Jugendrichter.

Der Jugendrichter lehnt meinen Beiordnungsantrag ab mit der Begründung:

Weder die Schwere der Tat noch die Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage lassen die Mitwirkung eines Verteidigers geboten Erscheinen. (wir vereinzelt)

Auf meine Beschwerde ordnet mich das Landgericht bei.

Folge: Der Jugendrichter verweist die Sache ans Jugendschöffengericht.

Verhandlung: Vorschlag des Vorsitzenden des Jugendschöffengerichts (identisch mit dem Jugendrichter): Geldauflage oder Arbeitsstunden.

Urteil: Arbeitsstunden.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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4 Antworten zu Schlingerkurs

  1. kj schreibt:

    Der Jugendrichter hat alles richtig gemacht. Die Arbeitsstunden würde ich als Angeklagter auch dann nehmen, wenn ich zur Tatzeit in Neuseeland gewesen wäre, Wozu für Arbeitsstunden ein Verteidiger? Da das Landgericht offenbar anderer Meinung war, war eine härtere Strafe nicht von vorneherein ausgeschlossen, also Verweis an das Schöffengericht. Da entscheiden ein Berufs und zwei Nicht-Berufsrichter gleichberechtigt. Nun war zumindest ein Schöffe nicht der Ansicht des Landgerichts, sondern der des Jugendrichters, also doch nur Arbeitsstunden. Das Beratungsgeheimnis schützt zudem den Berufsrichter, angepisst zu werden, weil er zu milde sei, er hätte ja von den Schöffen überstimmt werden können.

  2. Fritz Müller schreibt:

    Ich verstehe jetzt auch nicht, was hieran falsch sein soll.

    Der Jugendrichter wollte von vornherein Sozialstunden und hat sie nachher verhängt. Die Frage an der ganzen Geschichte ist lediglich, warum das Landgericht hier den Verteidiger beigeordnet hat. Dies dürfte – die Infos aus dem Sachverhalt zugrundegelegt – grob rechtsfehlerhaft gewesen sein.

    Es lacht nur der Verteidiger, der dem Gericht eine fette Gebührenrechnung schicken kann.

  3. Fleno schreibt:

    Wenn der Richter von vorneherein etwas will, ist er in seinem Beruf falsch. Um ein Urteil zu finden gibt es etwas, dass nennt sich Prozess. Und das einem Jugendlichen ein RA beigeordnet werden sollte, ist für mich ein Gebot der Fairness und Rechtsstaatlichkeit.

  4. kj schreibt:

    @fleno
    wenn ein Jugendlicher wegen Ladendiebstahl, Schwarzfahren oder Fahren ohne Fahrerlaubnis angeklagt ist, dann rechtfertigt das nicht ohne weiteres auf Staatskosten einen Anwalt für bis zu 1000 Euro beizuordnen. Soll der Richter hierfür von vorneherein schon eine lange Haftstrafe nicht ausschliessen können

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