Manipuliertes Ermittlungsergebnis

Trickser

„Der Lewon hat uns verarscht!“ Das sei die Übersetzung der SMS, aus der man schließe, dass der Angeklagte mit dem Namen Lewon der dritte Täter des Einbruchs gewesen sei. Die Übersetzung haben die polnisch sprechende Kollegin mitgeteilt, so der ermittlungsführende Polizeibeamte als Zeuge vor Gericht.

Zwei hatte man gefasst, einer der beiden hatte dann noch diese SMS an seine Freundin geschrieben, so dass der Schluss für die Polizei nahe gelegen habe, dass der Lewon der dritte nicht gefasste Täter war und einfach abgehauen war und seine Kumpels im Stich gelassen hatte.

Das passte alles, stand so im Ermittlungsbericht und war Grundlage der Anklage. Blöd jetzt nur, dass sich in der Hauptverhandlung herausstellte, dass der tatsächliche Text der SMS lautete: „Der Lewon hat uns verarscht. Wir haben auf den gewartet, der ist einfach nicht gekommen, wir sind dann alleine losgefahren.“

Mit „leichten“ Übersetzungsfehlern mag man leben können (müssen), wenn aber etwas eindeutig Entlastendes in sein Gegenteil verkehrt wird, sollen sich Polizeibeamte über das Ende ihrer Berufslaufbahn ernsthafte Gedanken machen.

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Manipuliertes Ermittlungsergebnis

  1. ausgesucht schreibt:

    Sprich lauter, daß es alle hören! 🙂

  2. Miraculix schreibt:

    „wenn aber etwas eindeutig Entlastendes in sein Gegenteil verkehrt wird, sollen sich Polizeibeamte über das Ende ihrer Berufslaufbahn ernsthafte Gedanken machen“

    Und wie viele Polizisten bleiben dann in DE übrig?

    • NVM-Konteradmiral schreibt:

      Immer noch genug, um für Ihre 8 Fahrzeuge Mängellisten auszufüllen, Geschwindigkeitsübertretungen zu ahnden und allfällige Nutzungsausfallsentschädigungs-Betrugsmaschen aufzuklären.

      Also, keine falschen Hoffnungen, bitte!

  3. kj schreibt:

    Das Entlastende wird nicht wahrgenommen, weil man von der Schuld des Täters überzeugt ist. Das ist aber unbewusst, die merken das nicht. Aber Volljuristen sind nicht anders. Habe das in meinen zahlreichen Disziplinarverfahren als Beschuldigter auch merken müssen. Hatte aber Glück nach langem Kampf gegen Windmühlen doch an eine Richterin zu geraten, die anständig subsumiert hatte,

  4. Miraculix schreibt:

    @kj
    Das ist sicher der eine Teil der Wahrheit. Allerdings war das nicht immer so.
    Nach dem Krieg hat sich die Polizei redlich bemüht Ihren Aufgaben im angemessenen Rahmen gerecht zu werden. Die Polizei – dein Freund und Helfer; das galt damals.
    Aber nachdem die RAF vorgeführt hat wie hilflos der Staat gegenüber Terroristen ist hat sich das Bild gewandelt.
    Politiker haben in großer Eile Gesetze erlassen, die „nur“ zur Terrorbekämpfung dienen sollten.
    Heute werden mit diesen Gesetzen Autofahrer abgezockt 😦
    Polizisten werden darauf geschult, gegen Bürger vorzugehen; egal mit welchen Mitteln. Wenn es da einen Verdacht gibt, wird schon was dran sein – wenn nicht kann man das ja hinterher durch ein Gericht prüfen lassen. Blöd nur, wenn man dann tot oder blind ist 😦

    Aber das ist halt der Preis, den wir für die Terrorbekämpfung zahlen müssen.
    Benjamin Franklin hat es schon vorausgesagt:
    „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“
    Genau das ist uns passiert.

  5. NVM-Konteradmiral schreibt:

    Politiker haben in großer Eile Gesetze erlassen, die “nur” zur Terrorbekämpfung dienen sollten.
    Heute werden mit diesen Gesetzen Autofahrer abgezockt 😦

    Wie traurig! Zu RAF-Zeiten hat man mit Straßensperren noch nach Terroristen gefahndet – heute werden harmlose Mehrfach-Fahrzeugbesitzer wegen nichtiger Anlässe wie Geschwindigkeitsübertretungen geschröpft!

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