Endlich ein Zeichen

Mehrjährige Haft für Falschanzeige

Es wird selten ernsthaft verfolgt, die Strafen sind vergleichsweise milde: erfundene Vergewaltigungen.

Den angeblichen Täter der erfundenen Vergewaltigungen drohen oft mehrjährige Haftstrafen, Untersuchungshaft wird fast immer angeordnet. Wenn sich herausstellt, dass die Vergewaltigungen erfunden waren, sind die Strafen für die Erfinderinnen meist ausgesprochen niedrig.

Anders jetzt wohl das Landgericht Coburg:

Zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren hat das Landgericht Coburg am Donnerstag eine 42-jährige Frau verurteilt. Die gebürtige Kronacherin hatte einen 41-jährigen Mann beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.

Daraufhin saß der Mann zehn Monate in Untersuchungshaft. Wie sich herausstellte, war die Vergewaltigung erfunden. Die falsche Anschuldigung kam ans Licht, weil die Frau zuvor schon anderen Männern gedroht hatte, sie wegen Vergewaltigung anzuzeigen. „Sie ist eine große Manipulatorin und Betrügerin“, attestierte der vorsitzende Richter Gerhard Amend der Angeklagten bei der Urteilsverkündung. Mit den Vergewaltigungsvorwürfen habe sie einen Ermittlungsrichter, einen erfahrenen Staatsanwalt und nicht zuletzt die Opferschutzorganisation Weißer Ring getäuscht.

Quelle: Neue Presse Coburg

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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6 Antworten zu Endlich ein Zeichen

  1. tom engel schreibt:

    ein witz…denn es ist NUR durch zufall herausgekommen…….

  2. kj schreibt:

    Die Strafe halte ich ein bisschen übertrieben. Wenn es keine objektive Spuren gab, könnte ein Haftbefehl ja auch mit Auflagen, sich nicht dem Opfer zu nähern, ausser Vollzug gesetzt werden.
    Für Normalsterbliche ohne kriminelle Erfahrung dürfte es eh kaum möglich zu sein, erfolgreich für längere Zeit unterzutauchen. Auch frage ich mich, warum die Polizei und Gutachter 10 Monate braucht, um ein paar Tatspuren auszuwerten. Mehr dürfte ja bei einer Vergewaltigung kaum zu ermitteln sein.

    • moner schreibt:

      So übertrieben find ich das nicht. Ist doch auch nichts anderes als Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft, und dafür gibt’s bis zu zehn Jahre.

  3. Gustav schreibt:

    Die Strafe ist fast noch untertrieben! Eine erfundene Vergewaltigung ist kein Kavaliersdelikt, das Leben des betroffenen Mannes dürfte so gut wie Ruiniert sein. Wer so etwas anderen Menschen antut, gehört für sehr lange weggesperrt! Endlich hat das jetzt mal Gericht durchgezogen !

  4. PeterPan schreibt:

    Was hat ein Geschädigter von der Haftstrafe einer Täterin- mal Abgesehen von pers. Genugtuung?
    Durch pers. Genugtuung wird keine zerstörte Existenz wieder aufgebaut. In diesem Fall sollte Schadensersatz geleistet werden bis zur völligen Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Tat.

    • moner schreibt:

      Was haben die Hinterbliebenen eines Mordopfers von einer Haftstrafe des Täters? Im Strafrecht geht es nicht darum, dem Geschädigten einen Ausgleich zu gewähren. Dazu gibt es das Zivilrecht. Die zivilrechtlichen Ansprüche waren für das LG hier aber nicht zu prüfen.

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