Facebook als Familienschicksal

Wenn es zuviel wird

Facebook als Lebensinhalt, Facebook als Gradmesser des eigenen Wohlbefindens, Facebook als Schicksalsbereiter. Immer wieder und öfter festzustellen: Facebook bestimmt das Leben mancher Menschen und stellt Weichen, nicht immer die richtigen.

Im Landgericht Magdeburg jetzt das tragische Ende einer langjährigen Beziehung; das blutige Ende ausgelöst durch Bilder, die in Facebook hochgeladen wurden.

Weil sie ihrem Ex-Lebensgefährten ein Messer in die Brust gerammt haben soll, ist eine 55 Jahre alte Magdeburgerin wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht angeklagt worden. Eine Geburtstagsfeier war im März blutig zu Ende gegangen, nachdem der Mann dort Hochzeitsfotos mit einer neuen Frau präsentiert hatte.

Ein heftiges Wortgefecht brach los. Als die Tochter von Stefanie K. dann bei ihr anrief und erzählte, sie habe gerade die Hochzeitsfotos bei Facebook gesehen, eskalierte der Streit. „Er hat mehrfach gerufen, dass er seine neue Frau liebt. In dem Streit haben sich beide nichts geschenkt“, erinnert sich der Bekannte. Stefanie K. habe ihrem Ex-Partner zunächst eine Ohrfeige verpasst. „Sie hat gesagt: ,Ich mach dich kalt!‘ Dann ist sie raus“, so der Bekannte. Stefanie K. soll in die Küche gelaufen sein, sich ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge gegriffen und damit ihrem Ex im Sessel in die linke Brust gestochen haben. Der 50-Jährige trug eine lebensgefährliche Lungenverletzung davon, musste notoperiert werden.

Quelle: Volksstimme

OUNDPcADjzegAJekzreGT7mlnoubkipOkJuMHsvcz1TZf2ckjhAECc6SHGiJa2IQFtiZn2ckxCYiYzrA==

Advertisements

Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
Dieser Beitrag wurde unter bundesweit, Fachanwalt, Landgericht, Magdeburg, Rechtsanwalt, Strafrecht, Verteidiger abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Facebook als Familienschicksal

  1. kj schreibt:

    Frauen haben immer einen Rabatt. Bei einem eifersüchtigen Ehemann wäre es Heimtücke, also versuchter Mord gewesen oder rechnet wirklich jemand ernsthaft mit einem Messerangriff nach einer Ohrfeige und den Worten ich mach Dich kalt?
    Da die Dame zweimal zustechen hätte können, bleibt es wohl beim Rücktritt vom Versuch.
    Denke die Dame kommt mit 3-5 Jahren Haft davon, wenn es normal läuft.

  2. Hermann Tothrot schreibt:

    @kj

    Kann man so nicht sagen. Der Ehemann einer Mandantin hatte gegenüber Zeugen angekündigt, er werde sie töten. Als er schließlich mehrfach – wiederum vor Zeugen – einen schweren Eichenstuhl auf ihren Kopf schlug und dabei rief: „Ich bringe Dich um, ich bringe Dich um!“ und sie mit schweren Verletzungen im Krankenhaus landete, hatte der Haftrichter ungeheure Bauchschmerzen, einen Tötungsvorsatz zu bejahen. Der Ehemann blieb auf freiem Fuß und ist „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

    Wer einen Polizeibeamten hingegen nötigt, von der Straße zu springen, indem er erkennbar nicht abbremst, darf mit einiger Sicherheit mit einer Anklage wegen versuchten Mordes rechnen. Wann Tötungsvorsatz und wann nur Körperverletzungsvorsatz angenommen wird, erscheint völlig willkürlich.

    • JJ Preston schreibt:

      Da kommt es wohl auf die Eignung des Eichenstuhls als Mordwaffe an… Er ist zwar schwer, aber auch nicht leicht zu bewegen, und je nachdem, wie (und wie oft) man das Opfer trifft, sehen dann die Schäden aus. Ein einzelnes Stuhlbein richtet aufgrund seiner Masse ja unterschiedliche Konsequenzen an als etwa eine breite Lehne.

      Im vorliegenden Fall ist die Eignung des Messers als Mordwaffe hingegen unstreitig.

      Zudem ist das mit dem zeitlichen Zusammenhang ja, oberflächlich betrachtet, durchaus komplex: Drohe ich mit Mord und greife direkt danach an, wird Affekt angenommen; drohe ich aber heute und greife morgen an, wird daraus eine geplante Handlung… das ist aber nur dann konequent gedacht, wenn man unterstellt, dass die Aussage aus dem Affekt entsteht und bis zum nächsten Tag die Möglichkeit des Beruhigens und Nachdenkens bestand. Was aber, wenn bereits vor der Todesdrohung die Tötungsabsicht bestand? Das nachzuweisen, dürfte in den meisten Fällen schwierig sein.

      In diesem vorliegenden Falle allerdings halte ich die Tötungsabsicht (und damit das Merkmal Mord) eigentlich für gegeben. Schließlich geschah die Auswahl der Tatwaffe ebenso gezielt wie der Stich selbst in die linke Brust. Ob das noch Affekthandlung sein kann? Immerhin lag das Messer nicht einfach so herum, und der Stich galt der Brust und nicht pauschal dem Oberkörper (obwohl es wohl bei einem Sitzenden schwieriger gewesen wäre, den Bauch zu treffen, das muss ich zugeben).

  3. Emanzipierter schreibt:

    Genderisiererlogik: Ein Mann kann immer nur Täter, eine Frau immer nur Opfer sein.

    Mittlerweile der Regelfall in deutscher Rechtsprechung. Irgendeine Schuld wird der Mann ja schon gehabt habe, er hätte ja nicht wieder heiraten dürfen/sollen, und das Veröffentlichen seiner Hochzeitsfotos im Netz ist ja gewissermaßen schon fast eine Straftat weil er die Gegenwehr der armen Verlassenen provoziert hat.

    Oder so ähnlich.

  4. ck schreibt:

    Alltägliche sexistische Gewalt gegen Männer.

  5. Lore schreibt:

    Bei der Gesamtbeurteilung des Geschehens stellt sich allerdings auch die Frage, was der frisch vermählte Ex-Lebensgefährte solo bei der Ex-Partnerin wollte. Mit dem Präsentieren der Hochzeitsfotos hat er die verlassene Partnerin erheblich provoziert und das Geschehen herausgefordert. Ein entsprechendes Niveau hat dabei wohl verhindert, dass die Dame nicht über den Dingen stand und ihrem Ex einfach nur die Öffnung gezeigt hat, die der Maurer in der Wand hinterlassen hat. Eifersucht kann leider rationales und vorausschauendes Denken blockieren – und nicht nur beim weiblichen Geschlecht – sonst würden nicht so viele Beziehungen feindselig enden.

  6. kj schreibt:

    @lore
    das Verhalten des Mannes ist nicht gesetzeswidrig und spielt bei der Beurteilung der Tat durch Juristen eigentlich kaum eine Rolle, allenfalls im Bereich, ob krankhafte Eifersucht ein Mordmerkmal ist. Ebenso wenig kommt ein Vergewaltiger Rabatt, weil die Dame leicht bekleidet war oder unvorsichtigerweise nachts durch den Stadtpark lief.
    Als Zivilrichter würde man den eindeutigen Sachverhalt in einer Sitzung mit einem einvernehmlichen Urteil abhandeln wollen.

    • NVM-Konteradmiral schreibt:

      Ebenso wenig kommt ein Vergewaltiger Rabatt, weil die Dame leicht bekleidet war oder unvorsichtigerweise nachts durch den Stadtpark lief.

      Eine sehr gewagte Aussage. Ihnen fehlt es offensichtlich an Erfahrungssätzen, was Strafverteidiger bei Sittlichkeitsdelikten so vorbringen:

      „Eine derart enge Jeans kann man nur unter Mithilfe der Trägerin ausziehen.“

      „Die Zeugin hat auffällige Merkmale am Geschlechtsteil des Täters nicht erwähnt. Ergo hat sie es auch nie zu Gesicht bekommen.

      „Der Täter war der Meinung, die Zeugin wolle ein erotisches Rollenspiel mit ihr spielen.“

      • kj schreibt:

        Diese Einwände betreffen das Tatgeschehen, ob überhaupt vergewaltigt wurden und sind daher berechtigt. Es gibt ja leider auch angebliche Opfer, die nur ihrem Partner eins auswischen wollen und häufig ihre Unwahrheiten dann selbst noch glauben. Beim geschilderten erzwungenen Oralverkehr ist daher die Frage, ob der Täter beschnitten war oder nicht durchaus legitim.

Kommentare sind geschlossen.