Der Mantel im Wind

Wenn der bestechende Betrüger zum Kronzeugen wird

Er war ein Unternehmer, der einen Großteil seiner Aufträge für Behörden ausführte. Er war erfolgreich und wohlhabend, weil er zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Entscheidungsträgern richtig viel Kohle gab, er war ein bestechender Betrüger.

Das zum erfolgreichen Bestechen und Betrügen auch gekonntes Lügen gehört, muss nicht vertieft werden. Er selbst und mehrere empfängliche öffentliche Entscheidungsträger wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Nun bleiben Restposten von angeblichen Vorteilsnehmern, die wegen Bestechlichkeit und Vorteilsannahme „abgearbeitet“ werden. Einige bestreiten energisch, von dem Bestecher geschmiert worden zu sein, im Gegenteil, sie behaupten, von ihm angeschwärzt worden zu sein, gerade weil sie nicht empfänglich und schmierbar waren.

Und ganz plötzlich wird der verbrecherische Bestecher zum Haupt- und Generalzeugen der Staatsanwaltschaft, dem man schon deshalb glauben muss, weil er ja angeblich immer  die Wahrheit gesagt hat (nachdem man ihm auf die Schliche gekommen war).

Dass notorische Lügner und Betrüger möglicherweise auch nach dem Erwischtwerden zum Teil weiter lügen, vielleicht, um jetzt Vorteile als „Kronzeuge“ zu sammeln, und dass in solcher Situation der Satz „in dubio pro reo“ eine Rolle spielen könnte, rutscht plötzlich völlig aus dem Vorstellungsvermögen der Staatsanwaltschaft.

Das Mäntelchen im Winde des Gewünschten!

Sieht so eine Staatsanwaltin aus?

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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3 Antworten zu Der Mantel im Wind

  1. Guzzi schreibt:

    Volkes Stimme, auf die ja neuerdings so viel Wert gelegt wird, hat hierzu sicherlich auch eine dezidierte Meinung. Ich sag nur Beamtenbashing.

    Wozu soll sich das Gericht also überhaupt eine lange Beweisaufnahme antun? Das Ergebnis muss ja volksgerecht sein, also Verurteilung der faulen und bestechlichen Beamten.

  2. Der Paraklet von Kaborka schreibt:

    Nahezu jeder Beamte, der aus dem Dienst entfernt wird, ist ein Gewinn für die Gesellschaft: weniger Bürokratie und weniger Kosten. Einzig unsere „Freunde“ bei der Polizei, für die ich auch wenig Sympathie habe, werden tatsächlich benötigt.

  3. kj schreibt:

    Yup, Angeklagte sind genauso wenig glaubwürdig wie alle Juristen, Handwerker und deren Angestellte, Bankprodukt- und Versicherungsvertreter, Beifahrer, Politiker, Pfarrer, Prostituierte oder andere Zeugen in ähnlichen Stellungen, das heißt die Vernehmung erfolgt nicht, weil Richter meint, die Wahrheit zu finden, sondern nur, um ein revisionssicheres Urteil zu schreiben.

    Jemand der mich schmieren will, dem würde ich keinen Auftrag erteilen. Wenn also jemand Gelder angenommen hat, fragt sich warum wurde kein Auftrag erteilt und wenn ein Auftrag erteilt wurde, warum erfolgte dieser trotz des Bestechungsversuch.

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