Hut ab

Nicht jedes Opfer ist geldgeil

Eine so großzügige Geste lässt mich den Hut ziehen. Eine Mandantin hat alkoholisiert eine Körperverletzung begangen. Sie hat mich beauftragt, dem Opfer ein Schmerzensgeld anzubieten, was auch geschehen ist. Heute bekomme ich die überraschende Antwort:

Sehr geehrter Herr Siebers,

ich habe Ihr Schreiben vom xx.yy.2013 erhalten und bitte Sie, Frau ZYX mitzuteilen, dass ich ihre Entschuldigung annehme und die Geste der freiwilligen Schmerzensgeldzahlung zu schätzen weiß. Ich denke jedoch, dass eine finanzielle Entschädigung nicht nötig ist und verzichte daher auf die Zahlung.

Mit freundlichen Grüßen

Nochmals: Hut ab! Und das müsste doch über den Täter-Opfer-Ausgleich für eine Einstellung reichen; oder Herr Staatsanwalt?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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7 Antworten zu Hut ab

  1. tom engel schreibt:

    leider ! ungewöhnlich… wird eingestellt ?

  2. Victoria schreibt:

    Die Geste finde ich ebenfalls bemerkenswert. Nur die Überschrift „….ist geldgeil…“ finde ich zum erbrechen.

  3. Guzzi schreibt:

    Geldgeil ist bestimmt auch der Mandant des Blogverfassers, der vielleicht seinerseits mal ein Schmerzensgeld einklagen will.

    Ist der Blogverfasser dann auch geldgeil?

  4. Pascal Rosenberg schreibt:

    Nein, der Blogverfasser hat eine persönliche Meinung zu dem Thema, davon aber unabhängig seinen Mandanten nach bestem Wissen und Gewissen auch in einer solchen Sache zu vertreten. Unabhängig von seiner persönlichen Ansicht zu der Sache ist der Blogverfasser nicht Mutter Theresa und hat auch eine Schmerzensgeldforderung gegen einen anderen für einen Mandanten durchzufechten. Man könnte jetzt natürlich fragen, ob er dann ein solches Mandat annehmen muss oder gar darf, aber noch mal, seine persönliche Einstellung hat schon gemäß Standesrecht keinen Einfluss auf seinen Beruf zu haben. Sonst fänden Mörder oder gar andere Dispoten sicher gar keine Anwälte mehr und würden am nächsten Baume erhängt.

    Insofern steht dem Blogverfasser eine persönliche Meinung zu, die man unabhängig von eventuellen Mandaten sehen muss. Er kann es, wie ich auch, gut finden dass jemand eine Entschuldigung annimmt und auf Schmerzensgeld verzichtet. Das hat mit einem anderen gegenteiligen Mandat wie oben geschrieben nichts zu tun.

    Es stellt sich eher die Frage, was der Herr Guzzi hier implizieren möchte.

  5. rawsiebers schreibt:

    Herr Guzzi hat möglicherweise nicht verstanden, worum es geht. Und dass es geldgeile Opfer gibt, die kleinste Blessuren in horrende Schmerzensgeldforderungen münden lassen, ist nun einmal eine Erfahrung aus der Praxis. Das finde ich auch zum Erbrechen.

  6. rawsiebers schreibt:

    @tom engel: Ich bin guter Hoffnung und werde berichten.

  7. Alexander schreibt:

    Schöner Beitrag, tolle Geste, Überschrift auf BILD-Niveau 😦

Kommentare sind geschlossen.