Niemals!?

Weitergabe der Ermittlungsakte an den Mandanten

Mitleidig schaut er mich an, der Kollege Schlaumeier. Ich kann nicht einschätzen, ob sein Mitleid darauf beruht, dass er meint, dass ich keine Ahnung habe oder darauf, dass er befürchtet, dass meine Inhaftierung unmittelbar ins Haus steht.

Ich habe Schlaumeier nämlich gefragt, warum er seinem Mandanten noch keine Kopie der Ermittlungsakte zur Verfügung gestellt hat, und ihm gesagt, dass ich meinen Mandanten in geeigneten Fällen oder wenn sie es wollen grundsätzlich eine vollständige Kopie der Ermittlungsakte überreiche.

Schlaumeier doziert darüber, dass das verboten sei und damit die Gefahr bestehe, dass der Verteidiger sich strafbar macht.

Ist natürlich Quatsch und zum Leidwesen des einen oder anderen Protagonisten steht meine Verhaftung -hoffentlich – nicht unmittelbar bevor, jedenfalls nicht, weil ich meinen Mandanten die Ermittlungsakten in Kopie zur Verfügung stelle.

Das Gegenteil von Schlaumeiers Annahme ist nämlich richtig, ich bin als Verteidiger sogar verpflichtet, meinen Mandanten umfassend zu informieren und im Rahmen dieser Informationspflicht natürlich auch berechtigt, ihm die Akte vollständig zu kopieren.

Nur er war „dabei“, nur er kann deshalb in der Akte entdecken, wenn etwas nicht stimmt oder wenn etwas Entlastendes enthalten ist, das nur der erkennen kann, der selbst an den Vorgängen beteiligt war.

Schlaumeier irrt sich also nicht nur, er macht selbst Fehler, die dem Mandanten schaden.

Und das ist nicht schlau.

In München gibt es nicht nur das Oktoberfest

 

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Über rawsiebers

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, bundesweit tätig, TOP-RECHTSANWALT Deutschland 2014, 2015 + 2016: STRAFRECHT (Focus-Spezial von 2014, 2015 + 2016)
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8 Antworten zu Niemals!?

  1. Dr Nozar schreibt:

    Genau. Nur weise ich Mandanten darauf hin das die Akte nur zur eigenen Vorbereitungdient uund nicht an Dritte weitergegeben werden darf. Was er dann macht ist seine Sache. Bin ja nicht Mutt.

  2. C_AXR-35 schreibt:

    Solange es sich nicht um einen Mandanten handelt, bei dem zu befürchten ist, dass dieser dann Hausbesuche bei den Zeugen macht, um diese von seiner Sicht der Dinge zu äh „überzeugen“, gerne auch nachdrücklich bei Uneinsichtigkeit des Zeugen. …

  3. rawsiebers schreibt:

    Selbst wenn ich das mit den Hausbesuchen befürchten muss, weise ich darauf hin, dass er das lassen soll und händige dann die Akte aus. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich anfange, den Staatsanwalt zu spielen und meine Pflichten von irgendwelchen „Befürchtungen“ abhängig mache.

  4. Miraculix schreibt:

    Ich hätte es nicht geglaubt wenn ich es nicht selbst erlebt hätte:
    Der (an sich gute) Strafverteidiger „überlegt“ ob er seinem Mandanten die Akte geben soll als dieser darum ersucht. Schliesslich gibt er sie mit der Bemerkung: „Wenn Sie damit Mist machen bringe ICH Sie in den Knast“ heraus; legt aber das schriftliche Verbot Kopien anzufertigen dazu…

    Seinen Job hat er gut gemacht, daran ist nichts zu kritisieren – aber mit diesem dümmlichen Gehabe hat er sich für künftige Mandate disqualifiziert.
    Nur der Vollständigkeit halber: er hatte 250,- Euro Stundensatz berechnet!

  5. RA Meyer schreibt:

    Soweit ich das korrekt erinnere, ist gerade ein Kollege verurteilt worden, der eine Akte weitergab, in der auch die als Besitz angeklagten kinderpornographischen Bilder enthalten waren… Es ist nicht immer so klar!

  6. Miraculix schreibt:

    Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten, auch unter den Juristen.

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